ADB:Löwe

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Artikel „Löwe“ von Joseph Kürschner in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 19 (1884), S. 297–300, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:L%C3%B6we&oldid=- (Version vom 23. September 2019, 01:59 Uhr UTC)
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Löwe: Schauspielerfamilie, deren biographische Details trotz Wurzbach’s (Biogr. Lexikon Bd. XVI, S. 429) verdienstlichen Richtigstellungen noch immer nicht gänzlich aufgehellt sind. Stammvater der Familie ist:

Johann Karl, geb. um 1731 zu Dresden, kam das. 1746 bei Kirsch zur Bühne, dann zu Schuch, bei dem er in den Städten Berlin, Danzig, Königsberg und Breslau auftrat, dann zu Kurz, wieder nach Dresden und von hier zu Ackermann, Koch, dirigirte dann das Hoftheater zu Schwedt, spielte darauf wieder in Berlin, später bei der Tylli’schen und der Gesellschaft des Folgenden. [298] Er starb 1807. L. war ein tüchtiger Komiker, seine Frau Katharina Magdalene Ling, geb. 1745 zu Dresden, betrat 1763 das Theater, galt als tüchtige Soubrette und war später in zärtlichen Wittwen glücklich. Beide haben dadurch noch ein Interesse, daß er der erste Tussel, sie das erste Hannchen in Hiller’s „Jagd“ waren.

Friedrich August Leopold L., Sohn des Vor., geb. 1767 zu Schwedt kam bei der Tylli’schen Gesellschaft zur Bühne und zeichnete sich als Tenorsänger, Schauspieler und Componist aus. Außer Liedern und Gesängen schrieb er auch die Operette „Die Insel der Versuchung“, welche 1797 in Braunschweig zuerst aufgeführt wurde und vollen Beifall fand. Auch in Bremen, wohin er später kam, componirte er mehreres und übernahm 1799 die Direction des Stadttheaters zu Lübeck, wo er 1816 starb. Schon seit 1790 etwa hatte er mit einer Truppe auch kleinere Städte bereist und war dann einige Zeit Director des St. Georgen-Theaters in Hamburg gewesen. In letzter Zeit bei ihm engagirt war

Dorothea Luise Friederike Amalie L., Schwester des Vor., geb. 1769 (n. A. 1779) zu Schwedt, erhielt von ihrem Vater Unterricht und gefiel auf der Bühne als Opernsängerin. Sie trat sowohl bei der Tylli’schen Gesellschaft, wie auch in Lübeck auf. Todesjahr unbekannt.

Julie Sophie, Tochter von Friedrich August Leopold, geb. 1786 (n. A. 1784 oder 1790), kam schon als Kind zur Bühne, wurde dann von Miré für das deutsche Theater in Petersburg engagirt, dem sie bis 1809 angehörte, lebte hierauf einige Zeit der Bühne fern, begann dann am Prager Theater von Neuem ihre theatralische Wirksamkeit, nahm 1812 ein Engagement beim Theater an der Wien an und wurde schon im folgenden Jahre auf Lebenszeit für das Wiener Burgtheater engagirt. 1842 zog sie sich von der Bühne zurück und starb am 11. Septbr. 1852 in Wien. Reich beanlagt, ausgezeichnet durch fesselnde Anmuth feierte sie vorzüglich im Lustspiel, z. B. als Donna Diana (Falsche Vertraulichkeiten), Bianca (Oeffentliches Geheimniß), Gräfin Oldenheim (Lästerschule) etc. Triumphe, bot auch sehr gute Leistungen im ernsten Drama, wobei ihr jedoch der Mangel eines starken Organs im Wege stand. Elisabeth (Don Carlos), Mencia (Don Guitierre), Maria Stuart galten auf diesem Gebiete u. a. als ihre besten Leistungen. Ihr Bruder

Ferdinand, geb. im October 1787 zu Mannsfeld, machte ebenfalls seine ersten theatralischen Versuche bei der Gesellschaft seines Vaters und zwar in komischen Partien, während er schon in Magdeburg, wohin er sich nach der Auflösung jener Gesellschaft wandte, Helden und Liebhaber zu spielen begann, ein Fach, in dem er sich sowohl in seinem Engagement wie auf zahlreichen Gastspielen einen guten Namen erwarb. Besonders rühmten Zeitgenossen seinen Tell, Egmont, Posa, Hamlet und Karl Moor. Außer in Magdeburg war L. in Braunschweig, Düsseldorf, Kassel (1816 f.), Leipzig (bis 1820), Mannheim (1820–1827), endlich in Frankfurt a. M. engagirt. Gelegentlich eines Gastspiels am Burgtheater zu Wien starb L. am 13. Mai 1832. Sein Bruder

Johann Daniel Ludwig, geb. am 29. Januar 1795 zu Rinteln, ist das bekannteste Mitglied der Löwe’schen Familie. Er wurde im Hause des Vor. in Magdeburg erzogen und 1808 auf kurze Zeit Mitglied der Nuth’schen Kindergesellschaft. 1810 folgte er seiner Mutter nach Wien, trat dort durch Vermittelung der Schauspieler Eckhart und Krüger am 9. Februar 1811 als Anton (Vormundschaften) und am 28. Februar als Eduard Bronnstein (das Inkognito) versuchsweise auf dem Burgtheater auf und erhielt im selben Jahre ein Engagement in Prag, wo er meist komische Rollen (z. B. „Rochus Pumpernickel“, „Kaspar Larifari“) spielte, bis ihm ein Zufall zu der Rolle des „Balduin“ [299] (Kreuzfahrer) verhalf, die er mit vielem Beifall spielte und nun bald ausschließlich in ersten Liebhaber- und Heldenrollen beschäftigt wurde. Er leistete in solchen rasch so Vortreffliches, daß er 1821 nach Kassel berufen wurde und von hier aus durch Gastspiele in Dresden, Leipzig, Mannheim, Hamburg, Braunschweig, Berlin und Wien seinen Namen in immer weiteren Kreisen bekannt machte. 1826 wurde er für das Wiener Hofburgtheater engagirt, auf dem er außer seinem Debüt von 1811, auch 1816, 1823 und 1825 gastirt hatte. Als Antrittsrollen gab er am 6. Juni „Allegri“ (Correggio), am 8. „Wallenfeld“ (Der Spieler), am 12. „Hamlet“. Nachdem er 1838 Regisseur geworden war, 1866 sein 40jähriges Jubiläum als Mitglied des Burgtheaters gefeiert hatte, trat er, zum Ehrenmitglied der Bühne ernannt, immer weniger oft auf und starb am 7. März 1871 in Wien. – L. gehörte zu den hervorragendsten Kräften der deutschen Bühne, er wußte – wie ein Kritiker richtig sagt – seinen Gebilden zugleich den Stempel der reinen Natur und der höchsten künstlerischen Arbeit aufzudrücken. Dabei waren seine Mittel nicht eigentlich schöne, zum Theil sogar mangelhafte, aber er wußte die Mängel durch den Adel seiner Bewegung, durch Fleiß und weise Berechnung vergessen zu machen. Seine Auffassung und Darstellung zeigte sich immer als eine tiefpoetische. Hauptrollen Löwe’s finden sich in allen klassischen Stücken, vor allen gerühmt wurde sein „Fiesco“, „Egmont“, „Max Piccolomini“, „Macbeth“, „Othello“, ebenso aber auch sein „Bonstetten“ (Leichtsinn aus Liebe), „Klinker“ (Epigramm), „Selting“ (Ring), „Perrin“ (Donna Diana) u. A. Löwe’s Tochter

Anna, geb. 1821 zu Kassel, widmete sich ebenfalls dem Theater, debütirte 1839 auf der Bühne des Burgtheaters, gastirte in Pest, wurde darauf in Brünn, 1841 in Breslau, von da 1844 nach Lemberg engagirt, wohin sie nach kurzer Wirksamkeit am Wiener Burgtheater zurückkehrte. Sie glänzte als jugendliche Liebhaberin und in hochtragischen Rollen. 1851 zog sie sich zwar von der Bühne zurück, führte aber später von 1869–1871 die Direktion des Theaters zu Lemberg. Nachmals heirathete sie den Grafen Potocki.

Kinder von Ferdinand L. sind die nachfolgend vermerkten:

Johanna Sophie, vorzügliche Sängerin, geb. am 24. März 1815 zu Oldenburg, erhielt in Frankfurt, wohin sie wie früher nach Mannheim mit ihrem Vater gekommen war, ihren ersten musikalischen Unterricht, durch die Leistungen ihrer Tante Julie die Anregung Bühnensängerin zu werden und bildete sich dann in Wien unter Cicimara weiter aus. In Folge eines mit Beifall aufgenommenen Vortrags in einem Concert wurde L. 1832 für das Kärnthnerthor-Theater engagirt und debütirte in Donizetti’s „Macht der kindlichen Liebe“. Das Feuer, das sie dabei entwickelte und die frappirend wahre Auffassung gewannen ihr sogleich die Gunst des Publikums, deren sie sich durch unausgesetzte Studien immer würdiger machte. Auch in Berlin, wo sie 1837 gastirte, war ihr Erfolg ein überaus glänzender und hatte zur Folge, daß sie für die dortige Hofoper mit 6000 Thalern Jahresgehalt engagirt wurde. L. gastirte nun auf verschiedenen deutschen Bühnen, dann auch in London, Paris und Italien, spielte 1845 wieder in Berlin und vermählte sich am 15. Septbr. 1848 mit dem Fürsten Friedrich von Liechtenstein, der Bühne entsagend. Am 29. Novbr. 1866 starb sie zu Pest. Von anziehendem Aeußern, verfügte L. über eine sehr umfangreiche Stimme, die in großen Coloraturen vorzugsweise brillirte. Silberrein soll ihre Stimme von beispielloser Zartheit, ihr Spiel in schelmischen und graciösen Rollen höchst anziehend gewesen sein. „Norma“, „Donna Anna“, „Adina“ (Liebestrank), „Elvira“ (Puritaner) u. a. galten als ihre Glanzrollen, neben denen auch ihr Vortrag von Beethoven’s Adelaide in oft überschwenglicher [300] Weise bewundert wurde. Ein anerkannter Schauspieler und talentvoller Dichter ist ihr Bruder

Feodor Franz Ludwig, geb. am 5. Juli 1816 zu Kassel, gegenwärtig (und zwar seit 1841) in Stuttgart engagirt.

Lila, geb. 1817, erschien von ihrem Vater unterrichtet 1833 zuerst auf der Bühne des Mannheimer Nationaltheaters, dem sie bis 1841 angehörte, gastirte dann in Hamburg, Breslau, Riga und Petersburg, an dessen Hoftheater sie bis 1844 wirkte, um sich dann nach Hannover zu wenden. Schon ein Jahr später zog sie sich als Gattin des Freiherrn von Küster von der Bühne zurück, auf der sie als Lustspiel-Liebhaberin Tüchtiges geleistet hatte.

Eine Tochter von Friedrich August Leopold, Henriette Karoline, geb. 1783 zu Mitweida, Sängerin, deb. 1788, war die Gattin Wilhelm Gerstel’s. Nicht mit der Familie L., welche eben behandelt wurde, scheint Friedrich August L. verwandt zu sein, der 1756 in Perleberg geboren wurde und 1781 in Priegnitz debütirte. Ein anderer L., Wilhelm, geb. am 19. Novbr. 1807 zu Lissa, hat sich als Director kleiner und größerer deutscher Bühnen (Bonn, Düsseldorf, Köln, Aachen) und als Leiter einer von ihm nach Holland, Belgien, Elsaß und der Schweiz geführten deutschen Oper bekannt gemacht. Er starb am 16. August 1853 zu Baden bei Zürich.