ADB:Karl (Herzog von Mecklenburg-Strelitz)

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Artikel „Karl Friedrich August, Herzog von Mecklenburg-Strelitz“ von Bernhard von Poten in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 15 (1882), S. 310–311, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Karl_(Herzog_von_Mecklenburg-Strelitz)&oldid=- (Version vom 25. April 2019, 06:15 Uhr UTC)
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Karl Friedrich August, Herzog von Mecklenburg-Strelitz, preußischer General der Infanterie, wurde am 30. November 1785 zu Hannover geboren, wo sein Vater, der 1794 in Strelitz zur Regierung gelangte Herzog, seit 1815 Großherzog Karl als kurfürstlicher General in Garnison stand. Nach dem bei seiner Geburt erfolgten Tode seiner Mutter, einer hessischen Prinzessin, zunächst am Hofe zu Darmstadt, seit 1794 in Strelitz erzogen, trat er, 1799 zum preußischen Stabscapitän ernannt und in den unter Scharnhorst’s Leitung stehenden militärischen Bildungsanstalten vorbereitet, 1804 mit diesem Range beim ersten Bataillon Garde zu Potsdam in den praktischen Militärdienst (v. Reinhard, Geschichte des 1. preußischen Garde-Regiments zu Fuß, Potsdam 1858), ward im folgenden Jahre Compagniechef, machte die Schlacht bei Auerstädt mit, fand bei Reorganisation der Armee nach dem Tilsiter Frieden [311] von neuem im Regiment Garde Anstellung und ward 1811 Brigadier der niederschlesischen Infanterie. Den ersten Theil des Feldzuges von 1813 machte er, 1812 Oberst geworden, in Blücher’s Hauptquartier mit; während des Waffenstillstandes erhielt er an Hünerbein’s Stelle das Commando der zweiten Brigade (d. h. einer Abtheilung, welche der jetzigen Division gleichstand) in York’s Armeecorps. Dieser empfing ihn mit ungünstigem Vorurtheile und begegnete ihm sehr ungnädig. Hierzu war besonders das Verhalten des Herzogs im Jahre 1806 Veranlassung, wo er sich nach der Octoberschlacht selbst beurlaubt hatte, nach Strelitz gegangen und Kriegsgefangener geworden war; seine Wiederanstellung bereits hatte aus diesem Grunde Anstoß erregt (Droysen, Das Leben York’s, 2. Auflage, II. 105, Berlin 1875). Schon die Gefechte, welche der Schlacht an der Katzbach (26. August) vorhergingen – bei Löwenberg am 19., am Gröditzberge am 21., bei Goldberg am 23. – änderten indeß York’s Ansicht, und die Beweise hoher Einsicht und unwandelbarer Tapferkeit, welche K. F. A. in jener Schlacht, sowie im Verlaufe des Feldzuges, namentlich bei Hochkirch am 4. September und bei Wartenburg am 3. October gab, bis in den Nachmittagsstunden des 16. October beim Sturme auf Möckern eine schwere Wunde ihn zur weiteren Theilnahme am Kriege unfähig machte, ließen seine militärischen Eigenschaften im glänzendsten Lichte erscheinen. Am 20. Septbr. 1814 ward er, seit 1813 Generalmajor, zum Chef der Gardebrigade ernannt, die er, ohne an kriegerischen Ereignissen Theil zu nehmen, 1815 nach Paris führte; am 2. Decbr. 1816 wurde er Commandeur des Gardecorps, eine Stellung, welche er bis zu seinem, am 23. Septbr. 1837 zu Berlin erfolgten Tode innegehabt hat. Sein Streben ging dahin, dasselbe nach allen Richtungen hin zu einer Elite- und Mustertruppe zu machen; die 1829 erschienenen „Dienstvorschriften des Gardecorps“, welche noch jetzt für viele Verhältnisse des preußischen und somit des deutschen Heeres die grundlegende Norm abgeben, legen davon Zeugniß ab; das von echt soldatischem Geiste erfüllte und von ritterlichster Gesinnung zeugende Vorwort hat Herzog „Karl“ selbst geschrieben. – Seit 1817 Mitglied, seit 1827 Präsident des Staatsrathes, mit der Befugniß, an den Sitzungen des Staatsministeriums Theil zu nehmen, hat er, unterstützt durch seine nahen Beziehungen zu König Friedrich Wilhelm III., mit dem er als Halbbruder der Königin Louise verschwägert war, namentlich seit Hardenberg’s Tode, auf Preußens innere und äußere Politik, hochtorystischen Anschauungen huldigend, einen nicht unwesentlichen Einfluß geäußert; seine absolutistisch-aristokratische Gesinnung, welche ihm viele Widersacher zuzog und ihn wenig volksbeliebt machte, brachte ihn sogar in einen gewissen Gegensatz zum Könige, als es sich um die Verheirathung der Prinzessin Helene von Mecklenburg-Schwerin mit Louis Philipps Sohne, dem Herzog von Orleans, handelte. – In den höchsten Kreisen der Berliner Gesellschaft spielte er eine hervorragende und glänzende Rolle, wobei ihm seine Befähigung für das Bühnenfach zu Statten kam. Diese bethätigte er auch in Theaterstücken, die er unter den Autorennamen J. E. Mand (d. h. Jemand) und Weißhaupt schrieb, unter letzteren Namen erschien das bedeutendste, „Die Isolirten“, ein Lustspiel.