ADB:Joseph Friedrich

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Artikel „Hildburghausen, Josef Maria Friedrich Wilhelm, Prinz von Sachsen-“ von Karl Friedrich Hermann Albrecht in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 12 (1880), S. 395–397, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Joseph_Friedrich&oldid=- (Version vom 15. September 2019, 10:43 Uhr UTC)
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Hildburghausen *): Josef Maria Friedrich Wilhelm, Prinz von Sachsen-H., k. k. Feldmarschall, des heiligen römischen Reiches Feldzeugmeister, Ritter des goldenen Vließes, geheimer Rath, Inhaber des österreichischen achten Infanterieregiments, geboren am 8. October 1702, † am 14. Januar 1787, ein Sohn Herzogs Ernst von Sachsen-Hildburghausen und Sophiens, geborener Fürstin von Waldeck. Zufälle, die außer der Berechnung des Feldherrn liegen und welche Klugheit nicht immer zu beseitigen vermag, haben diesen Fürsten bekannter in Rücksicht des Verlustes, als seiner unbestreitbaren Verdienste gemacht. Daß ihn Prinz Eugen schätzte und Feldmarschall Königsegg gern verwendete, [396] spricht für seine militärische Begabung. Mit 16 Jahren in kaiserliche Kriegsdienste getreten, ward H. schon am 18. Juli 1730 Oberst, am 17. Januar 1732 Inhaber, am 20. April 1734 Generalfeldwachtmeister. In den Feldzügen 1734 und 35 stand er bei dem Heere in Italien, ward am 30. April 1735 Feldmarschall-Lieutenant. Nicht glücklich war der inzwischen am 25. Sept. 1736 zum Feldzeugmeister beförderte Prinz in seiner Unternehmung gegen Bosnien (1737). Das von ihm befehligte, in der Stärke von 16 257 Mann in Slavonien aufgestellte Corps sollte die Save bei Gradiska überschreiten und sich Banjaluka nähern. Am 15. Juli wurde der Uebergang bewirkt, am 23. Juli stand der Prinz vor Banjaluka und die Einschließung der Festung wurde begonnen. Am 4. August erschien der Bassa von Travnik mit ungefähr 30 000 Mann zum Entsatze der Stadt und griff das kleine kaiserliche Corps an. Die empfindlichen Verluste dieses Tages (das kaiserliche Heer verlor 39 Offiziere, 844 Mann), sowie die constatirte Ueberlegenheit des Gegners nöthigten in einem Kriegsrathe, am Abend des 4. August, zu dem Entschlusse den Rückzug anzutreten, da man sich zu erneuerter Offensive zu schwach fühlte. Derselbe wurde am 3. August begonnen, am 13. August überschritt das Corps die österreichische Grenze und traf am 25. August in Gradiska ein. In der Folge hatte der Prinz im Gefechte bei Kornja (4. Juli 1738) hauptsächlich durch seine Unerschrockenheit den Sieg den kaiserlichen Fahnen zugewendet, seine Annäherung vertrieb die Türken von Raczka und Pancsova. Als in der Schlacht bei Grocka (23. Juli 1739) der Rückzug nothwendig geworden war, deckte er denselben unter dem heftigen Feuer des Feindes, so daß der Kampf, als inzwischen Feldmarschall Neipperg eintraf, erneuert werden konnte. Der Tag von Grocka war der heißeste der drei Türkenfeldzüge; man hatte an demselben auf dem linken Flügel Bonneval gegen sich und wollte beim Gegner viele Anordnungen nach europäischen Kriegsgebräuchen bemerkt haben. Prinz H. *) befand sich nach Beendigung des Türkenkrieges 1737–39 als Gouverneur in Komorn, vertrat am 13. März 1741 als Taufpathe des neugeborenen Erzherzogs Josef, den König August III. von Polen, rückte am 18. April zum Feldmarschall vor und erhielt im November das Commando über die aus Italien nach den Erblanden marschirenden Truppen. Während dieses und des nächstfolgenden Jahres wurde er wiederholt den geheimen Conferenzen und Berathungen über die Kriegsrüstungen beigezogen und betrieb in dieser Zeit, als Gouverneur von Komorn, die Aufstellung der Insurrection und Completirung der neuerrichteten ungarischen Regimenter. Ende des J. 1743 wurde der Prinz zum Obermilitär-Director und [397] commandirenden General von Inner-Oesterreich und der Generalate von Karlstadt und Warasdin ernannt, in welcher Sphäre er sich um die Organisirung dieses Theiles der Militärgrenze große Verdienste erwarb. Im Mai 1749 auf seine Bitte von diesem Dienstposten enthoben, lebte er fortan in Oesterreich, bis ihn der Wiederausbruch des Krieges in seiner Eigenschaft als Reichsfeldzeugmeister im J. 1757 an die Spitze der Reichs-Executionsarmee rief. Er führte diese aus der Gegend von Nürnberg nach Thüringen und vereinigte sich mit den Franzosen unter dem Prinzen von Soubise zwischen Arnstadt und Eisleben; nach Friedrichs II. Abmarsch von Erfurt rückte das vereinte Heer in Sachsen ein, ging aber bei seiner Wiederkehr wieder über die Saale zurück. Hier kam es zu der denkwürdigen Schlacht bei Roßbach am 5. November 1757, in welcher die Reichsarmee gänzlich geschlagen, sich in wilder Flucht beinahe auflöste. Nach dieser Katastrophe zog der Prinz sich vom weiteren Militärdienste ganz zurück und verlebte seine übrigen Tage meistens zu Wien, bis an sein Ende vom kaiserlichen Hofe mit Auszeichnung behandelt. In der Stadt bewohnte er ein durch seine prachtvolle Ausstattung berühmtes Palais am Josefsstädter Glacis vor dem Burgthor (ein Werk Fischer’s von Erlachen); im Sommer pflegte er auf seinem Schlosse Schloßhof bei Hainburg (erbaut vom Prinzen Eugen) zu residiren. Seine ausgezeichnete Musikcapelle eröffnet seit dem Ende der 40er Jahre den Reigen der für die Geschichte der Musik so wichtig gewordenen Wiener Privatcapellen. Hier ward Dittersdorf gebildet; hier wirkte neben anderen hervorragenden Künstlern auch Gluck. Während des Winters veranstaltete der Prinz an allen Freitagabenden (an denen die Theater geschlossen waren) „musikalische Akademien“, die nach Dittersdorf’s Versicherung von ganz Wien als die besten anerkannt wurden. Seine am 15. April 1738 eingegangene Ehe mit der reichen Erbin des Prinzen Eugen, Anna Victoria, Tochter des Grafen Ludwig Thomas von Savoyen-Soissons, wurde im J. 1752 wieder gelöst.

Acten des k. k. Kriegsarchivs und der Registratur des k. k. Reichskriegsministeriums in Wien. Oesterreichische militärische Zeitschrift 1833, 1. und 2. Heft. Der Feldzug des k. k. Feldzeugmeisters Prinzen von Sachsen-Hildburghausen 1737 in Bosnien. Nach österreichischen Originalquellen vom k. k. Major Schels. J. F. Pohl, Josef Haydn, Bd. I. S. 114–116.

[395] *) Unserer allgemeinen Regel nach hätte der Prinz unter seinem Namen Josef eingereiht werden müssen. Wir haben ihn gleichwol unter das Stichwort Hildburghausen stellen zu sollen geglaubt, weil er in der österreichischen Kriegsgeschichte stets unter diesem Namen erscheint.
[396] *) In mehrere biographische und lexicalische Werke hat sich zum Nachtheile des Prinzen Josef Friedrich zu Sachsen-Hildburghausen ein auf einer Personenverwechslung beruhender grober Irrthum eingeschlichen. Der Prinz wird beschuldigt, er habe sich, ungeachtet der ihm von Seite Kaiser Karl VI. und seiner erlauchten Tochter Maria Theresia vielfach zu Theil gewordenen Auszeichnungen und Beweisen des höchsten Vertrauens beim Ausbruche des Erbfolgekrieges von der Sache Oesterreichs abgewendet, sei in kurbaierische Dienste getreten und habe bei Burghausen und Braunau gegen die österreichischen Waffen gefochten. Nach dem Tode Karls VII. habe er mit 5000 Baiern holländische Dienste genommen und sich an den Feldzügen von 1746–48 in den Niederlanden betheiligt. Eine einfache Vergleichung dieser Behauptungen mit obigen und den hier nachfolgenden authentischen Daten, welche den Acten und Registraturs-Protokollen jener Periode entnommen sind, läßt keinen Zweifel über die Verwechslung des Prinzen Josef Friedrich mit dem Prinzen Ludwig zu Sachsen-Hildburghausen aufkommen. Letzterer nahm als kaiserlicher General-Wachtmeister bei Beginn des Erbfolgekrieges Urlaub, resignirte im März 1742 auf seine Charge und trat in kurbaierische Dienste. Derselbe erscheint auch im selben Jahre in der Ordre de bataille der baierischen Truppen als Feldmarschall-Lieutenant, focht thatsächlich bei Burghausen gegen Oesterreich, wurde 1745 General der Artillerie und nahm im Juli 1747 holländische Dienste.