ADB:Herbert, Petrus

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Artikel „Hubert, Petrus“ von Carl Bertheau in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 13 (1881), S. 263–264, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Herbert,_Petrus&oldid=2498417 (Version vom 23. September 2017, 02:10 Uhr UTC)
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Hubert: Petrus H., auch Herbert genannt, ist einer der drei Herausgeber des großen deutschen Gesangbuches der böhmisch-mährischen Brüder vom J. 1566 (vgl. d. Art. Geletzki, Bd. VIII S. 539). Er unterschreibt sich unter der Vorrede als Petrus Hubertus Fulnecensis. Der Zusatz könnte bedeuten, daß H. aus Fulnek in Mähren stammt, geht aber doch wol wahrscheinlicher darauf, daß er damals dort angestellt war. Aus seinem Leben ist folgendes bekannt. Als Calvin sich über die Abendmahlslehre der mährischen Brüder tadelnd geäußert hatte und diesen viel daran lag, dieses Urtheil zu mildern und überhaupt Calvin, Musculus und die Schweizer für sich zu gewinnen, sandten sie im J. 1560 Johannes Rokyta und unsern H. dorthin ab. Die Gesandten, welche die Weisung hatten, zuerst Vergerius aufzusuchen und ihn Ende Mai 1560 in Göppingen trafen, ließen sich von diesem bewegen, zunächst den Herzog Christoph von Württemberg um seine Vermittlung zu bitten. Dieser widerrieth die Reise [264] nach der Schweiz, versprach aber, einige junge Leute aus der Unität auf seine Kosten in Deutschland studiren zu lassen. H. reiste darauf allein weiter nach der Schweiz. In Zürich kam er mit Bullinger und Peter Martyr zusammen; am 24. Juni war er bei Musculus in Bern, Ende Juni in Genf bei Calvin; überall fand er freundliche Aufnahme und wenigstens der jetzigen Lehre der Brüder über das Abendmahl zustimmende Erklärungen. – Im J. 1561 finden wir sodann H. als Führer einer zweiten Gesandtschaft beim Herzog von Württemberg, um demselben zunächst zwei Brüder zur Unterstützung während ihrer Studien zu empfehlen. Der Herzog ließ beide auf seine Kosten drei Jahre in Tübingen studiren. – Als nach dem Tode Kaiser Ferdinands im J. 1564 die Brüder in Böhmen beschlossen hatten, thunlichst schnell dem neuen Kaiser Maximilian eine Bittschrift zu überreichen, um für die Brüder günstigere Verhältnisse zu gewinnen, ward H. den Gesandten als geistlicher Rath mitgegeben; er war auch der Verfasser der bei dieser Gelegenheit dem Kaiser überreichten Confession der Brüder, die vor ihrer Uebergabe vom Leibarzt des Kaisers, Crato durchgesehen war. Maximilian nahm Bittschrift und Confession an und versprach eine Antwort; aber dabei blieb es zunächst; die Confession sandte der Kaiser an das utraquistische Consistorium in Prag zur Prüfung. – An dem Gespräch, das der Graf Hardegg am 29. November 1565 auf seinem Schlosse Latowitz veranstaltete, um eine Vereinigung der Brüder mit der lutherischen Reformation zunächst auf den Gütern des Grafen zu erreichen, hat H. als einer der drei Vertreter der Unität theilgenommen. – Er gehörte dann auch zu den Deputirten, welche am 27. November 1566 dem Kaiser Maximilian im Namen der Unität das schon genannte Gesangbuch vom J. 1566 überreichten und bei dieser Gelegenheit dem Kaiser die schon früher übergebene Confession ins Gedächtniß zurückriefen. Ihr Erfolg war wenigstens soweit ein günstiger, als sie die Zusage erhielten, daß die Brüder um ihres Glaubens willen nicht verfolgt werden sollten. – Aus dem Mitgetheilten geht hervor, daß H. das Vertrauen der Brüder in besonderem Maße genossen haben muß. Ob er in Mähren, vielleicht in Fulnek, als Prediger oder Lehrer eine amtliche Stellung innegehabt hat, scheint nicht mehr nachzuweisen; zuletzt war er Consenior in Eibenschitz, er starb im J. 1571; „war gesonnen noch mehr im Weinberge des Herrn zu arbeiten, aber Gott hat ihn zeitlich zur Ruhe abgefordert“, heißt es in der Ausgabe des erwähnten Gesangbuches vom J. 1639; er ist also nicht alt geworden. Aus dieser späteren Ausgabe des Gesangbuches erfahren wir auch, daß im Gesangbuche von 1566 schon 93 Lieder von ihm sind und daß er im Ganzen 104 Lieder gedichtet hat; wie weit er diese Lieder mehr nur aus dem Böhmischen übersetzt hat und wie weit dieselben als seine eigenen Dichtungen angesehen werden können, wird im Einzelnen noch nicht untersucht sein. Im Ganzen haben sie den Charakter der übrigen deutschen Brüderlieder; sie zeichnen sich durch Einfachheit und schöne Sprache aus; einige sind Bearbeitungen lateinischer Kirchenlieder. Wackernagel hat in seiner großen Sammlung 73 Lieder Hubert’s aufgenommen.

Wackernagel, Bibliographie, S. 624 ff. Das deutsche Kirchenlied, Bd. I S. 727; Bd. IV S. 384–449. – Anton Gindely, Geschichte der böhmischen Brüder, Prag 1857 f., Bd. I S. 410 ff., 459; Bd. II S. 25, 34, 40 u. 465. – Koch, Geschichte des Kirchenlieds etc., 3. Aufl., Bd. II S. 411 und 414 f.