ADB:Hubert, Konrad

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Artikel „Hubert, Konrad“ von Carl Bertheau in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 13 (1881), S. 261–263, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hubert,_Konrad&oldid=2498416 (Version vom 20. November 2017, 19:09 Uhr UTC)
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Hubert: Konrad H. (auch Huber, Huober, Humbert, Hunbart, ferner Pulbarba und Pulbarbus [von poule und barbe] und Ornipogon genannt), der Freund und Gehülfe Butzer’s, wurde im J. 1507 zu Bergzabern als Sohn eines Handwerkers geboren. Im J. 1519 kam er auf die Schule nach Heidelberg; sieben Jahre später ist er als Student der Theologie zu Basel, wohin ihn der Pfarrer seines Geburtsortes Nicolas Thomas Sigelspach empfohlen hatte. Hier nahm ihn Oekolampad als Amanuensis (Famulus) in sein Haus, dem er mannichfach bei seinen gelehrten Arbeiten Hülfe leistete, und im vertrauten Umgang mit ihm ward H. für die evangelische Wahrheit gewonnen. H. hatte außerdem Verbindung mit Johann Operinus, Thomas Plater, Johann Gast u. A. und zeichnete sich durch frommen Sinn und wissenschaftliches Streben aus. Wenige Monate vor seinem Tode empfahl Oekolampad ihn seinem Freunde Martin Butzer (vgl. Bd. III S. 664), der sich damals als Pfarrer an der Thomaskirche zu Straßburg in einer sehr angesehenen Stellung befand. So wurde denn H. im Sommer 1531 Butzer’s Diaconus zu St. Thomä; außerdem aber unterstützte er denselben auch bei seinen Studien und vertrat ihn während seiner Abwesenheit auf mannichfache Weise in seinem Hause und in seinem Amte. [262] Das Verhältniß, das von vornherein ebenso sehr ein persönliches als ein amtliches war, ward ein immer innigeres und freundschaftlicheres und dauerte 18 Jahre lang bis zu Butzer’s Flucht nach England im April 1549. Unter den bescheidensten Ansprüchen lebte sich H. immer mehr in Butzer’s Vertrauen hinein, so daß dieser sich seines Rathes vielfach und gern bediente. Besonders war H. ihm auch durch seine außerordentlich schöne Handschrift bei seiner Schriftstellerei von dem größten Nutzen, da Butzer selbst eine kaum leserliche Hand schrieb und H. seine Gedanken zu errathen und seine Aufzeichnungen zu entziffern und, was oft nöthig war, ganz in seinem Sinne zu ergänzen verstand. Butzer sprach dann auch wiederholt aus, wie viel er Hubert’s Diensten verdanke. Außerdem war H. fortwährend als Prediger und Seelsorger im Kirchendienst thätig und wirkte auch außerhalb Straßburgs zur Verbreitung der Reformation; so hielt er im J. 1545 die erste evangelische Predigt zu Westhofen. Als aber Butzer wegen des Interim Straßburg hatte verlassen müssen, kam für H. eine böse Zeit; namentlich unter Butzer’s zweitem Nachfolger Beatus Gerung mußte er sich manche Zurücksetzung gefallen lassen. Schlimmer aber ward es noch für ihn, als im J. 1557 nach Gerung’s Tode Melchior Specker Pfarrer wurde; nicht nur war ihm in diesem ein jüngerer College vorgezogen, sondern Specker, der streng lutherisch war, wollte Hubert’s kirchliche Stellung, die derjenigen Butzer’s gleich kam, nicht gelten lassen; er und sein Gesinnungsgenosse Professor Johann Marbach setzten es durch, daß H. im J. 1562 aus dem Kirchenconvente ausgestoßen und darauf im J. 1563 seines Amtes entsetzt und als „Freiprediger“ angestellt ward; als solcher hatte H. keine eigene amtliche Thätigkeit mehr, sondern nur in Verhinderungsfällen die Stadtprediger zu vertreten. Die Streitigkeiten, die damals über die Beibehaltung der Tetrapolitana (des Vierstädte-Bekenntnisses) und die Annahme der Augsburger Confession in Straßburg geführt wurden, in welchen H. sogar wegen calvinischer Irrlehren angeklagt ward, veranlaßten ihn, sich immer mehr vom öffentlichen Leben zurückzuziehen. In der letzten Zeit seines Lebens beschäftigte er sich besonders mit einer Ausgabe der Werke Butzer’s. Dieser hatte ihm die Vormundschaft über seinen Sohn erster Ehe, Nathanael, „einen fast blödsinnigen und trägen Menschen“ (vgl. Röhrich), übertragen; nach dem Tode der Vormünder der Kinder zweiter Ehe fiel H. die ganze Arbeit der Ordnung des Nachlasses zu, welche ihm viel Mühe und Unannehmlichkeiten bereitete. Nicht besser ging es ihm bei seinen Bemühungen um den litterarischen Nachlaß Butzer’s. Schon gleich nach Butzer’s Tode, der im J. 1551 erfolgt war, hatte H. daran gedacht, die gedruckten und die handschriftlich hinterlassenen Werke desselben herauszugeben; im J. 1556 war dann der Plan seiner Ausführung nahe: H. und der Rector Johannes Sturm wollten sie bei Operinus in Basel erscheinen lassen. Nach der Ueberwindung vielfacher Schwierigkeiten, zu denen dann auch Operinus’ Tod kam, erlebte H. nur, daß der erste Band unter dem Titel „Martini Buceri scripta Anglicana fere omnia“ im J. 1577 zu Basel bei Perna erschien; die Zueignung Hubert’s an den Erzbischof Grindell ist vom 22. Februar 1577 datirt; am 13. oder nach anderer Angabe am 23. April 1577 starb H.; die Ausgabe der Werke Butzer’s blieb unvollendet. – H. hat sich auch als Dichter geistlicher Lieder bekannt gemacht. Zuerst erschienen Lieder von ihm, so viel wir wissen, in dem Straßburger Gesangbüchlein, das im J. 1545 bei Wolff Köphl erschien; aber hier sind sie noch ohne Namen; erst in späteren Ausgaben dieses Gesangbuches, die jedoch noch zu seinen Lebzeiten in Straßburg erschienen, wird er als Dichter genannt; so bei einem Liede im Gesangbuch von 1559, bei einem anderen im großen Kirchengesangbuch von 1560 (hier als Conrad Humbert angeführt), dann bei zwei weiteren im Gesangbuch von 1566 etc.; das Genauere hierüber s. bei Goedeke [263] und Wackernagel. Wie weit H. namentlich wol nach Butzer’s Fortgang an der Herausgabe dieser Gesangbücher betheiligt gewesen ist, scheint noch nicht festgestellt zu sein; nach Goedeke hat er „ohne Zweifel“ die Herausgabe des großen Kirchengesangbuches von 1560 besorgt, nach Röhrich wenigstens die der zweiten Auflage dieses Buches von 1572. Eine Sammlung neuerer lateinischer Gesänge herauszugeben ward H. durch den Tod verhindert. – Außer den vier Liedern, deren eben gedacht ist, wird ihm oft auch das Lied: „Allein zu dir, Herr Jesu Christ, mein Hoffnung steht auf Erden“, zugeschrieben; falls mit Recht, so wäre er Dichter eines der bekanntesten und besten Kirchenlieder. Es würde Niemand daran zweifeln, daß er der Verfasser desselben sei, da die Bezeugung für ihn (1560: Conrad Humbert, 1566 und später: Conrad Hubert) der seiner übrigen Lieder nicht nachsteht, wenn nicht andererseits dasselbe ebenso bestimmt dem Joh. Schneesing († 1567) zugeschrieben würde; da jedoch das ursprüngliche Zeugniß für Schneesing, nach welchem das Lied aus dem J. 1522 (sic!) stammen soll, jedenfalls so, wie es lautet, nicht glaubwürdig ist, so bleibt kein rechter Grund, das Lied H. abzusprechen; denn daß dasselbe schon früh nicht nur außerhalb Straßburgs bekannt war, sondern auch in einer niederdeutschen Uebertragung, aber immer ohne Namen des Dichters, sich vorfindet, ist kein Beweis dafür, daß es nicht von H. sein könne.

Ueber ihn ist ganz besonders zu vgl.: Tim. Wilh. Röhrich im dritten Bande der Mittheilungen aus der evangelischen Kirche des Elsaßes, Straßburg 1855, S. 245–274; dieser Aufsatz ist eine Erweiterung eines von demselben Verfasser früher in den Straßburger Beiträgen von Reuß und Cunitz, Bd. IV, 1852, veröffentlichten. – Joh. Wilh. Baum, Capito und Butzer, Straßburgs Reformatoren (Leben und ausgewählte Schriften der Väter und Begründer der reformirten Kirche, Bd. III), Elberfeld 1860, S. 586 ff. – Ed. Em. Koch, Geschichte des Kirchenlieds etc., 3. Aufl., Bd. II S. 106 ff., Bd. V, S. 653. – Wackernagel, Das deutsche Kirchenlied, Bd. III S. 944 ff. – Ueber die genannten Gesangbücher: Goedeke S. 161 und Wackernagel, Bibliographie, S. 201, 291, 295 u. 325; das Gesangbuch von 1572 erwähnt Wackernagel nicht. – Ueber das Lied „Allein zu Dir“ etc. Fischer im Kirchenliederlexikon; Julius Mützell, Geistliche Lieder, Berlin 1855, Bd. I S. 94, und Wackernagel, Bd. III S. 174 ff. – Vgl. auch Goedeke S. 180 Nr. 47. Daß es noch einen jüngeren Liederdichter desselben Namens gegeben habe, der 1642 Diacon in Straßburg gewesen und 1668 oder 1686 gestorben sei (Adler, Lebensnachrichten über die Verfasser der Lieder in dem Gesangbuche für die evang.-luth. Kirche in Baiern, 3. Aufl. 1868 S. 29; Curtze, Gesch. des evangel. Kirchengesangs in Waldeck, 1853 S. 226) beruht auf Irrthümern, von denen einer den anderen erzeugt zu haben scheint.