ADB:Hunold, Christian Friedrich

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Artikel „Hunold, Christian Friedrich“ von Wilhelm Creizenach in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 13 (1881), S. 419–421, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hunold,_Christian_Friedrich&oldid=- (Version vom 21. Mai 2019, 11:29 Uhr UTC)
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Band 13 (1881), S. 419–421 (Quelle).
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Hunold: Christian Friedrich H., geb. 1680 zu Wandersleben in Thüringen, gest. 1721 zu Halle; als Schriftsteller bekannt unter dem Namen Menantes. Er ist merkwürdig nicht nur durch seine schriftstellerische Thätigkeit auf den verschiedensten Gebieten der schönen Litteratur, sondern namentlich auch durch seine Lebensschicksale, die wir bei keinem seiner dichtenden Zeitgenossen – den einzigen Günther vielleicht ausgenommen – mit gleicher Ausführlichkeit verfolgen können und die uns höchst merkwürdige Einblicke in das gesellige Leben und in das litterarische Treiben der damaligen Zeit thun lassen. Die Hauptquelle zu seiner Biographie, die „Geheimen Nachrichten und Briefe von Herrn Menantes Leben und Schriften“, 1731, sind nach dieser Richtung noch nicht genügend ausgenützt. Sein Vater, gräflich Hatzfeld’scher Amtmann starb früh. Er wurde auf der Schule zu Arnstadt, dann auf dem Gymnasium zu Weißenfels zu den Universitätsstudien herangebildet und bezog alsdann, 18 Jahre alt, die Universität Jena. Er studirte Jurisprudenz und war ein eifriger Schüler Bohse’s (s. d.), der zugleich auch unter den Pseudonym Talander als Romanschriftsteller thätig war. Einer seiner genauesten Freunde war ein gewisser Meister aus Weißenfels, den er häufig in seiner Heimath besuchte. H. der stets beim schönen Geschlecht wohl gelitten war, gerieth auch bald in eine Liebschaft mit Meister’s Schwester; diese Liebschaft, wie überhaupt die Liebschaften Hunold’s in seinen Jugendjahren werden in den „Geheimen Nachrichten“ ausführlich geschildert und die Veranlassung hierher gehöriger kleiner Gedichte erzählt. Indessen zeigte es sich, daß sein stark zusammengeschmolzenes Vermögen ihm nicht mehr gestattete, seine Studien fortzusetzen; auch die Absicht, sich mit Meister’s Schwester zu vermählen, mußte er aufgeben; er beschloß die Heimath zu verlassen und sich nach Hamburg zu begeben, der Stadt Deutschlands, in welcher damals das Litteratenthum am meisten in Blüthe stand (1700). Unterwegs lernte er den Hamburger Buchhändlergehülfen Wedel kennen, dessen Principal Liebernickel später Hunold’s Verleger wurde; Wedel war längere Zeit hindurch Hunold’s vertrautester Freund und ihm verdanken wir auch die „Geheimen Nachrichten“. In der ersten Zeit seines Hamburger Aufenthaltes mußte er sich mit mancherlei Beschäftigungen, durch Schreiberdienste, durch Unterricht in der Redekunst und Dichtkunst durchhelfen. Doch fand er bald den Wirkungskreis, in dem er für die nächsten Jahre verbleiben sollte; noch im J. 1700 veröffentlichte er den Roman „Die verliebte und galante Welt“, der durch die darin enthaltenen Anspielungen auf Ereignisse am sachsen-weißenfels’schen Hofe einen besonderen Reiz erhielt. Durch den Erfolg dieser Erstlingsarbeit ermuthigt, blieb [420] er bei der Litteratenthätigkeit; seine gewandte Feder war von den Buchhändlern sehr gesucht und half ihm den Aufwand seines leichtfertigen Lebens bestreiten. In die fortwährenden Streitigkeiten der Hamburger Litteraten war er mit verwickelt, namentlich auch in die Streitigkeiten zwischen Warnecke, dem Bekämpfer und Postel, dem Vertheidiger der zweiten schlesischen Dichterschule, Streitigkeiten, denen besonders die schweizer Kritiker im vorigen Jahrhundert eine übertriebene Bedeutung in der Geschichte des litterarischen Geschmacks der Deutschen beilegten. H. vertheidigte Lohenstein, wenn er auch selber in seinem lebendigen und natürlichen Stil nur wenig Aehnlichkeit mit ihm zeigt. Uebrigens artete der Streit in die widerwärtigsten Persönlichkeiten aus; das Detail findet man bei Jördens und in Schröder’s Hamburgischem Schriftstellerlexikon. Auch für die Hamburger Oper, die damals in höchster Blüthe stand, war H. als Dichter thätig; großen Beifall errang die von Keiser componirte Oper „Nebucadnezar“ (1704), aus der die Scene, in welcher der König mit Federn und Klauen bewachsen unter den Thieren auftritt, oftmals als Curiosum angeführt wird. H. legte übrigens ebenso wie die übrigen Operntextdichter auf diese Seite seiner schriftstellerischen Wirksamkeit großen Werth; er verbreitete sich darüber in ausführlicher Selbstkritik und betheiligte sich auch an den Federkriegen, die auf diesem Gebiete ausgefochten wurden. In dem Streit zwischen Feustking und Barthold Feind stand er auf der Seite des letzteren, mit dem er jedoch bald wieder auseinander kam. Auch mischte er sich in die von dem Publikum mit großem Interesse verfolgten Cabalen der Opernsängerinnen, mit denen er zum Theil in sehr intimen Beziehungen gestanden zu haben scheint; die Romanschriftstellerei und die Gelegenheitsdichterei, in der er eine große Gewandtheit, aber auch eine unglaubliche Frivolität und Schlüpfrigkeit bekundet, ging stets neben seinen übrigen Beschäftigungen her. Seine schamloseste Leistung auf diesen Gebieten, der „satirische Roman“, welcher auch mancherlei Anspielungen auf Hamburger Ereignisse enthält – Andeutungen über den Inhalt bei Wolfgang Menzel, Deutsche Dichtung Bd. II, S. 489 – machte ihn in Hamburg unmöglich. Er wurde mit einem Proceß bedroht und mußte die Stadt verlassen (1706). Er begab sich wieder nach Thüringen; seine Schriftstellerei setzte er unermüdlich fort. Noch in demselben Jahre schloß er ein größeres Werk ab „Die allerneueste Art, zur reinen und galanten Poesie zu gelangen“; die Vorrede ist unterzeichnet „nicht weit von Freudenthal bey dem Schlosse von Gleichen. Den 28. Juli 1706.“ Es ist dies eine der vielen damals erschienenen Anleitungen zur Reimerei, die sich in keiner Weise über die Auffassung der Poesie, wie sie damals üblich war, erhebt, ja vielleicht noch geflissentlicher als die andern derartigen Lehrbücher die Würde des Gegenstandes außer Augen läßt. Sie beruht indeß durchaus auf den von Erdmann Neumeister in Leipzig gehaltenen Vorlesungen, deren Manuscript H. von dem Verfasser, einem Schwager von Hunold’s Freund Meister überlassen wurde. Auch sonst hat sich H. in den nächsten Jahren vor Allem mit der Abfassung von Lehrbüchern und Uebersetzungen beschäftigt. Von 1708 ab lebte er in Halle; er las daselbst über Poesie und Rhetorik. Aehnlich wie sein Lehrer Talander suchte er mit diesen Studien das Studium der Jurisprudenz zu verbinden. Im Jahre 1714 war er so weit, daß er unter dem Präsidium des Bodinus (Boden) De testamentis irrevocabilius disputiren konnte und von da ab las er auch juristische Collegia. Seine Lebensweise wurde nun eine solidere und gesetztere, er vermählte sich mit einer Tochter des Notars Zündel; seine Gedichte aus der späteren Zeit („Academische Nebenstunden allerhand neuer Gedichte“, 1713) sind frei von Schlüpfrigkeiten, aber auch ohne die frühere Lebendigkeit und Frische. Nicht uninteressant sind seine Uebersetzungen Lafontaine’scher Fabeln. Ein [421] oratorisch-epistolisch-poetisches Lexikon, an dem er in den letzten Jahren seines Lebens arbeitete, hinterließ er unvollendet.

Für die frühere Zeit seines Lebens sind die Geheimen Nachrichten die Hauptquelle; Notizen über die Zeit seines Aufenthalts in Halle in den Neuen Nachrichten von gelehrten Sachen, Leipzig 1721. S. 623 ff., woher auch die Notizen in Dreyhaupt’s Beschreibung des Saalkreises Bd. II, S. 642 entnommen sind. Ein Verzeichniß seiner Schriften im Hamburgischen Schriftstellerlexikon.