ADB:Koppe, Johann Benjamin

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Koppe, Johann Benjamin“ von Julius August Wagenmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 16 (1882), S. 692–693, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Koppe,_Johann_Benjamin&oldid=- (Version vom 18. Juni 2019, 05:26 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 16 (1882), S. 692–693 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Johann Benjamin Koppe in der Wikipedia
GND-Nummer 10019706X
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|16|692|693|Koppe, Johann Benjamin|Julius August Wagenmann|ADB:Koppe, Johann Benjamin}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=10019706X}}    

Koppe: Johann Benjamin K., lutherischer Theolog des 18. Jahrhunderts, geb. den 19. August 1750 in Danzig, † den 12. Februar 1791 in Hannover. – Von frommen Eltern mit liebevoller Strenge erzogen, auf dem Gymnasium seiner Vaterstadt tüchtig vorgebildet, studirte er 1769–72 in Leipzig, wo er sich erst an Gellert, dann an Ernesti und Zollikofer näher anschloß, ging 1772, von Ernesti an Heyne empfohlen, nach Göttingen, trat zuerst ins philologische Seminar ein und zeigt sich als geschmackvoller Philolog durch eine lateinische Uebersetzung von Pindar, wurde dann Repetent bei der theologischen Fakultät und beschäftigte sich vorzugsweise mit Erklärung des Neuen Testaments. Sein Wunsch, die akademische Laufbahn zu betreten, scheitert zunächst an den äußeren Verhältnissen. Er nimmt 1774 eine Professur der griechischen Sprache am Gymnasium zu Mitau an, folgt aber 1775 mit Freuden einem Ruf an die Universität Göttingen, wohin er an Zachariä’s Stelle gleichzeitig mit Herder als fünftes Mitglied der theologischen Fakultät berufen wird (vgl. Haym, Herder, S. 730). Zu Ostern 1776 beginnt er hier seine Vorlesungen, erhält 1777, nachdem Herder abgelehnt, die vierte theologische Professur und zugleich die Stelle eines Universitätspredigers und wirkte nun acht Jahre lang in dieser Doppelstellung zugleich als Director des 1778 errichteten königl. Predigerseminariums, das er mit einer Abhandlung über „Genauere Bestimmung des Erbaulichen im Predigen“ eröffnete. Seine Vorlesungen bewegten sich vorzugsweise auf dem Gebiet der alt- und neutestamentlichen Exegese, wobei es sein Hauptbestreben war, nach Heyne’s Vorbild die Grundsätze einer besonnenen grammatisch-historischen Auslegung auch auf die biblischen Bücher anzuwenden. Dieselbe Methode befolgt auch sein schriftstellerisches Hauptwerk, seine Bearbeitung des Neuen Testaments unter dem Titel „N. T. graec. perpetua annotatione illustratum Vol. I–IV“, das er 1778 mit einer Auslegung der paulinischen Briefe eröffnete und das dann später von Tychsen, Ammon, Heinrichs, Pott nach seinen Grundsätzen fortgesetzt wurde. Außerdem schrieb er mehrere lateinische Programme, besorgte die Herausgabe einer deutschen Uebersetzung des englischen Jesajascommentars von Robert Lowth 1779–81, gab ein christliches Gesangbuch heraus zum Gebrauch in der Universitätskirche etc. So schwer es [693] ihm wurde, der liebgewordenen akademischen und litterarischen Thätigkeit zu entsagen, so folgte er doch 1784 dem Ruf als Oberpfarrer, Oberconsistorialrath und Generalsuperintendent nach Gotha, nachdem die Göttinger Fakultät ihm noch die theologische Doctorwürde und die Ordination zum Predigtamte ertheilt. Sein vierjähriger Aufenthalt in Gotha brachte ihm reichen Gewinn theils durch den Verkehr mit ausgezeichneten Persönlichkeiten, theils durch einen Schatz von praktischen Erfahrungen, die er in seiner kirchenregimentlichen Thätigkeit, besonders durch die ihm obliegenden Kirchen- und Schulvisitationen, zu sammeln Gelegenheit hatte; einige Früchte aus dieser Zeit hat er selbst später niedergelegt in einem Aufsatz über Liturgie in Salfeld’s Beiträgen, Bd. VII, S. 19–23. Wesentlich gereift und gefördert durch diese Erfahrungen, folgte er 1788 einem Ruf nach Hannover als erster Hofprediger, Consistorialrath und Generalsuperintendent der Grafschaft Hoya. Zwei Aufgaben besonders waren es, die hier seiner warteten und durch deren Lösung er einen bis in die Gegenwart fortwirkenden Einfluß auf die hannoversche Landeskirche geübt hat: die Reorganisation und Erweiterung des hannoverschen Schullehrerseminars und seine Mitarbeit an dem hannoverschen Landeskatechismus (Katechismus christlicher Lehre, zum Gebrauch in den evangelischen Kirchen und Schulen der königl. Braunschweig-lüneburgischen Kurlande“, Hannover 1790 u. ö. – dasselbe Buch, dessen versuchte Beseitigung im J. 1862 den sogen. hannoverschen Katechismusstreit veranlaßt hat). K. starb, noch nicht 41 Jahre alt, den 12. Febr. 1791, innig betrauert von Allen, die ihn kannten, wegen seiner strengen Gewissenhaftigkeit, seiner Wärme und Herzlichkeit. Nach seinem Tode hat Spittler in Göttingen (1792 u. 93) zwei Predigtsammlungen aus seinem Nachlaß herausgegeben. Noch heute erinnert an ihn ein in Göttingen verwaltetes sogen. Koppe’sches oder Marschalk-Ostheim’sches Stipendium, über dessen tragische Entstehungsgeschichte vgl. Palleske, Gedenkblätter an Frau v. Kalb, 1879, S. 97, und Oesterley, Gesch. der Univ. Göttingen, S. 245.

Beiträge zu Koppe’s Lebensgeschichte finden sich in den Annalen der Braunschweig-lüneburgischen Kurlande, VI. 1. S. 60 ff., Hannover 1792, u. Schlichtegroll’s Nekrolog 1791, I. S. 101 ff.; Beyer’s Magazin f. Prediger, V. 3, S. 323 ff.; Hoppenstedt, Ueber den verst. Koppe, Hannover 1791, 8; Spittler, Sämmtl. Werke, Thl. XI. S. 644 ff.; Pütter, Göttinger Gelehrtengesch., II. 72. 395; Salfeld, S. 62; Klippel in der theol. Realencyklopädie, VIII. 27; Meusel, Lexikon, 7, 270; Baur, Gallerie, III. 301; Handwörterbuch, III. 116.