ADB:Layritz, Paul Eugen

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Artikel „Layritz, Paul Eugenius“ von Ludwig Römer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 18 (1883), S. 88–89, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Layritz,_Paul_Eugen&oldid=- (Version vom 20. September 2019, 08:41 Uhr UTC)
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Layritz: Paul Eugenius L., geb. den 13. Novbr. 1707 zu Wunsiedel im Vogtlande. Seine Großeltern hatten mit den anderen Evangelischen während des 30jährigen Krieges aus Böhmen fliehen müssen und sich dann in Hof in Baiern niedergelassen. Von den beiden Söhnen derselben wurde der eine Generalsuperintendent in Weimar, der andere Pastor in Wunsiedel. Letzterer war der Vater des Paul Eugen. Dieser, der Sohn, der nach des Vaters Wunsch Theologie studirte, zeichnete sich schon in den Schulen des Gymnasiums, wie auf der Universität unter seinen Mitstudirenden durch große Befähigung aus, er gerieth aber in Leipzig auf die Bahn eines ausschweifenden Studentenlebens und in Zweifel an der Wahrheit der christlichen Lehre, weshalb er vom Predigerberuf absehen wollte, zu großer Betrübniß seines Vaters. In Jena aber, wohin er übersiedelte, brachten ihn die Vorträge des Magister Spangenberg (nachmaligen Bischofs der Brüdergemeine) von seinen Abwegen wieder zurück, und besonders hatte daselbst sein Bekanntwerden mit dem Grafen Zinzendorf einen heilsamen Einfluß auf ihn. Er sah einst einen Mann auf der Straße von einem Haufen Studenten verfolgt mit Hohngelächter und Schimpfreden, ging neugierig dem Manne nach, vernahm daß derselbe der Graf Zinzendorf sei und hörte noch am Abend desselben Tages im Hause eines Freundes des Grafen eine Rede, die er an eine Versammlung von Studenten und Bürgern hielt über den Vers: Quidnam possit enarrare, quam sit dulce Te amare. Diese Rede gab seinem christlichen Leben eine neue kräftige Anregung. Nun wurde er auch mit Aug. Herm. Francke, Dr. Knapp in Halle, mit dem Abt Steinmetz und andern berühmten Männern der gläubigen Theologie näher bekannt. Nach vollendeten Studien kehrte er zu seinem Vater zurück, dem er ein treuer Gehülfe im Predigtamt wurde bis zu dessen Tod 1731. Gleich nachher erhielt er durch Steinmetz’s Vermittelung die Berufung als Conrector einer in Neustadt an der Aisch neu entstandenen, nach dem Muster des Francke’schen Pädagogiums in Halle eingerichteten Schule. Hier war seine Wirksamkeit eine sehr erfolg- und segensreiche. Er war in den Sprachen sehr zu Hause, sprach ein fließendes Latein und verstand es bei fester Ordnung und geregelter Lehrmethode seinen Schülern den Unterricht faßlich und anziehend zu machen. Auch seine ganze äußere Erscheinung war für die Jugend ebenso gewinnend als Respekt einflößend. Bald wurde er zu den vorzüglichsten Schulmännern Deutschlands gezählt; Schüler kamen in großer Zahl, selbst aus den fernsten Gegenden Deutschlands. Ein Compendium der Logik, das er damals herausgab, wurde in vielen andern Schulen ebenfalls eingeführt. Die ihm 1740 angebotene Stelle als Rector des Pädagogiums in Kloster-Bergen, dem Ort, wo Steinmetz wirkte, lehnte er ab, um sich der Brüdergemeine, mit welcher er schon längere Zeit bekannt war, anzuschließen. Er übernahm die Direction des Seminars und Pädagogiums damals in Marienborn, einem später aufgegebenen Gemeinort im Büdingschen und sodann in Barby, wohin diese Institute versetzt wurden. Hier verfaßte er mit Hülfe seines nachmaligen Schwiegersohnes Theodor Christ. Jembsch ein Lexikon der lateinischen Sprache (in der Druckerei des Halle’schen Waisenhauses gedruckt), ein treffliches Werk, das sich wieder des allgemeinsten Beifalls und großer Verbreitung zu erfreuen hatte. Reich an gediegenem Inhalt war ferner die Schrift: „Gedanken über eine vernünftige und christliche Kindererziehung“, welche in Barby in der Unitätsbuchhandlung herauskam. Später wurde er zum Mitglied der Direction der Brüderkirche erwählt, wonach er 1775 auch die Bischofsweihe erhielt. Mehrere beschwerliche und weite Reisen hatte er in dieser amtlichen Stellung auszuführen, z. B. eine Visitationsreise nach Labrador zu den dortigen Missionsplätzen unter den Eskimos. Er blieb fortwährend thätig in diesem Amt bis zu seinem Heimgang, welcher durch einen [89] Schlagfluß herbeigeführt wurde. In friedevollster und glaubensfreudigster Weise verschied der kurz vorher noch muntere Greis im Alter von 80 Jahren am 31. Juli 1788.