ADB:Langen, Rudolf von

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Artikel „Langen, Rudolf v.“ von Ludwig Geiger in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 17 (1883), S. 659–660, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Langen,_Rudolf_von&oldid=- (Version vom 17. September 2019, 17:28 Uhr UTC)
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Langen: Rudolf v. L., deutscher Humanist, geb. zu Everswinkel bei Münster 1438, † in Münster 1519. Er erhielt durch seinen Oheim, den Domdechanten Hermann v. Langen, den ersten Unterricht, wurde in der Schule von Deventer, die auch schon vor dem Rectorat des Hegius sich eines zahlreichen Besuchs erfreute, weiter gebildet und befreundete sich dort mit dem genannten Hegius, Rudolf Agricola und anderen Humanisten der ältern Generation. Dann bezog er nach kurzem Aufenthalt in Münster, wo ihm sein Oheim ein Canonicat verschaffte, die Erfurter Universität (1457), die schon damals eine Pflanzstätte des Humanismus war und wurde 1458 Baccalaureus, 1460 Magister der Philosophie. 1466 zog er mit seinem Freunde Moritz v. Spiegelberg nach Italien, nachdem er sich vorher einige Zeit am Hofe des Herzogs Johann von Cleve aufgehalten hatte. In Italien blieb er etwa vier Jahre, zumeist dem Studium der lateinischen – vielleicht auch dem der griechischen – Sprache ergeben, doch weiß man weder, welche Städte er besucht, noch bei welchen Lehrern er gehört hat. In Gemeinschaft mit seinem Freunde war er bemüht, eine große Anzahl römischer Classiker abzuschreiben und durch solche Abschriften sich eine Bibliothek zu erwerben. Nach der Rückkehr von Italien lebte er als Canonicus in geachteter Stellung in Münster. Nur selten verließ er diese Stadt. 1474, 1475 verweilte er während des von Karl dem Kühnen unternommenen Kriegszuges gegen Neuß im Lager des Münster’schen Bischofs Hermann von Schwarzburg [WS 1]; 1486 ging er zum zweiten Male nach Italien, diesmal um in Sachen des Domkapitels mit dem Papste zu unterhandeln. Nachdem er seine Aufgabe in befriedigender Weise gelöst, konnte er sich ungestört seiner Lieblingsthätigkeit widmen: dem persönlichen und schriftlichen Verkehr mit gleichgesinnten Freunden, dem Verfertigen lateinischer Gedichte, der Förderung jugendlicher Genossen und der Neugestaltung des münsterischen Schulwesens. Am unbedeutendsten ist seine dichterische und schriftstellerische Thätigkeit. Derselben gehört eine Schrift, „Hierosolyma“, an, in Prosa, die, wie es scheint, zu einem Epos verarbeitet werden sollte, welches Ursprung der Stadt Jerusalem und ihres Tempels und die Zerstörung beider schildert. Zu derselben ist ferner eine Sammlung Gedichte zu rechnen, die 1486 erschien. Dieselben sind theils geistliche Gedichte, fromme Gesinnung verrathend, theils persönlichen Inhalts, inniges Interesse für Freunde und Bekannte bekundend, theils historischen Inhalts. Zu den letzteren gehört [660] ein größeres Gedicht über die Belagerung der Stadt Neuß, das aber ohne historischen und dichterischen Werth ist. Denn es gibt keineswegs eine anschauliche Beschreibung der geschichtlich wichtigen Begebenheit, noch auch eine ansprechende Charakteristik der handelnden Personen, sondern ist zumeist ein Lobspruch auf den dabei betheiligten Bischof Hermann. Viel wichtiger als seine schriftstellerische ist seine pädagogische Thätigkeit. Die Beförderung, die er Einzelnen, z. B. seinem jüngern Verwandten Hermann vom Busche, angedeihen ließ, war für die Geförderten von großer Bedeutung, aber sein eigentlichstes Verdienst ist die Begründung und Ausbildung des münsterischen Schulwesens. An diesem seinem Lebensplan hielt er unverrückt fest und führte ihn schließlich durch trotz mancher Gegenanstrengungen, die theils aus Münster stammten, theils durch die Kölner Theologen beeinflußt waren. Als Leiter seiner Anstalt wünschte er den alten Freund Alexander Hegius zu gewinnen, der aber den Ruf ablehnte. Daher führte er im Verein mit Timann Camener (1470–1535), einem tüchtigen Pädagogen, aber noch in der mittelalterlichen Auffassung und Darstellung befangenen Gelehrten, A. Tunnicius (s. d.) und J. Murmellius (s. d.) seine Pläne durch. Die Anstalt trat 1500 ins Leben, zuerst mit vier Klassen, denen ein Jahrzehnt später zwei neue hinzugefügt wurden, als eine geistliche Anstalt, die daher naturgemäß auf den Religionsunterricht den größten Nachdruck legte, sodann Latein – seit 1512 auch Griechisch – Philosophie, Poetik, Rhetorik und Dialektik lehrte. Das humanistische Wesen dieser Schule zeigte sich sofort in der Bevorzugung der lateinischen Sprache und in der methodischen Art der Unterweisung, erst später in der Umgestaltung der Hilfsmittel und der Lehrbücher, in Ersatz der mittelalterlichen durch neue und zweckmäßigere. Die Errichtung dieser für die Entwickelung des Humanismus höchst segensreichen Lehranstalt ist Rudolf v. Langen’s schönstes Denkmal.

A. Parmet, Rudolf v. Langen. Leben und gesammelte Gedichte des ersten Münsterischen Humanisten. Münster 1869. Gött. gel. Anz. 1870 St. 33 S. 1295–1302. Geiger, Renaiss. und Humanismus, S. 396 ff.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Einen Bischof Hermann von Schwarzburg gab es nicht. Gemeint ist Heinrich von Schwarzburg, (1466–1496 Bischof von Münster).