ADB:Kindermann, Joseph Karl

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Kindermann, Joseph Karl“ von Anton Schlossar in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 15 (1882), S. 763–764, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kindermann,_Joseph_Karl&oldid=2499878 (Version vom 22. Januar 2019, 17:22 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 15 (1882), S. 763–764 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand Dezember 2010, suchen)
GND-Nummer 115368310
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Kopiervorlage  
* {{ADB|15|763|764|Kindermann, Joseph Karl|Anton Schlossar|ADB:Kindermann, Joseph Karl}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=115368310}}    

Kindermann: Josef Karl K., geb. am 4. März 1744 in Schambeck unfern Ofen, † am 16. October 1801 in Wien, ist sowol durch seine Lebensschicksale als auch durch seine zahlreichen historisch-ethnographischen Werke von Bedeutung. Er hatte in Wien unter der Leitung von Crantz das Studium der Medicin betrieben, jedoch, wie es scheint, nicht mit besonderer Vorliebe, denn er begab sich plötzlich 1768 auf Reisen, kam nach Hamburg, trat in die Dienste der holländisch-ostindischen Compagnie, in welchen er, nachdem er die bedeutendsten Städte Hollands kennen gelernt, nach dem Vorgebirge der guten Hoffnung und der Capstadt gelangte. Hier wurde er, der sich in Kurzem die holländische Sprache zu eigen gemacht, Secretär des Vicegouverneurs Hemy und trat auch mit Buffon in Verbindung, da er sich mit besonderer Vorliebe den Naturwissenschaften zuwandte. Vier Jahre später trieb ihn sein wissenschaftlicher Eifer nach Ceylon; er erkrankte aber auf dem Schiffe und kehrte, nachdem er wenige Wochen krank auf der Insel zugebracht, wieder nach dem Cap und von da 1774 nach Holland zurück. Sein Vater, welcher sich in Folge dieser planlosen Fahrten mit ihm entzweit hatte, war inzwischen nach Judenburg in Steiermark übergesiedelt. Er hatte sich dann zwar brieflich mit dem Sohne versöhnt; dieser aber, als er zu dem erkrankten Vater eilte, fand ihn nur noch als Leiche. K. übersiedelte nun nach Graz und beschäftigte sich mit landwirthschaftlichen und schriftstellerischen Arbeiten, insbesondere übernahm er im J. 1787 die Redaction der „Grätzer Zeitung“, an der er sich zuvor längere Zeit als Mitarbeiter betheiligt hatte, er verhalf dem Blatte zu einem größeren Aufschwung und förderte insbesondere durch die litterarische Beilage „Sonnabends Anhang“ allgemeines populäres Wissen. 1801 berief ihn, der sich auch auf dem Gebiete der Kartographie schon einen Namen erworben, eine größere Kunstanstalt nach Wien, wo K. die Leitung bei der Herausgabe eines „österreichischen National-Atlas“ übernehmen sollte; sechs Karten waren von diesem Werke erschienen, als K. weiterer Arbeit durch den Tod entrissen ward. 1794–97 hatte K. 12 Karten verfaßt, welche als „Atlas von Innerösterreich, entworfen und gezeichnet von Jos. K. Kindermann, gestochen von Christ. Junker“ 1798 in Graz erschienen und für die Geographie von Innerösterreich zu ihrer Zeit von großer Bedeutung waren. – Von seinen historisch geographischen Schriften seien erwähnt sein „Historischer und geographischer Abriß des Herzogthums Steiermark“ (3. Aufl. 1787); „Der Freund des steiermärkischen Volkes“ (4 Bde., 1788 ff.), eine Art Zeitschrift, welche in populärer Form Gegenstände aus der vaterländischen Geographie, Geschichte etc. besprach und im Lande außerordentlichen Anklang fand; „Beiträge zur Vaterlandskunde für Innerösterreichs Einwohner“ (1790, 2 Bde. Mit Karten und Kupfertafeln, in denen insbesondere auf dem Gebiete der Geschichte auch heute noch werthvolle Aufsätze enthalten sind); „Repertorium der steiermärkischen Geschichte, Geographie“ etc. (1799,). Von einem „Vaterländischen Kalender der Steiermärker“, den ebenfalls K. herausgab, erschienen nur die Jahrgänge 1801 und 1802. Sein Biograph Kunitsch rühmt ihn als einen hell denkenden, durch aufgeklärte, [764] geläuterte Grundsätze, durch edle Gesinnungen vollkommen gebildeten Gelehrten; um die Steiermark jedenfalls erwarb er sich große Verdienste.

M. Kunitsch, Biographien (Grätz 1805), 3. Bdch. Wurzbach, Biogr. Lex., XI. A. Schlossar, Innerösterr. Stadtleben (Wien 1877).