ADB:Mager, Karl

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Artikel „Mager, Karl“ von Wilhelm Langbein in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 20 (1884), S. 57–59, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Mager,_Karl&oldid=- (Version vom 31. März 2020, 08:35 Uhr UTC)
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Mager: Dr. Karl M., ebenso bedeutend für die wissenschaftliche Pädagogik, wie einflußreich als Journalist durch seine „Pädagogische Revue“, ist am 1. Januar 1810 zu Gräfrath bei Solingen geboren. Auf dem Gymnasium zu Düsseldorf vorgebildet, studirte er von 1828–30 in Bonn Philosophie und Philologie und ging dann zum Zweck naturwissenschaftlicher Studien nach Paris. Sein Verkehr mit fast allen litterarischen Größen ließ ihn sich in französische Sprache und Litteratur vertiefen, so daß er schon 1834, als er nach Mecklenburg als Hauslehrer gegangen war, den ersten Band seiner deutschen „Geschichte der französischen Nationallitteratur“ (Wismar) veröffentlichen konnte. Mit scharfem Blick und sicherem Urtheil zeigt er die Fäden auf, aus denen das französische Leben gewoben ist. Noch Jahre lang ist dies Werk nachher zu Aufsätzen und Correspondenzen für deutsche Journale und Zeitungen benutzt worden, ein Beweis für Mager’s Einsicht in die politischen Zustände und die in ihnen und in den Staatsmännern Frankreichs wirkende Logik. – Nach kurzer Zeit ging M. nach Berlin. Er wurde A. von Humboldt bekannt, der ihn 1835 auf eine Reise nach Rußland mitnahm, wo ihm M. in Petersburg und Moskau Doubletten für das Berliner Herbarium gewinnen sollte. – Nach seiner Rückkehr beschäftigte ihn Spilleke am Friedrich-Wilhelms-Gymnasium in Berlin. In diese Zeit fallen seine „Briefe an eine Dame über die Hegel’sche Philosophie“, die „Wissenschaft der Mathematik nach heuristisch-genetischer Methode“ und die „Methode der Mathematik als Lehrobjekt und als Wissenschaft“. Auch trug er sich schon damals mit dem Plane einer pädagogischen Zeitschrift. 1836 konnte er ihn schon mit Spilleke, Diesterweg und einem Rath aus dem Ministerium besprechen, der Oberpräsident aber versagte die Concession. 1837 nach Genf berufen als Professor der deutschen Sprache, hielt er seine Absicht fest und knüpfte Verbindungen mit künftigen Mitarbeitern an. Zu Statten kam ihm, daß die großartig angelegte Brzoskasche „Centralbibliothek“ nach einjährigem Bestehen durch Br.’s Tod ein Ende fand. Am 1. Juli 1840 erschien dann das erste Heft der „Pädagogischen Revue, Centralorgan für Pädagogik, Didaktik und Culturpolitik“ (Stuttgart, Cast). Das methodische Hauptwerk Mager’s, „Die genetische Methode des schulmäßigen Unterrichts in fremden Sprachen und Litteraturen“ (Zürich 1846) war in einer ersten Bearbeitung schon 1838 für Diesterweg’s „Wegweiser“ geschrieben und dies hätte M. hinreichend legitimirt, daß er als Herausgeber einer pädagogischen Zeitschrift etwas zu sagen habe und es fesselnd und lebendig zu sagen wisse. – Während des Aufenthaltes in Genf wollte Bournouf M. für Paris gewinnen. M. lehnte ab; er wollte dem Vaterlande dienen. Ein früherer Versuch, ihm eine philosophische Professur in Lausanne zu geben, war an dem Einspruch der theologischen Facultät gescheitert; auch die Professur der Rechtsphilosophie konnte der Unterrichtsrath beim Staatsrath für M. nicht durchsetzen. 1839 ging M. ohne ein Amt nach Stuttgart. Hier hat er verfaßt „Die deutsche Bürgerschule. Schreiben an einen Staatsmann“ (1840), ein Werk, welches einen Wendepunkt in der Geschichte der höheren Bürgerschule bezeichnet. In ihm tritt in voller Klarheit der Gedanke des „erziehenden Unterrichts“ hervor, den M. unablässig verfolgte, seit er aus der Hegel’schen Philosophie frei geworden und namentlich um der Ethik willen sich in Herbart vertieft hatte. Dem erziehenden Unterricht sollen namentlich auch Mager’s deutsche und französische Lesebücher dienen, sie sollen vielseitiges Interesse erwecken, Kenntnisse und Einsicht, dem Gemüth den [58] richtigen Inhalt geben und einen ansehnlichen Theil des Materials ins Bewußtsein bringen, aus dem sich ein richtiger Charakter aufbaut. – Während des Aufenthaltes in Stuttgart wurde M. vom Fürsten Günther Karl II. von Schwarzburg zum Educationsrath ernannt. – Um neue Anregung durch den praktischen Schuldienst zu gewinnen, nahm M. 1841 eine Professur an bei der Kantonsschule in Aarau, deren Rector damals Rauchenstein war. Er legte sie 1844 nieder, um in Zürich ganz seiner litterarischen Thätigkeit zu leben. In diese Zeit fallen hervorragende Arbeiten: die „genetische Methode“ in neuer Bearbeitung, die „Gedanken über Einrichtung eines Bürger- oder Realgymnasiums“, „der Staat als Schulherr“, über den „schulmäßigen Unterricht in den Naturwissenschaften“, die „streitende Schule“, Vorstudien und Vorarbeiten zu seiner „deutschen Scholastik“, von der leider doch nur ein Entwurf den Jahrgang 1878 der P. Revue ziert, wohl das Tiefste und Gediegenste, was M. gedacht und geschrieben hat. – Schon rückenmarkskrank unternahm 1847 M. eine Reise nach Norddeutschland, Schulen und Schulmänner kennen zu lernen. – Mager’s Arbeiten über Unterricht, Erziehung und Schulregiment sind alle gleich fesselnd; sie alle ruhen auf seinen Studien über eine „Gesellschaftswissenschaft“ und öffnen darum den Blick weit über die Enge der Schulstube hinaus. Andererseits aber führte M. in seinen culturpolitischen Arbeiten den Kampf gegen die Omnipotenz des Staates, gegen den Staat als Schulherrn, für das Recht der kirchlichen und bürgerlichen Gesellschaft und der Familie auf die Schule aus, weil er die öffentliche Schule durchaus nicht blos als Unterrichts- sondern als Erziehungsanstalt faßte. M. suchte auch in den großen Verhältnissen des staatlichen, kirchlichen und bürgerlichen Lebens die Bedingungen, unter welchen die Schule als Gehülfin der Familie, als Mandatar der bürgerlichen und kirchlichen Gesellschaft für die Erziehung, d. i. für die Bildung eines auf das Wahre, Gute und Heilige gerichteteten Charakters wirksam sein könne. Nicht ist er dabei näher eingegangen auf die secundäre, aber wichtige Frage, wie in den öffentlichen Schulen eine Vielheit von Erziehern, ein Lehrercollegium, doch einheitlich erziehend wirken könne. Das hat nach ihm Schubert[WS 1] gethan in den Jahrgängen der P. Revue seit 1849, nachdem M., dessen Muth und Hoffnung 1848 gebrochen waren, die Redaction des Journals in andere (meine) Hände gelegt hatte. – M. übernahm 1848 die Leitung des Realgymnasiums in Eisenach. Er hätte es lieber Bürgergymnasium genannt. Er wollte der Realschule das Wesen des Humanismus aneignen, aber im schulmäßigen Unterricht doch auch die Gattung des künftigen Berufes der Schüler im Auge haben. Das Verhältniß der ethischen und der natürlichen Unterrichtsgegenstände müsse sich freilich schon in der einzelnen Schule im Laufe von 6 Jahren ändern. Wie könne also überhaupt eine Schule im Unterricht einen Mittelpunkt, ein Princip haben? Das Uebergewicht müsse in allen Schulen auf der ethischen Seite liegen, darum aber dürfe doch auch das Gelehrtengymnasium nicht einseitige Philologenschule sein. – M. hat während seines Directorats in Eisenach sowohl im Stadtrath von Eisenach wie im Ministerium von Weimar großen Einfluß auf das Schulwesen der Stadt und des Landes gewonnen und konnte von seinem Wirken wohl befriedigt sein. Aber sein körperliches Leiden nahm überhand. Schon 1852 mußte er, ganz gelähmt, sein Amt niederlegen. Er ging 1854 nach Dresden, 1856 nach Wiesbaden, von Bädern Hülfe hoffend. Aber sie blieb ihm versagt. Am 10. Juni 1858 ist er in Wiesbaden gestorben.

Einen ausführlichen Nekrolog mit einem vielleicht nicht ganz vollständigen Verzeichniß von Mager’s Schriften enthält die Päd. Revue 1858. Er ist auch besonders gedruckt (Mager’s Leben. Von W. Langbein, Stettin, [59] v. d. Nahmer, 1859. 80 S.). Vgl. ferner Elze in Prutz’ Museum 1840, wieder abgedruckt in Elze’s Vermischten Blättern (Köthen 1875).


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Druckfehler, gemeint ist Scheibert, Karl Gottfried