ADB:Koehler

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Artikel „Koehler, K. F.“ von Karl Friedrich Pfau in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 51 (1906), S. 312–314, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Koehler&oldid=- (Version vom 15. Juli 2019, 20:48 Uhr UTC)
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Koehler: K. F. Koehler in Leipzig. Unter denjenigen Buchhändlerfirmen, welche sich während der letzten drei Jahrzehnte zu einer ungeahnten Größe entwickelt haben, gehört auch die Firma K. F. Koehler in Leipzig. Aus kleinen Anfängen hervorgegangen, hat sich die Firma durch die umsichtige Leitung ihrer jeweiligen Inhaber zu einem achtunggebietenden Welthause emporgeschwungen. Der Gründer derselben ist Karl Franz Gottlieb K. (I.), welcher am 7. Januar 1764 als Sohn eines alten Leipziger Bürgers, eines Kartenmachers, geboren wurde. Ueber die ersten zwei Jahrzehnte seines Lebens ist wenig bekannt; nur so viel wissen wir, daß er den Buchhandel bei dem alten und hochgeschätzten Kummer erlernte, darauf bei Hörling in Wien, später in der Buchhandlung der Gelehrten zu Dessau und endlich in der Weygandschen Buchhandlung in Leipzig als Gehülfe arbeitete. Keine dieser Stellen aber genügte dem fleißigen, geweckten und strebsamen jungen Manne. Erst mit der im J. 1789 erfolgten Eröffnung einer eigenen Buchhandlung hatte er das vorläufige Ziel seiner Wünsche erreicht. Die Thätigkeit des jungen Geschäftsmannes war zu gleicher Zeit dem Verlage, Sortiment und Commissionsgeschäfte [313] gewidmet, doch pflegte er hauptsächlich den ersteren. Dies schloß indeß seine Fürsorge für das Sortiment und Commissionsgeschäft nicht aus, die gleichfalls beständig an Ausdehnung gewannen und dem Koehler’schen Geschäfte schon zu damaliger Zeit ein nicht ungewöhnliches Ansehen erwarben. K. gehörte zu jenen Männern, die den Buchhandel mehr vom kaufmännischen Gesichtspunkte aus auffaßten, eine Anschauung, welcher auch die späteren Inhaber, einschließlich des derzeitigen, mit derselben Consequenz gehuldigt haben. Als Mensch war K. ein treuer, ehrlicher Charakter, und in seinem Wesen war er der Typus des echten deutschen Bürgerthums. Seine mit Henriette Justine Pitzer aus Gräfenhainichen geschlossene Ehe, der drei Kinder entsprossen, war eine höchst glückliche und zufriedene, und nach der anstrengenden Geschäftsthätigkeit bot ihm der Aufenthalt im Kreise seiner Familie eine wahrhafte Erholung. K. starb am 29. December 1833. Die Firma war bereits 1830 an seinen ältesten Sohn Karl Franz (II), geboren am 23. März 1805, übergegangen, welcher seine Lehrzeit in Potsdam durchgemacht und seine buchhändlerischen Kenntnisse und Erfahrungen in der Fremde (bei J. G. Heubner in Wien, Friedr. Laue in Berlin, H. D. Sauerländer in Aarau und endlich als Geschäftsführer der Chr. Th. Groos’schen Filiale in Freiburg) erweitert und befestigt hatte. Andauerndes Kränkeln des Vaters zwang ihn zur Rückkehr. Der emporstrebende Jüngling trug sich mit großen Projecten, u. a. der Gründung einer Buchhandlung in Amerika. Als 25jähriger junger Mann übernahm er nun die Leitung des väterlichen Geschäfts, das er bei seinem Eintritt in einem ihn durchaus nicht befriedigenden Zustande vorfand. Indessen barg das durch den Vater Begründete den Keim zu späterer Entfaltung in sich. K. trat in seinen neuen Wirkungskreis mit edler Begeisterung ein; seine in der Fremde gemachten Erfahrungen und die gewonnenen Bekanntschaften förderten sein Streben; eine Anzahl hervorragender auswärtiger Firmen (wir nennen nur Braumüller, Vandenhoeck & Ruprecht, Sauerländer in Aarau, Neukirch, später Georg in Basel u. A.) wurden seine Committenten und führten einen mächtigen Aufschwung der Firma herbei. Diese glücklichen Erfolge waren von bestimmender Einwirkung auf den Geschäftsinhaber. Zur besseren Concentrirung seiner Arbeitskraft und zur besseren Anwendung der ihm zur Verfügung stehenden Mittel entschloß sich K. zu einer Abtrennung der Verlagssabtheilung vom Geschäft. Die letztere übernahm 1846 Adolf Winter, ein ehemaliger Zögling des Hauses, für seine Rechnung und führte sie unter seinem Namen weiter. Nach dessen 1876 erfolgtem Tode wurde der ansehnliche Verlag nach verschiedenen Richtungen zerstreut. K., durch diese Veräußerung nach manchen Seiten hin frei geworden, widmete sich um so eifriger dem Commissionsgeschäfte. Dasselbe entwickelte sich in so rapider Weise, daß er bereits vor Jahrzehnten als Inhaber einer der angesehensten Commissionsfirmen betrachtet werden konnte, dessen zum Theil sehr werthvolle Verbindungen sich auf das In- und Ausland erstreckten.

Einen weiteren Aufschwung hatte die Firma durch die Errichtung eines wissenschaftlichen Antiquariats (1847) zu verzeichnen, das unter der tüchtigen und geschickten Leitung Adolf Ulm’s sich rasch Weltruf sicherte und das in gewissem Sinne als der Vorläufer des wissenschaftlichen Antiquariats betrachtet werden kann.

Neben seinen Berufspflichten widmete K. sich auch der Oeffentlichkeit; als Secretär des Börsenvereins sowie als Vorstand der Wendler’schen Rathsfreischule hat er seine Zeit und seine vielseitigen Erfahrungen der Allgemeinheit willig zum Opfer gebracht. K. hatte sich 1837 mit Julie Liebing aus Kahla verheirathet, aus welcher Ehe sieben Kinder, drei Töchter und vier Söhne, [314] hervorgingen. Der älteste der letzteren, Karl Franz K. (III), geboren am 22. August 1843, war zur Uebernahme des Commissionsgeschäfts, der jüngste, Hugo, zu der des Antiquariats nach dem Tode des Vaters, der am 2. December 1872 erfolgte, bestimmt. Mit dem Eintritt Karl Franz Koehler’s (III) beginnt eine neue und zwar die mächtigste Epoche in der Entwicklung der Firma, denn unter seiner Leitung hat das Geschäft in geradezu bewundernswerther Weise zugenommen, so daß es zur Zeit als Commissionsfirma zu den ersten seiner Art in Leipzig gehört. K. hatte den Buchhandel bei Vandenhoeck & Ruprecht in Göttingen erlernt und darauf in den alten und angesehenen Häusern Dulau & Co. in London (1861–63), Lorenz in Paris (1863–64) und W. Braumüller in Wien (1865–67) als Buchhändlergehülfe gearbeitet. Diese vorzüglichen Bildungsanstalten bereiteten ihn in trefflicher Weise zur Uebernahme des väterlichen Erbtheils vor. Durch Erwerbung des Fries’schen Commissionsgeschäfts, 1882, das damals 208 Committenten zählte, bürdete sich K. eine riesige Arbeitslast auf. Zwar fand er für einige Zeit in seinem Bruder Hugo eine tüchtige und bewährte Stütze, aber seit dieser – der nach Ulm’s Tode das Antiquariat ausschließlich übernahm und solches für seine Rechnung weiterführte – 1884 austrat, lag die überaus umfängliche Leitung wieder allein auf seinen Schultern. K. begnügte sich mit den bisherigen Erfolgen nicht; er strebte nach Verwirklichung der von ihm gewonnenen Erfahrungen und Beobachtungen, und als zur Zeit letzte, aber um so bedeutendere Frucht ist das Baarsortiment zu betrachten, das das Geschäft wieder in ganz neue, aufwärts gehende Bahnen gelenkt hat. Mit der wachsenden Ausdehnung des Geschäfts war dasselbe auch in räumlicher Hinsicht mancherlei Wandlungen unterworfen. Zuerst in engen, finsteren und unfreundlichen Räumen auf der Nicolaistraße untergebracht, erfuhr es später durch Verlegung nach der Poststraße auch äußerlich eine erhebliche Verbesserung. Seit dem Jahre 1896 ist das Geschäft in einem monumentalen Gebäude am Täubchenweg untergebracht. K. (III) unterlag den Anstrengungen des umfangreichen Welthauses viel zu früh. 1897 raffte ihn der Tod aus seinem Wirkungskreise plötzlich hinweg. Zur Zeit sind seine Wittwe Frau Bertha K. geb. Schall sowie R. Winckler und O. Engert Inhaber und (letztere) Leiter der Firma.