ADB:Müller, Sanderad

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Artikel „Müller, Thomas Sanderad“ von Franz Xaver Kraus in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 22 (1885), S. 678–679, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:M%C3%BCller,_Sanderad&oldid=- (Version vom 15. Dezember 2019, 11:33 Uhr UTC)
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Müller: Johann Thomas Albert Sanderad M., Naturforscher und Antiquar; geb. zu Trier am 12. Mai 1748 als ehelicher Sohn von Joh. Thomas Müller und Maria Theresia Claudia Driesch, welche dort ein Handelsgeschäft trieben. Er absolvirte frühzeitig seine humanistischen Studien, ward in seinem 18. Jahre Doctor der Philosophie und widmete sich dann dem Studium der Rechte und der Theologie, neben welchem er aber sehr fleißig Mathematik, Zeichnen und Baukunst, selbst Musik trieb. Im August 1770 trat er in die reiche Abtei S. Maximin bei Trier ein, wo er nach Klostersitte den Namen wechselte und sich Sanderad nannte. Hier beschäftigte er sich vorzüglich mit naturwissenschaftlichen und mathematischen Studien, nicht minder zeichnete er sich bald in technischen Künsten aus, nicht bloß im Kupferstich, sondern auch in der Feuerwerkskunst, neben welchen Dingen er das Erlernen alter wie neuer Sprachen sich angelegen sein ließ. Frühzeitig bereiste er die Niederlande, dann ergriff ihn der Drang, Italien zu besuchen. Sein Abt, Willibrord Wittmann, gab ihm zunächst nur die Erlaubniß nach Wien zu gehen; von dort aber wanderte M. über Loretto nach Rom, wo er Protection und Förderung seiner archäologischen Neigungen fand; weiter nach Neapel und dem Vesuv, über welchen er die Schrift „Beschreibung und Meinung vom Vulcan Vesuv und dem Schwefelthal oder der sog. Solfatara, mit vom Verfasser selbst gestochenen und illuminirten Kupfern“, Frankf. a/M. bei Joh. Bayerhoffer, 1785 4°. herausgab – ein jetzt äußerst selten gewordenes, doch der Beachtung in mancher Hinsicht werthes Buch. Seine Zeichnungen nach römischen Alterthümern und seine mineralogischen Sammlungen sollte ein Schiffer von Amsterdam von Venedig nach Deutschland bringen; sie sind aber verloren gegangen. Ueber Venedig und Wien kehrte P. Sanderad 1780 nach Trier zurück, wo er bis 1794 in seiner Abtei Bibliothekar und Lehrer der Mathematik war. Beim Herannahen der Franzosen mußte er, unter Zurücklassung seiner eigenen Bücher und Instrumente, das Archiv des Klosters über den Rhein retten und selbst unter beschwerlichem Hin- und Herreisen das Brod des Exils essen. In Deutschland machte er damals die Bekanntschaft bedeutender Gelehrter; Lalande in Paris, in Berlin Bode, wie ich aus mündlicher Quelle hörte, auch Alexander von Humboldt schätzten den wissensreichen Mönch, und namentlich nahm sich der Astronom von Zach in Seeberg bei Gotha seiner an. Zach führte ihn auch am 18. Mai 1797 bei der der Sternkunde eifrig ergebenen Herzogin von Gotha ein und widmete ihm seine Tabulae motuum solis novae etc. (Gotha 1792). Im J. 1801 kehrte M. nach seiner Heimath zurück, betheiligte sich dort seit 1808 als residirendes [679] Mitglied an den Arbeiten der Gesellschaft für nützliche Forschungen und ward 1818 Ehrenmitglied der Gesellschaft naturforschender Freunde in Berlin. Er starb am Schlagflusse in der Nacht vom 13. auf den 14. Juni 1819. Von seinen Schriften sind die meisten zu Grunde gegangen; außer den Werken über den Vesuv sind gedruckt: 1) „Fünf für die Weltlage von Trier nach astronomischen Gründen berechnete gnomonische Tafeln zur leichten Verfertigung richtiger Sonnenuhren u. s. f.“, Trier 1802; 2) „Nachtgedanken über den Blendtod und die Beerdigung“, Trier 1802, 8; 3) „Freundschaftlicher Vortrag über die Mißhandlung der Alterthümer, Kunstwerke und wissenschaftlicher Gegenstände“, Trier 1808, 8°, – eine der frühesten Aufforderungen zur Erhaltung und Inventarisirung von Kunstdenkmälern; 4) „Blicke auf die Enthauptungsmaschine in Hinsicht ihrer Verbesserung“, Trier 1808, 8°. Eine Reihe anderer, namentlich algebraischer und astronomischer Arbeiten sind ungedruckt, sie sind verzeichnet bei J. A. Schröll, in seiner Notiz über Thom. S. M., Tr. Kronik 1820, 69, außer welcher noch zu vgl. Litteraturzeitung für kath. Religionslehrer 1819, Sept. III 417–422. Die Tr. Kronik 1821, 133 veröffentlichte noch einen archäologischen Versuch Müller’s: „Les Antiquités de la Porte neuve à Trèves“. M. war, neben Hontheim, zweifellos der bedeutendste Mann, welchen Trier zu Ende des 18. und Beginn des 19. Jhrts. besaß. Wenn in seinen Schriften namentlich in den antiquarischen, noch ein gutes Stück Dilettantismus hervortritt, so waren die Besten seiner Zeit davon selten frei; im Uebrigen bewährt er sich als einen hellen Kopf von mächtiger Intelligenz und vielseitigstem Wissen. In andere Verhältnisse gestellt und an einem Mittelpunkte wissenschaftlichen Lebens hätte er einen großen Namen gewinnen können, während jetzt sein Andenken fast untergegangen ist. – Ein Bruder Sanderads war Ludwig M., welcher 1813 starb und gleichfalls ein tüchtiger Naturforscher war. Er war der Erste, welcher in Trier mit selbstgefertigten Instrumenten meteorologische Betrachtungen anstellte, worüber er eine 30 Jahre umfassende, 700 enggeschriebene Bogen in 4° füllende Arbeit hinterließ. Auch beschäftigte er sich mit der Anfertigung von Fernröhren und Mikroskopen, empfahl, einer der Ersten, den Gebrauch von Doppelfernröhren vor den einfachen und verfaßte mehrere (ungedruckte) Schriften zur Theorie der Optik. Vgl. Tr. Kronik 1823, S. 16 f. – Ein dritter Bruder war Franz Tobias M., geb. 20. Juni 1752, Lieblingsschüler Neller’s, ward 1777 Priester und wirkte seit 1786 anfangs als Hülfsgeistlicher, dann als Pfarrer in Longuich bei Trier, wo er am 14. April 1827 starb. M. hinterließ ungedruckt mehrere Schriften, welche ein vielseitiges Wissen verrathen, so namentlich das handschriftlich noch vorhandene Werk: „Die Schicksale der Gotteshäuser in und nahe bei Trier seit 1794“, eine leider noch immer der Veröffentlichung vorenthaltene, nicht unwichtige Arbeit, außerdem eine Biographie der Longuicher Pfarrherren und eine Medicina pastoralis. Vgl. Chronik der Diöcese Trier 1828, 237.