ADB:Laufberger, Ferdinand

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Artikel „Laufberger, Ferdinand“ von Theodor Frimmel von Traisenau in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 18 (1883), S. 40–42, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Laufberger,_Ferdinand&oldid=- (Version vom 21. Juli 2019, 09:06 Uhr UTC)
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Laufberger: Ferdinand Julius Wilhelm L., Maler, gehört mit König, Rieser, Storck und Sturm zu jener Gruppe von Künstlern, deren Namen eng verknüpft sind mit dem Aufschwung der österreichischen Kunstindustrie, welcher unter v. Eitelberger’s thatkräftiger Führung in den 60er und 70er Jahren Platz gegriffen hat. In Laufberger’s vielseitigem Wirken sind zwei deutlich getrennte Perioden zu unterscheiden: die erste, seine Thätigkeit als Illustrator, Caricaturenzeichner und Genremaler umfassend, die zweite, der monumentalen Kunst und dem kunstgewerblichen Unterrichte gewidmet. L. ist am 16. Febr. 1829 zu Mariaschein in Böhmen geboren. Die dürftigen Verhältnisse, in denen Laufberger’s Eltern lebten, hinderten nicht, daß der Knabe ins Gymnasium geschickt wurde (1837–40 zu Schüttenitz bei Leitmeritz). Schon früh regte sich bei dem Knaben ein auffallender Trieb zum Zeichnen. Als im J. 1840 die Eltern nach Prag übersiedelten, drängte L. zur Malerlaufbahn. Die Mutter ging denn auch mit dem Knaben zu Rudolf Müller (damals Corrector an der Prager Akademie, jetzt Professor am Realgymnasium zu Reichenberg), welcher Laufberger’s Talent erkannte und dasselbe durch mehrere Jahre mit Rath und That unterstützie. Er unterrichtete einstweilen privatim den Knaben, der noch die Piaristenschule in Prag besuchte, im Kopfzeichnen bis zu seinem Eintritt in die Akademie, welcher 1844 stattfand. Im J. 1852, als Ruben, der bisherige Director an der Prager Akademie, nach Wien berufen worden, zog L. mit diesem seinem [41] Meister gleichfalls nach der Donaustadt. Zuvor aber hatte er noch eine Sommerreise durch Nordungarn und Galizien unternommen und volle Skizzenbücher und Mappen heimgebracht. In Wien folgten nun einige Jahre bitteren Mangels, bis L. in der 1854 gegründeten xylographischen Anstalt von Waldheim ausgiebige Beschäftigung fand. Unter den zahlreichen illustrirten Publicationen, welche schon damals Waldheim’s Anstalt verließen, sind wenige, an denen L. nicht mehr oder weniger als Zeichner Antheil hätte. Die „Mußestunden“ (erschienen von 1859–63), „Waldheim’s illustrirte Zeitung“ (1862 und 1863), die „Illustrirten Blätter“ (von 1864–66), sowie das bekannte Witzblatt (der 1856 gegründete) „Figaro“ boten dem jungen Künstler Gelegenheit, seine Begabung für das rasche Auffassen des Charakteristischen an Formen und Bewegungen zu verwerthen. Viele Anregung bot die Reise, welche L. als Zeichner im J. 1855 mit einem Dampfer des Triester Lloyd die Donau abwärts bis zur Sulinamündung mitmachte. Auf der Heimreise sah er Constantinopel, einige griechische Städte und Triest. Als Frucht der Studien an der Akademie entstanden einige Cartons mit historischen Darstellungen. Die eigentliche Begabung Laufberger’s aber machte sich in einer Reihe von launig erfundenen Genrebildern Luft, welche in der zweiten Hälfte der 50er Jahre im österreichischen Kunstverein ausgestellt waren. Hervorzuheben wären „„Privatgelehrter beobachtet eine Sonnenfinsterniß“, „Gebirgsreisende rasten vor einem Bauernhause“, „Ein alter Junggeselle“ und „Markt in Oberungarn“. Von größter Bedeutung für den Künstler war eine längere Reise (vom März 1862 bis August 1864), welche den Abschluß seiner akademischen Studien bildete. Die bedeutendsten Städte Deutschlands wurden berührt. Ein längerer Aufenthalt in Berlin gab Gelegenheit zum Copiren in der Gallerie, welches aber noch nicht hinreichte bei dem vorwiegend zum Zeichnen veranlagten Künstler auch den Farbensinn (welcher zeitlebens eine schwache Seite Laufberger’s geblieben ist) zu wecken. Erst in Paris im Louvre und im Atelier Cogniet, welches der Künstler einige Zeit hindurch besuchte, zeigt sich eine Besserung im Colorit. Dem Pariser Aufenthalte verdanken wir dasjenige Werk des Künstlers, welches unter seinen Staffeleibildern die hervorragendste Stelle einnimmt, den „Galleriebesuch im Louvre“. Sehr tiefgehend war der Einfluß, den L. in Italien erfuhr. Eine lange Reihe von Skizzenbüchern aus jener Zeit und der Charakter fast aller nach dieser Reise entstandenen Schöpfungen des Künstlers geben davon Zeugniß. Einen besonders tiefen Eindruck scheinen ihm in Florenz die Kindergestalten des Luca della Robbia gemacht zu haben, welche uns in Laufberger’s späteren Compositionen wiederholt begegnen, allerdings in moderner aber dennoch keuscher und reiner Auffassung. Nach der Rückkehr von dieser Studienreise verging fast ein volles Jahr, ehe der Künstler an eine größere Aufgabe herantreten konnte; eine solche aber wurde ihm zu Theil, als man ihm den Entwurf und die Ausführung des Bühnenvorhanges für komische Oper und Ballet im Wiener Opernhause übertrug. Mit feinem Verständniß für den decorativen Zweck des Ganzen führte er dieses Werk zu Ende. Es bildet die erste und vielleicht gelungenste jener monumentalen Arbeiten, welche die zweite Periode von Laufberger’s Werken kennzeichnen und zu deren Ausführung ihm durch die zahlreichen hochbedeutenden Neubauten, welche zu jener Zeit in Wien entstanden sind, Gelegenheit geboten wurde. Als größere Aufträge wären zu nennen: die malerische Ausschmückung des Treppenhauses in dem von Ferstel erbauten österreichischen Museum, die Decoration in der Vierung der berühmten Votivkirche und der Sgrafittoschmuck in den beiden Höfen des von Hasenauer erbauten Museums für die Kunstsammlungen des österreichischen Kaiserhauses. Die Entwürfe für die großen Glasmalereien über den zwei Portalen der Rotunde in der Wiener Weltausstellung 1873, sowie die [42] Sgrafittodecoration der österreichischen Abtheilung der Pariser Weltausstellung 1878 trugen Laufberger’s Namen in die weitesten Kreise. Höchst segensreich und noch gar nicht in ihrer ganzen Ausdehnung zu überblicken war die Lehrthätigkeit Laufberger’s an der Kunstgewerbeschule des österreichischen Museums; zum Professor an derselben war er am 29. Juni 1868 ernannt worden und wirkte dort mit wahrem Feuereifer bis zu seinem am 16. Juli 1881 erfolgten Tode. Das österreichische Museum veranstaltete im Februar und März 1882 eine Ausstellung des künstlerischen Nachlasses von L.

Die beste Charakteristik des Malers findet sich in dem von R. v. Eitelberger geschriebenen Nekrolog in den Mittheilungen des österr. Museums, Jahrg. XVI, S. 402 ff. Biographien in dem Kataloge der Laufberger-Ausstellung im österr. Museum (Wien, H. O. Miethke), in der Zeitschrift für bild. Kunst, Jahrg. XVII, S. 261 (mit Abbildungen, darunter Porträt nach Griepenkerl), abermals in den Mittheilungen des österr. Museums, Jahrg. IV, S. 19, in den Graphischen Künsten, Jahrg. IV, Heft 3 (reich illustrirt, mit einem Stich nach einem Selbstporträt). Das Radirwerk des Künstlers ist zusammengestellt in der Allgem. Kunstchronik, 1882, S. 83 ff.