ADB:Körner, Gotthilf Wilhelm

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Artikel „Körner, Gotthilf Wilhelm“ von Robert Eitner in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 16 (1882), S. 712–713, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:K%C3%B6rner,_Gotthilf_Wilhelm&oldid=- (Version vom 23. Juli 2019, 18:39 Uhr UTC)
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Körner: Gotthilf Wilhelm K. Dieser überaus thätige als Buch- und Musikalienhändler, sowie als Organist und Herausgeber von Orgelwerken älterer und neuerer Zeit bekannte Mann war am 3. Juni 1809 zu Teicha, einem Dorfe bei Halle a. S., geboren. Den ersten Musikunterricht empfing er von seinem Vater, der als Lehrer und Organist in dem kleinen Dorfe lange Zeit thätig war. Den Grund zu seiner höheren Bildung legte er in der Bürgerschule zu Treuenbriezen und später in der berühmten Schule des von A. H. Francke gegründeten Waisenhauses zu Halle. Um das Studium eines Volksschullehrers als Lebensberuf zu wählen, ging er auf das Seminar nach Erfurt, wo er auch später einmal seine Verlagsthätigkeit entwickeln sollte. Hier genoß er den Unterricht des J. I. Müller und Musikdirectors Gebhardi und erhielt nach beendigten Studien (1834) den Lehrerposten an der Grüneberg’schen Erziehungsanstalt in Merzien bei Köthen. Doch bald darauf vertauschte er ihn mit der Adjunctenstelle zu Hettstädt; auch hier hielt er nur kurze Zeit aus und nahm eine Hauslehrerstelle an (wo ist unbekannt), in der er seiner Lieblingsbeschäftigung, dem Orgelspiele, nach Muße nachhängen konnte. Einige Jahre später ging er nach Halle und verschaffte sich einen Wirkungskreis als Musiklehrer. Seine umfassenden musikalischen Kenntnisse und Fertigkeiten, sowie sein einnehmendes Wesen erwarben ihm bald eine tüchtige Praxis und Eingang in viele angesehene Familien. Namentlich war er ein sehr gern gesehener Gast in der Familie des Baron de la Motte Fouqué. Hier suchte sich K. auch Kenntnisse im praktischen Instrumentenbau und im Buchhandel zu verschaffen und gründete 1837 eine Musik-Leihanstalt, die sich bald eines ausgebreiteten Rufes in ganz Thüringen zu erfreuen hatte. Zu Johannis 1838 wandte er sich nach Erfurt und gründete eine eigene Verlags- und Sortimentsbuchhandlung, die sich bald in nicht geringem Grade zu gedeihlicher Blüthe emporschwang. Auch anderweitig erwarb sich K. um das Erfurter Musikleben viele Verdienste, indem er reisende Künstler mit großer Liberalität und Sachkenntniß unterstützte. Im J. 1854 verkaufte er die Sortiments- und Antiquariatsbuchhandlung und widmete sich nur noch den Verlagsunternehmungen. Körner’s Hauptbestrebungen gingen darauf aus eine Orgellitteratur zu schaffen, die nicht nur das ganze Fach sowol historisch als praktisch umfaßt, sondern sie auch so billig herzustellen, daß selbst der ärmste Seminarist im Stande ist sich die Werke nach und nach anzuschaffen. Zum [713] Behufe dessen verband er sich mit den vorzüglichsten und angesehensten Orgelvirtuosen und Orgelcomponisten seiner Zeit und wußte sie für seine Ideen so zu fesseln, daß sie Hand in Hand mit ihm gingen und in verhältnißmäßig kurzer Zeit eine Orgellitteratur schafften, die nicht nur ein ansehnliches Lehrmaterial umfaßte, sondern auch das Beste und Herrlichste in diesem Fache der Vergessenheit entriß. Wir nennen die Männer Erck, Hentschel, Töpfer, Jacob, Fischer, Rinck, die sich in Gemeinschaft mit K. dieser Aufgabe widmeten. Doch auch zum belehrenden Worte griff K. und gab von 1841 ab die Zeitschrift „Euterpe. Ein musikalisches Monatsblatt für Deutschlands Volksschullehrer“ unter der Redaction von Ernst Hentschel, königlichem Musikdirector und Seminarlehrer in Weißenfels, heraus. Dieser folgte 1844 die „Urania. Musikalisches Beiblatt zum Orgelfreunde. Redacteur G. W. Körner“, für die er im 2. Jahrgange den bekannten Domorganist in Magdeburg, A. G. Ritter, als Mitherausgeber gewann. In der Ankündigung der Euterpe 1841 sagt K.: „Die Euterpe wird Folgendes vorzugsweise ins Auge fassen: Des Volksschullehrers musikalische Bildung in ihren Grundlagen und ihrem steten Fortschreiten; seine öffentliche musikalische Wirksamkeit als Gesangslehrer, Cantor und Organist; seine musikalische Thätigkeit in Privatverhältnissen und seine Erquickung durch die Tonkunst in Fest- und Feierstunden.“ Beide Zeitschriften, obgleich der Schöpfer längst entschlafen ist, erfreuen sich noch heute (1882) eines wirksamen Daseins und bilden durch ihren billigen Preis eine stetige Belehrung des Seminaristen. Aus diesem thätigen Leben entriß ihn der Tod am 4. Februar 1865. Die Niederrheinische Musik-Zeitung schreibt über die Verdienste dieses Mannes (Jahrg. 6 S. 262): „Fassen wir die Resultate des Wirkens zusammen, abgesehen von seinen Arbeiten als gründlicher Componist und musikalischer Schriftsteller, so hat K. unstreitig das bedeutendste Verdienst, die Orgellitteratur, die bisher nur ein Appendix des deutschen Buchhandels war, zu einer selbständigen Stufe der Entwickelung geführt zu haben. Denn es sind in einer kurzen Reihe von Jahren bei ihm eine große Menge alter und neuer Orgelmusikalien in allen Formen erschienen, die sich in allen Gegenden, wo die edle Kunst des Orgelspiels gepflegt wird, Bahn gebrochen haben. Sein erstes größeres Unternehmen, das einen ungewöhnlichen Anklang fand, war der Orgelfreund in 12 Bänden. Es ist dies ein Werk, in welchem viele unbekannte Arbeiten alter und neuer Meister, die vielleicht unbenutzt in den Pulten begraben geblieben wären, ans Licht gezogen wurden.“ Diesem schließt sich ein kurzes Verzeichniß der vorzüglichsten Unternehmungen seines Verlages an.