ADB:Lamprecht der Pfaffe

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Lambrecht, der Pfaffe“ von Elias von Steinmeyer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 17 (1883), S. 564, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Lamprecht_der_Pfaffe&oldid=- (Version vom 25. Juni 2019, 22:21 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
Lambrecht, Jodocus
Band 17 (1883), S. 564 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Pfaffe Lamprecht in der Wikipedia
GND-Nummer 118640305
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|17|564|564|Lambrecht, der Pfaffe|Elias von Steinmeyer|ADB:Lamprecht der Pfaffe}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=118640305}}    

Lambrecht: der Pfaffe L., ein Geistlicher aus der Kölner Gegend, verfaßte während der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts in Baiern, wahrscheinlich auf Anregungen hin, welche von Heinrichs des Stolzen Hofe ausgingen, das älteste deutsche Alexanderlied. Als Quelle benutzte er ein französisches Gedicht des Alberich (Aubry) de Besançon, welches seinerseits in der Hauptsache auf der sogenannten Historia de preliis, einer im 10. Jahrhundert durch den neapolitanischen Archipresbyter Leo veranstalteten lateinischen Uebersetzung des griechischen Pseudokallisthenes, beruhte. Eine Vergleichung der erhaltenen ersten 105 Verse des französischen Werkes mit Lambrecht’s Liede lehrt, daß der deutsche Dichter in allem Thatsächlichen seiner Vorlage getreu folgte; beiden gemeinsam ist auch die streng geistliche Tendenz. Formell aber steht L. durchaus unter dem Einfluß der Dichtung der Spielleute, in ihren Phrasen bewegt sich seine Diction, auf ihre Poesie spielt er an. Von besonderer Wichtigkeit ist der Alexander deshalb, weil er und das Rolandslied des Pfaffen Konrad (s. d.) die ältesten deutschen Gedichte sind, welche auf romanischen Vorbildern beruhen und Stoffe behandeln, die einen Ausblick in ferne Länder verstatten und in denen der Geist der Kreuzzüge weht. Sie haben dadurch auf die weitere Entwickelung der deutschen Litteratur wesentlich eingewirkt.

Wir besitzen von Lambrecht’s Alexanderliede drei Handschriften, die Vorauer (herausg. von Diemer, Deutsche Gedichte, Wien 1849, S. 183 ff.), welche den ältesten Text, aber nur fragmentarisch, überliefert; die ehemals Straßburger (herausg. von Maßmann, Deutsche Gedichte des zwölften Jahrhunderts, Quedlinburg und Leipzig 1837, S. 64 ff., sowie von Weismann, Frankfurt a. M. 1850); die Basler (herausg. von R. M. Werner, Stuttgart 1881, 154. Publication des Lit. Vereins). Die beiden letztgenannten Handschriften bieten Ueberarbeitungen. Eine kritische Ausgabe fehlt bisher. Das französische Original ist am bequemsten zugänglich Germania 1, 273 ff.

Ueber den Dialekt Lambrecht’s handeln Pfeiffer, Germania 3, 494 ff., Roediger im Anzeiger für deutsches Alterthum 1, 78 ff.; über den Vorzug der Vorauer Handschrift vor der Straßburger Harczyk in der Zeitschrift für deutsche Philologie 4, 1 ff. und Kinzel ebenda 10, 14 ff.; über die Straßburger Handschrift Kinzel in den Beiträgen zur deutschen Philologie, Halle 1880, S. 25 ff.; über die Basler Werner in den Sitzungsberichten der Wiener Akademie, phil.-hist. Classe, Bd. 93, S. 7 ff., Kinzel, Zeitschrift für deutsche Philologie 10, 47 ff., 11, 385 ff., Zacher ebenda 10, 89 ff.; über die Quellenfragen Harczyk, Zeitschrift für deutsche Philologie 4, 146 ff., Miller ebenda 10, 1 ff.