ADB:Langbecker, Emanuel Christian Gottlieb

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Artikel „Langbecker, Emanuel Christian Gottlieb“ von Carl Bertheau in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 17 (1883), S. 618–620, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Langbecker,_Emanuel_Christian_Gottlieb&oldid=- (Version vom 27. Juni 2019, 10:53 Uhr UTC)
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Langbecker: Emanuel Christian Gottlieb L., Hymnolog und Liederdichter, wurde als der Sohn eines frommen und geachteten Tuchmachermeisters in Berlin am 31. August 1792 geboren. Er besuchte das Gymnasium zum grauen Kloster und beabsichtigte Medicin zu studiren. Als er aber bald nach seiner Confirmation bei dem bloßen Bericht von einer ärztlichen Operation schon ohnmächtig wurde, gab er diesen Gedanken auf und ließ sich bereden, das Handwerk seines Vaters zu lernen. Nach vollendeter Lehrzeit trat er bei diesem ins Geschäft und ward ihm auch bei der Buchführung und Correspondenz vor allem nützlich, als derselbe zum Altmeister seines Gewerkes gewählt war. Dabei unterließ er jedoch nicht, sich auch geistig immer weiter auszubilden und besonders war es das deutsche evangelische Kirchenlied, dem sich früh seine Studien zuwandten. Außerdem beschäftigte er sich in seinen Mußestunden eingehend mit dem Orgelspiel, in welchem er es bald zu einer solchen Meisterschaft brachte, daß man ihm gern des Sonntags während des Gottesdienstes in der St. Georgenkirche das Orgelspiel überließ. Im J. 1817 ward er in seinem Handwerke zünftiger Meister und begleitete seitdem mehrfach seinen Onkel, einen Wollenwaarenfabrikanten, auf dessen Reisen zu Messen. Um diese Zeit wurde er mit mehreren Männern befreundet, welche seine geistigen Interessen theilten; unter ihnen hat der Professor Friedr. Franz Dan. Wadzeck, bekannt durch die nach ihm benannten Anstalten für Waisenkinder († am 2. März 1823), dadurch wol einen besonderen Einfluß auf ihn gewonnen, daß er ihn ermuthigte, einige seiner eigenen Gedichte, die meist geistlichen Inhalts waren, zu veröffentlichen. [619] Die ersten Lieder Langbecker’s, die bekannt wurden, erschienen in dem „Nützlichen und unterhaltenden Berliner Wochenblatt“, das Wadzeck und nach seinem Tode K. Dielitz herausgab, wahrscheinlich im Jahrgange 1822 (vielleicht schon früher?), und wurden beifällig aufgenommen. Sie stimmten in der Zeit des neu erwachenden kirchlichen Lebens einen entschieden evangelischen Ton an und zeichneten sich durch innige Frömmigkeit und leichte Form aus. Auf Anrathen seiner Freunde, welche auch Subscribenten sammelten, gab er dann im J. 1824 ein Bändchen seiner Gedichte heraus, welches er der Prinzessin Wilhelm, deren fromme Andacht er bei seinem Orgelspiel in der Kirche vielfach beobachtet hatte, widmete. Die Prinzessin, welcher die Gedichte gefielen, ernannte ihn im Jahre 1827 zum Kammerdiener bei ihrem jüngsten Sohnes, dem Prinzen Waldemar, eine Stellung, dir ihm für seine dichterischen Studien und Arbeiten erwünschter war, als diejenige im Geschäfte seines Vaters; er vertiefte sich nun immer mehr in die Geschichte des Chorales und des Kirchenliedes und gab eine zweite Sammlung seiner Gedichte heraus (1829). Nach dem Tode seines Vaters, der am 26. Januar 1829 erfolgte, verheirathete L. sich (am 31. August 1829); um diese Zeit arbeitete er an einer Geschichte des deutsch evangelischen Kirchenliedes und begann dann im Anfange des Jahres 1830 seinem Freunde Samuel Elsner, der schon ein kleineres Gesangbuch („Geistliche Gesänge“, Berlin 1829) herausgegeben hatte, bei der Herausgabe eines größeren Gesangbuches behülflich zu sein. Die erstere erschien unter dem Titel „Das deutsch evangelische Kirchenlied“, Berlin 1830, zur dritten Jubelfeier der augsburgischen Confession; das von Samuel Elsner herausgegebene größere Gesangbuch erschien im Selbstverlage Elsner’s am Schlusse des Jahres 1832 unter dem Titel: „geistlicher Liederschatz“; L. hat für dasselbe die S. 881–920 befindlichen „Lebensgeschichtlichen Nachrichten über die Liederdichter“ zusammengestellt, ohne daß sein Name in dem Werke genannt wäre, wie auch Elsner selbst nicht als Herausgeber, sondern nur als Verleger genannt ist. (Hiernach ist die Angabe Goedeke’s am unten anzuführenden Orte, nach welcher L. als Herausgeber des Liederschatzes anzusehen wäre, zu berichtigen. Bei der Auswahl u. s. f. der Lieder wurde Elsner außer von L. auch noch besonders vom Erziehungsinspectot Kopf unterstützt.) Weitere Früchte der Studien Langbecker’s sind dann u. a. eine im J. 1835 erschienene Ausgabe von Johann Crüger’s Choralmelodien, Berlin, bei Eichler; „Gesangbuchblätter aus dem 16. Jahrhundert; mit einer kurzen Nachricht vom Anfange des evangelischen Kirchenliedes u. s. f.“, Berlin 1838; und dann vor allem sein Hauptwerk: „Leben und Lieder von Paulus Gerhardt“, Berlin 1841, dem Prinzen Waldemar von Preußen gewidmet, eine Arbeit, die vor den ähnlichen von Otto Schulz und Wackernagel erschien und durch die zum ersten Male aus archivalischen Quellen gearbeitete Lebensgeschichte Gerhardts noch heute werthvoll ist; vgl. Bd. VIII. S. 783. Diesem Werke ließ L. im J. 1842 noch eine „Kurze Lebensgeschichte der Anna Maria Gerhardt“, der Gattin Paulus Gerhardt’s, folgen (Berlin 1842). Im J. 1840, am Huldigungstage, ward L. zum Hofstaatssecretär des Prinzen Waldemar ernannt; er lebte äußerlich in glücklichen Verhältnissen und genoß in weiten Kreisen ein wolbegründetes Ansehen; namentlich machte er sich auch als Mitglied des Berliner Lehrervereins für deutsches Volksschulwesen verdient. Unter den Arbeiten für ein größeres Werk über das Kirchenlied wurde er von der Gallenruhr befallen, an welcher er am 24. October 1843 im 52. Lebensjahre starb. Von seinen geistlichen Liedern, welche mehrfach an Gellert erinnern, fanden einige in Gemeindegesangbüchern Aufnahme und finden sich zum Theil noch in ihnen.

Theilweise nach mündlichen und handschriftlichen Mittheilungen. Vgl. G. Schäffer, Das Leben des Liederdichters Emanuel Christian Gottlieb Langbecker [620] u. s. f., Berlin 1844. Koch. Geschichte des Kirchenliedes u. s. f., 3. Aufl., Bd. VII. S. 40 f. Goedeke, III. S. 1068, Nr. 1971.