ADB:Kruse, Christian

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Artikel „Kruse, Christian“ von August Mutzenbecher in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 17 (1883), S. 262, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kruse,_Christian&oldid=- (Version vom 17. Juni 2019, 05:01 Uhr UTC)
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Kruse: Christian (Karsten) K., geb. zu Hiddigwarden im Herzogthum Oldenburg am 9. August 1753 als Sohn eines Handwerkers, † zu Leipzig am 4. Januar 1827, wurde von seinem 10. Jahre an in dem Waisenhause zu Halle erzogen, studirte daselbst in den J. 1773–1775 Theologie und erhielt nach seiner Rückkehr ins Vaterland zuerst die Stelle des Subcantors (fünften Lehrers), dann diejenige des Subconrectors an der lateinischen Schule zu Oldenburg. Mit lebendiger Theilnahme schloß er sich den hier beginnenden litterarischen Bestrebungen an und erwarb sich durch Errichtung einer Abendschule für Mädchen rasch die Achtung und Zuneigung seiner Mitbürger, welche ihm die Anregung zu diesem gemeinnützigen Unternehmen hoch anrechneten. Dann schrieb er eine damals mit Beifall aufgenommene Satire gegen den Wolfenbütteler Fragmentisten: „Ueber den Zweck des Socrates und seiner Jünger“ (1785) und seine in vielen Schulen eingeführte, mehrfach aufgelegte „Praktische Anweisung zur Orthographie der deutschen Sprache“ (1787) und begann die Vorarbeiten zu seinem bedeutendsten Werke, dem „Atlas zur Uebersicht der Geographie und Geschichte der europäischen Staaten“, von welchem die erste Lieferung im J. 1802 erschien, dessen Vollendung aber erst im J. 1818 erfolgte. Inzwischen wurde K. im J. 1788 von dem Herzoge Peter Friedrich Ludwig von Oldenburg zum Instructor seiner beiden Söhne, des Erbprinzen, nachmaligen Großherzogs Paul Friedrich August und des Prinzen Peter Friedrich Georg erwählt und begleitete, nachdem er zum Consistorialrath ernannt war, in den Jahren 1803–1805 die Prinzen auf die Universität nach Leipzig, wo ihm die philosophische Facultät am 28. Februar 1805 das Doctordiplom verlieh. Nach seiner Rückkehr nach Oldenburg im Mai 1805 trat K. als Mitglied in das Consistorium ein und übernahm als Scholarch die obere Leitung des Gymnasiums und des Schullehrerseminars. In dieser Zeit erschien seine „Deutsche Sprachlehre für geborne Deutsche, insbesondere für Ungelehrte und zum Gebrauche in Schulen“ (1807), welche mehrfache Auflagen erlebte. In Folge der französischen Besitznahme des Herzogthums Oldenburg verließ K., nachdem er kurz vor der Katastrophe vom Herzog auf sein Ansuchen mit dem Titel eines Hofraths aus dem Dienste entlassen war, im J. 1811 seine Heimath und siedelte nach Leipzig über, um der Vollendung seines „Atlas“ ganz sich widmen zu können. Ein Anerbieten des Prinzen Georg, welcher damals in Twer residirte und ihm eine Verwendung in Rußland in Aussicht stellte, lehnte er ab, übernahm dagegen gern die ihm angebotene Professur der historischen Hülfswissenschaften in Leipzig (10. September 1811), in welcher Stellung er, als Mensch und als Gelehrter hoch geachtet, bis zu seinem Tode verblieb. Außer den erwähnten Schriften veröffentlichte er verschiedene kleinere Arbeiten, namentlich in den „Oldenburgischen Blättern vermischten Inhalts“, welche er von 1787–1794 mit G. A. v. Halem und G. A. Gramberg herausgab.

Oldenb. Blätter v. 1827 Nr. 11, S. 81 ff. – Meinardus, Geschichte des Gymnasiums in Oldenburg, 1878.