ADB:Johannes V. Turzo

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Johannes V. Turzo, Bischof von Breslau“ von Hermann Markgraf in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 14 (1881), S. 188–189, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Johannes_V._Turzo&oldid=- (Version vom 25. Juni 2019, 14:28 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
Johann Christian
Band 14 (1881), S. 188–189 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Johannes V. Thurzo in der Wikipedia
GND-Nummer 119853558
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|14|188|189|Johannes V. Turzo, Bischof von Breslau|Hermann Markgraf|ADB:Johannes V. Turzo}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=119853558}}    

Johann V. (Turzo), Bischof von Breslau, 2. Februar 1506 bis 2. August 1520, war der Sohn eines ungarischen Edelmanns Johannes Turzo von Betlenfalva aus der Zips, der durch Bergbau zu großem Vermögen und schließlich auch zum Grafentitel gelangt war. Da er auch Besitzungen in der Nähe von Krakau hatte, so wurde er wol auch als Pole bezeichnet. J., der zweite von fünf Söhnen, geboren 1464, hatte seine Studien in Italien gemacht und war dann Domherr in Breslau, zuletzt Decan des Kapitels geworden. Er war Dr. decr. Als der Bischof Johann IV. Roth, den die fortwährenden Streitigkeiten mit seinem Kapitel müde gemacht hatten, im J. 1502 einen Coadjutor wählen wollte, setzte sein alter Freund Graf Turzo die Wahl seines Sohnes dazu durch. Er sparte kein Geld, um die Gunst der Domherren zu gewinnen; doch obwol am 11. März 1502 die im Kapitel anwesenden Domherren einstimmig sich für den vom Bischof vorgeschlagenen Domdechanten erklärten, war doch eine bei der Wahl nicht persönlich vertretene Partei gegen denselben und es kam darüber zu den heftigsten Auftritten. Da der in der Stadt und im ganzen Lande wegen seines intriganten Charakters übel angeschriebene Domkanzler Apicius Colo der Hauptbeförderer Turzo’s war, so erklärten sich die Stadt Breslau und die Fürsten gegen seine Wahl, im Kapitel selbst war sein Hauptgegner der Domcantor Oswald Winckler von Straubing. Trotzdem erfolgte am 12. August 1503 die Bestätigung des Papstes Alexander VI. Die Streitigkeiten im Lande dauerten darüber hinaus und hatten schließlich den sog. Kolowratischen Vertrag vom 3. Februar 1504 zur Folge, der u. A. (vgl. Johann IV.) im Gegensatz zu den Erklärungen des Apicius Colo und seiner Partei, das Kapitel würde nie wieder einen schlesischen Fürsten zum Bischof wählen, weil es mit solchen zu schlimme Erfahrungen gemacht habe, zumal mit den Bischöfen Wenzel und Konrad, ausdrücklich jeden Ausländer vom Bischofsstuhl ausschloß. Die Succession Turzo’s wollte man sich indeß, da er einmal Coadjutor war, gefallen lassen. Am 21. Januar 1506 starb Bischof Johann IV. und am 2. Februar folgte ihm Turzo als Johann V. Seine Consecration fand am 22. März statt, unter Assistenz seines jüngeren Bruders Stanislaus, des Bischofs von Olmütz. – Der neue Bischof war ein milder und freigebiger Herr. Er erließ sofort einige drückende Steuern im Fürstenthum Neiße, dessen Landesherr der regierende Bischof war, und löste den seit Jahren verpfändeten District Kanth auf seine Kosten für die mensa episcopalis ein. Er baute mehrfach am Dom und ließ das Schloß Johannisberg, noch jetzt die Residenz der Fürstbischöfe von Breslau, oberhalb des Städtchens Jauernick erbauen. Er prägte die ersten Thaler in Schlesien und erlangte vom Kaiser Maximilian auch das Recht Goldmünzen zu prägen. Nach seiner geistigen Richtung ist er als ein Freund der Aufklärung zu bezeichnen. Er sorgte durch mannichfache Veranstaltungen dafür, daß der Klerus seiner Diöcese, dessen Trägheit und Unbildung er ausdrücklich tadelt, zu geistlicher und gesetzlicher Lebensweise besser angehalten würde, hielt zu dem Zwecke auch mehrere Synoden ab und ließ die Diöcesanstatuten 1512 in Nürnberg neu drucken. Den Unfug, den die Mönche zu St. Dorothea mit einem angeblich wunderthätigen Marienbilde trieben, stellte er energisch ab, er selbst begünstigte besonders den Kultus der heiligen Anna. Am Ende seiner Regierung gerieth er mit dem Kapitel, namentlich seinem alten Gegner Oswald Winckler, und mit dem gesammten Klerus in Streit wegen wiederholter Steuerforderungen, zu denen ihn theils sein kostspieliger Hofhalt genöthigt hatte, theils die Verringerung der Einnahmen, der sich die schlesische Kirche durch die Feindschaft der Laien, besonders [189] auch der Fürsten, in dieser Zeit ausgesetzt sah. – Den humanistischen Studien, die er in Italien lieb gewonnen hatte, blieb er auch als Bischof getreu. Alle Reuchlinistae in Breslau hatten seine Gunst und erfreuten sich seiner Freigebigkeit. Ein Privileg für die später so berühmt gewordene Schule in Goldberg spricht trefflich sein Interesse an den Fortschritten des Unterrichtswesens aus. Mit Erasmus stand er in Briefverkehr; er äußerte wol den Wunsch die weite Reise bis in die Niederlande zu machen, nur um den berühmten Gelehrten persönlich kennen zu lernen. Leider war er, zumal im Anfang seines Wirkens, mit den Stadtbehörden Breslaus zu sehr verfeindet, um den Plan des Bürgermeisters Haunold eine städtische Universität zu errichten, deren Professoren die Pfründen des Kreuzstifts beziehen sollten und zu deren Kanzler der jedesmalige Bischof bestimmt war, vorurtheilsfrei zu begünstigen. Seine mindestens gleichgiltige, wenn nicht ablehnende Haltung trug viel zum Mißlingen des großgedachten Unternehmens bei. Den Anfängen Luthers brachte er ein wohlwollendes Interesse entgegen, so daß Luther und Melanchthon, durch ihre Breslauer Freunde davon benachrichtigt, im Sommer 1520 durch Dominicus Schleupner, den er auf seine Kosten nach Wittenberg zur Fortsetzung seiner Studien gesandt hatte, an ihn schrieben. Allein die Briefe erreichten ihn nicht mehr lebend, er war am 2. August 1520 verschieden. Wie es scheint, galten seine letzten Gedanken den in der Kirche angebahnten Reformen. Luther nennt ihn in einem Briefe an Spalatin den besten aller Bischöfe dieses Jahrhunderts. Die Johanniskapelle im Dom zu Breslau birgt sein Grabdenkmal aus weißem, jetzt rothbraun angestrichenem Marmor.

C. Otto, De Johanne V. Turzone. Wrat. 1865. Luchs, Schlesische Fürstenbilder etc.