ADB:Leiningen-Westerburg, August Georg Gustav Graf zu

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Artikel „Neu-Leiningen-Westerburg, August Georg Gustav Graf von“ von Adolf Schinzl in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 18 (1883), S. 218–220, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Leiningen-Westerburg,_August_Georg_Gustav_Graf_zu&oldid=- (Version vom 23. Juli 2019, 08:10 Uhr UTC)
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Leiningen: August Georg Gustav Graf von Neu-Leiningen-Westerburg, Erlaucht, k. k. Feldmarschalllieutenant, Indigena des Königreichs Ungarn, geb. am 19. Februar 1770 zu Grünstadt im baierischen Rheinkreise, † am 9. October 1849 zu Wien, entstammte der durch Graf Karl August Ludwig († 1787) begründeten nassauischen Linie der Grafen von Neu-Leiningen-Westerburg, einem Zweige der bis in das 11. Jahrhundert urkundlich nachweisbaren Familie der Fürsten und Grafen von Leiningen, und zählt zu deren besten, durch Adel der Gesinnung und ritterliches Handeln ausgezeichneten Mitgliedern. Für den Kriegerstand bestimmt, stand L. als Offizier niederen Grades zuerst 1785–1787 im holländischen, dann 1789–1791 im französischen Heere, worauf er aus Anlaß der revolutionären Bewegung in Frankreich 1792 als Cadet bei Le Loup Jägern in die österreichische Armee trat. Schon dieser dreifache Beginn seiner militärischen Laufbahn war für L. eine ernste Schule, geeignet dessen Anlagen zur Selbständigkeit rasch zu entwickeln und zu kräftigen; allein viel härter noch gestaltete sich die Erprobung, welche des jungen Grafen Charakter zu bestehen hatte, als er 1792 bei Namur, damals Fähnrich im Infanterieregimente Nr. 9, in französische Gefangenschaft gerieth und nach Paris als Geisel gebracht wurde. Kernigen Sinnes, mannhaft widerstand dort L. fast drei Jahre lang allen seiner Treue gestellten Anfechtungen und gelang es ihm endlich, indem er jeder Gefahr trotzte, sich der Gefangenschaft zu entziehen. Er erhielt nun seine Eintheilung im Infanterieregimente Nr. 54, avancirte zum Lieutenant und hielt sich schon in den nächsten Feldzügen gegen Frankreich so wacker, tapfer und verwendbar, daß ihm namentlich nach den Kämpfen bei Andel 1797, bei Schaffhausen 1799 die ehrenvollste Anerkennung zu Theil wurde. Doch die einfach pünktliche Erfüllung seiner Pflicht genügte weder Leiningen’s feurigem Temparamente noch seiner glühenden Vaterlandsliebe. Ohne einen Auftrag erhalten zu haben, warf sich Hauptmann L. den 5. October 1805 mit seiner Division gegen den Feind, als selber die schwache Besatzung des Michelsberges gegen das Frauenthor von Ulm trieb und mit dieser in die Festung einzudringen suchte. Leiningen’s todesmuthig und unvorhergesehen geführter Flankenangriff wirkte entscheidend; der Gegner mußte unter großen Verlusten an Offizieren, Mannschaft und Geschützen zurück auf den Michelsberg, L. nahm persönlich einen feindlichen Stabsoffizier gefangen. Die Ernennung zum Major im 11. Infanterieregimente und die Verleihung des Ritterkreuzes des Militär-Maria-Theresien-Ordens anerkannte diese hervorragende Leistung. Den ehrenvollen Ruf aber, welchen sich L. als einer der tapfersten und verwegensten Soldaten [219] der Armee bis nun errungen, wußte er auch 1809 bei Aspern und Wagram, ganz besonders jedoch bei Znaim erneut zu bethätigen. Denn als den 11. Juli 1809 Nachmittags 4 Uhr die Franzosen gegen Znaim mit Erfolg vorbrachen und Oberstlieutenant L., zu jener Zeit im Infanterieregimente Nr. 54, mit seinem Bataillon an der Tête der Grenadiercolonne dem Feinde entgegengestellt wurde, da zeigte sich die Macht, welche die Bestimmtheit seines Commando’s und sein persönliches Beispiel auf die Truppe zu üben vermochte. Im heftigsten Regen, der den Gebrauch der Gewehre als Feuerwaffe verhinderte, drang L. mit überwältigend scharfem Bajonettstoß in des Gegners Reihen und nöthigte selben zum Rückzuge gegen die Thaya. Daß Leiningen’s heldenhaftes Vorgehen nicht zum vollsten Siege führte, ja daß er, um sein Bataillon vor gänzlichem Niedermachen zu bewahren, wieder nach zurück mußte, lag nicht an ihm, sondern an dem überhitzigen Eifer der nachrückenden Truppen, durch welchen in die nun lange Colonne Lücken gerissen wurden, die der Gegner zu wirksamen Seitenangriffen ausnützen konnte. Zur Erneuerung des Kampfes kam es aber nicht mehr, da noch an diesem Tage die Verkündigung des Waffenstillstandes stattfand. Mit selben legte sich jedoch keineswegs der Groll Leiningen’s gegen des Kaisers Feinde; wiederholt hat er zu Wien französische Offiziere zum Duelle herausgefordert, immer war er glücklich aus dem Streite hervorgegangen. 1813 führte L. als Oberst, kühn und mit Ehren wie immer, das Infanterieregiment Nr. 11, doch traf ihn hierbei das bittere Geschick, sich den 27. August bei Dresden von seiner fast ganz in des übermächtigen Gegners Gewalt gekommenen Truppe trennen zu müssen, um nicht den Folgen der Acht zu verfallen, welche ihn als geborenen Unterthanen des Rheinbundes getroffen hätten. Hierbei rettete er, nicht ohne persönliche Gefahr, die beiden Fahnen des Regiments, indem er sich, von den Pistolen Gebrauch machend, der ihn verfolgenden chasseurs à cheval erwehrte. Kaum zwei Monate hierauf hatte Leiningen’s energisches, umsichtiges Eingreifen den Kriegsstand des Regiments wieder hergestellt, so daß er 1814 die Forts Joux, St. André und Pierre Châtel in Südfrankreich nacheinander einschließen und zur Uebergabe zwingen konnte. 1815 war L. mit dem Regimente bei der Hauptarmee in Frankreich und im Armeelager bei Dijon, sodann bis 1818 mit den Occupationstruppen im Elsaß. Nur noch bis 1821 blieb L. im Regimente Nr. 11, unter dessen Leitung selbes sich zu jener Höhe erhob, daß er beim Abschiede danken konnte „für die Liebe und Anhänglichkeit zu ihm, für den vor dem Feinde bewiesenen Muth, für den nachahmenswerthen Gemeinsinn und für alle jene geübten Soldatentugenden, welche als Muster für jede brave Truppe gelten können.“ Das Regiment verzeichnete aber diese Worte in seinen Geschichtsblättern, indem es sagt: „Es war dies eine Anerkennung, auf welche das Regiment, indem sie von einer in der Armee so hoch angesehenen Persönlichkeit ausging, wol mit Recht stolz sein durfte.“ Die nun folgende Friedenszeit, während welcher L. 1821 zum Generalmajor, 1829 zum Inhaber des Infanterieregiments Nr. 31, 1832 zum Feldmarschalllieutenant, dann zum Geheimen Rathe und Kämmerer erhoben wurde, und als Brigadier zu Graz, Mainz, als Divisionär zu Graz, Militärcommandant zu Laibach und Innsbruck, endlich als Vicegouverneur zu Mainz befehligte, brachte den ihm unterstellt gewesenen Truppen vielfache nützliche Belehrung und erhielt selbe bei stets freudigem Pflichtbewußtsein. Nachdem L. noch die Ehrenstelle eines Oberlieutenants der Arcierenleibgarde bekleidet hatte, starb er nach kurzer Krankheit an der Lungenlähmung, von der Armee als herzhafter Truppenführer und Vorbild ritterlichster Denkungsart hochverehrt, vom Regimente Nr. 31 als gütigster und väterlich gesinnter Inhaber betrauert.

[220] Wurzbach, Biogr. Lexikon d. Kaiserth. Oesterr. etc., 14. Thl., Wien 1865. Hirtenfeld, Der Milit.-Maria-Theres.-Orden etc., 2. Bd., Wien 1857. Thürheim, Gedenkblätter aus der Kriegsgesch. d. k. k. österr. Armee, 1. Bd., Wien u. Teschen 1880. Geschichte des k. k. Inft.-Rgmts. Nr. 11, Teschen 1879. Heller, Der Feldzug des Jahres 1809 etc. (Aus der österr. Militärzeitschrift Jahrg. 1862 u. 1863). Blazekovič, Chronik des 31. Lin.-Inft.- Rgmts., Wien 1867.