ADB:Liutward

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Liutward, Bischof von Vercelli“ von Ludwig Friedrich Karl von Kalckstein in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 19 (1884), S. 20–21, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Liutward&oldid=- (Version vom 15. September 2019, 12:14 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Liudprand
Band 19 (1884), S. 20–21 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Liutward von Vercelli in der Wikipedia
GND-Nummer 136742548
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|19|20|21|Liutward, Bischof von Vercelli|Ludwig Friedrich Karl von Kalckstein|ADB:Liutward}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=136742548}}    

Liutward, Bischof von Vercelli (spätestens 1. Febr. 880), † am 24. Juni 900, niederer Herkunft, wurde mit seinem Bruder Chadolt in der schwäbischen Heimath, im Kloster Reichenau gebildet; daß er sich von Notker dem Stammler dessen Sequenzen widmen ließ, beweist wissenschaftliches Interesse. Schon in der ersten Urkunde von Ludwig des Deutschen Sohn Karl III., König von Alemannien, 877 als dessen Kanzler bezeichnet, war er bereits am 24. März 878 Erzkanzler oder Erzkaplan, der „wackere, vertraute und geliebte Rath“ des Königs, von dem er sich große, später mit elsässischem Besitz vertauschte Güter in Churwalchen, die Abtei Bobbio, das weinreiche italienische Klösterchen Massin, eine später mit einer Celle bei Reichenau vertauschte Kapelle im Thurgau verleihen ließ. Als Bischof von Vercelli sollte er eine Stütze von Karls Herrschaft in Italien werden, 2/3 der auf seine Fürbitte ausgestellten Urkunden beziehen sich auf dies Land. Seinem Bruder Chadolt verschaffte L. das Bisthum Novara. L. ging als Bevollmächtigter Karls 880 wiederholt zu Johann VIII., versprach dessen Legaten, die Gerechtsame der Kirche zu schützen. Nachdem das Ziel seiner Verhandlungen, die Kaiserkrone für Karl, erreicht war, [21] kehrte L. mit ihm spätestens November 881 über die Alpen zurück. Wahrscheinlich im Herbst 882 hatte er Ludwigs II. Wittwe Engelberga nach Italien zu geleiten. Für sein Bemühen, den Kaiser zur Vertreibung Wido’s von Spoleto aus den päpstlichen Besitzungen zu veranlassen, versprach ihm der Papst kurz vor seiner Ermordung zeitliche Vortheile. Ende 885 nochmals nach Rom gesandt, um den ohne kaiserliche Zustimmung erwählten Papst Stephan V. abzusetzen, ließ er sich durch diesen begütigen. Die Vermittelung des schmählichen Vertrages mit den Normannen zu Elsloo im Juli 882 mußte den Haß gegen den habgierigen Emporkömmling steigern. Er ließ in Schwaben und Italien reiche Erbinnen entführen, um sie seinen Verwandten zu vermählen. Ein durch den Tod seines Neffen in der Hochzeitwoche mißglückter Versuch derart gegen die Bruderstochter Berengar’s von Friaul hatte im Sommer 886 den Ueberfall von Vercelli, die Plünderung von Liutward’s Eigenthum zur Folge. Wol nur scheinbar versöhnte sich Berengar mit L. zu Waiblingen (Ostern 887) durch große Geschenke an den Bischof. Man warf ihm vor, er leugne die Einheit der Person Christi, man verdächtigte sein sehr befreundetes Verhältniß zur Kaiserin Richarda, die eine feierliche Reinigung von der Anklage des Ehebruchs angeboten haben soll. Unmittelbar vorher, im Juni 887, gab der schwache Kaiser den gegen L. verschworenen Großen nach, entzog ihm und seinen Verwandten Lehen und Aemter und verwies ihn vom Hofe. Bald bereute er es, aber L. war sofort zu Arnulf von Kärnthen gegangen, um ihn zum Streben nach der Krone aufzureizen. Sein Rath wird Arnulf zur Erlangung der Krone sehr dienlich gewesen sein, aber auf der Mainzer Synode, Juni 888, tritt L. zuletzt an öffentlichen Angelegenheiten betheiligt auf, muß sich dann auf den Genuß seiner reichen Einkünfte und des Bisthums beschränkt haben. Seine ungeheueren Schätze fielen den Magyaren anheim, als sie ihn 12 Jahre später erschlugen.

Vgl. Dümmler, Geschichte des ostfränkischen Reiches, II. Bd.