ADB:Klüpfel, Engelbert

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Artikel „Klüpfel, Johann Andreas“ von Franz Heinrich Reusch in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 16 (1882), S. 258–259, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kl%C3%BCpfel,_Engelbert&oldid=- (Version vom 22. September 2019, 23:41 Uhr UTC)
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Klüpfel: Johann Andreas, mit seinem Ordensnamen Engelbert K., katholischer Theologe, geb. am 18. Januar 1733 zu Wipfeld am Main in Franken, † am 8. Juli 1811 zu Freiburg im Breisgau. Nachdem er 1743 bis 50 das Gymnasium und den zweijährigen philosophischen Cursus zu Würzburg absolvirt hatte, trat er dort 1750 in den Orden der Augustiner-Eremiten und legte, nachdem er das Noviciat in Oberndorf am Neckar bestanden, am 14. Novbr. 1751 die Gelübde ab. Er machte nun noch zwei Jahre philosophische Studien in den Klöstern zu Freiburg in der Schweiz und zu Erfurt, dann von 1754 an vier Jahre theologische Studien zu Freiburg im Breisgau. Am 17. April 1756 wurde er zu Constanz zum Priester geweiht. Nach Beendigung seiner Studien war er fünf Jahre Lehrer an dem Gymnasium der Augustiner zu Münnerstadt, zwei Jahre Lehrer der Philosophie in dem Kloster zu Oberndorf, – für eine öffentliche Disputation veröffentlichte er „Aqua rerum corporearum primum principium, Dissertatio physica“ – dann Lehrer der Theologie zu Mainz und Constanz. Eine hier unter seinem Präsidium 1767 über „Assertiones theologicae“ abgehaltene öffentliche Disputation lenkte die Aufmerksamkeit auf ihn. Er wurde noch in demselben Jahre, da die österreichische Regierung eben damals in die ganz in den Händen der Jesuiten befindliche theologische Fakultät zu Freiburg Theologen anderer Richtung hineinbringen wollte, zum Professor der Dogmatik, zunächst der Theologia Augustiniana, – gleichzeitig der Dominicaner Florian Würth zum Professor der Theologia Thomistica – ernannt. Am 15. Decbr. 1767 wurde er auch in Freiburg zum Doctor der Theologie promovirt. Seine „Dissertatio Augustiniano-theologica de statu naturae purae“, 1768, wurde von dem Jesuiten F. X. Waldner, dem Professor der speculativen Theologie, als jansenistisch und bajanistisch angegriffen. K. vertheidigte sich 1769 in einer zweiten lateinischen Dissertation. K. blieb eine Reihe von Jahren Professor der Dogmatik in Freiburg. – 1780 lehnte er eine Berufung nach Würzburg, 1789 nach Wien ab; 1803 wurde er auf seinen Wunsch quiescirt, – und genoß als Docent, in weiteren Kreisen auch als Schriftsteller verdientes Ansehen. Er veröffentlichte eine Anzahl von lateinischen theologischen Abhandlungen – er schrieb sehr elegant lateinisch – auch einen bei der Anwesenheit Josephs II. im J. 1777 vorgetragenen Panegyricus und die 1781 gehaltene lateinische Trauerrede und gab von 1775 an eine theologisch-kritische Zeitschrift heraus, „Nova Bibliotheca ecclesiastica Friburgensis“, von der bis 1790 sieben Bände erschienen und in der die meisten Artikel von ihm selbst geschrieben sind (einige von seinen Freiburger Collegen Riegger und Dannemayer, seinem Ordensgenossen Possidius Zitter u. A.). Von seiner „Vetus Bibliotheca ecclesiastica“, in welcher er Abhandlungen über ältere theologische Litteratur und theologische Inedita veröffentlichen wollte, erschien nur ein Band. Ueber die scharfe Kritik Semlers und seiner Richtung in der Nova Bibliotheca, namentlich über die darin veröffentlichten 14 Epistolae an Semler, führte der preußische Gesandte in Wien bei der Regierung Klage; K. wurde aber von dem Abt Rautenstrauch in Schutz genommen. – Im Auftrage der kaiserl. Regierung verfaßte K. das „Lehrbuch der Dogmatik“, welches mehrere Decennien in allen theologischen Lehranstalten Oesterreichs, auch vielfach anderwärts gebraucht wurde: „Institutiones theologiae dogmaticae“, 2 Thle., 1789 (2. Aufl. 1802, 3. Aufl. 1807, 4. Aufl., von Gregor Thomas Ziegler, später Bischof von Linz, umgearbeitet, 1821, vgl. Katholik 1822, 3. Bd. S. 273; Mastiaux, Lit.-Ztg., [259] 1821, Nr. 93; ein Auszug aus den Institutiones von Cajetan Geist erschien zuerst 1804, 4. Aufl. 1843). Gleichfalls im Auftrage der Regierung veröffentlichte K. eine lateinische Bearbeitung der Pastoraltheologie von Franz Giftschütz, 1789 (s. Bd. IX, S. 166). Von seiner „Sammlung bischöflicher Verordnungen und Hirtenbriefe, welche seit 1780 besonders in Teutschland erschienen sind, zur Aufklärung des Kirchenrechts und des teutschen Staatsrechts“ erschien nur der erste Theil, 1786. Im J. 1794 veröffentlichte K. ein paar lateinische Gedichte: „Elogia de urbe Brisacensi deleta“ (1793) und „Adhortatio ad Germaniam“. Eine größere Arbeit über seinen Landsmann Conrad Celtis, wofür er lange fleißig gesammelt, war 1799 im wesentlichen vollendet, wurde aber der ungünstigen Zeitverhältnisse wegen damals nicht gedruckt. Sie ist 1813–27 im Auftrage der Freiburger Universität von den Professoren Joh. Caspar Ruef und Karl Zell in 12 Programmen (mit einer Memoria Klüpfelii von Ruef), dann 1827 in zwei Bänden herausgegeben. Nach seiner Quiescirung veröffentlichte K. noch eine Ausgabe des Commonitorium des Vincentius von Lerin mit Prolegomenen, 1809, und „Necrologium sodalium et amicorum litteratorum“, 1809. Nach seinem Tode erschienen noch „Septem Psalmi poenitentiales paraphrasi elegiaca et expositione prosaica illustrati“, 1823. Seinen interessanten Briefwechsel mit dem Superintendenten Christian Wilhelm Schneider, dem Herausgeber der Acta historico-ecclesiastica nostri temporis, aus den Jahren 1780–86, hat A. Ruland in der Oesterr. Vierteljahrsschrift für katholische Theologie, 1865, 503, veröffentlicht. – Seine Bibliothek, darin 5000 Dissertationen, vermachte K. der Freiburger Universität.

J. L. Hug, Elogium Engelberti Klüpfelii, 1811. – Freiburger Diöcesanarchiv, X. 278, XI. 290.