ADB:Mayer, Johann Jacob

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Artikel „Mayer, Johann Jacob“ von l. u. in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 21 (1885), S. 118–119, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Mayer,_Johann_Jacob&oldid=- (Version vom 15. Juni 2019, 23:02 Uhr UTC)
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Mayer: Johann Jacob M., Theologe und Philologe, ward am 24. Mai 1769 zu Biberach geboren und starb am 8. März 1844 zu Ulm. Nachdem er in seiner Vaterstadt Conrector und seit dem Jahre 1795 Rector gewesen, ward er daselbst im Jahre 1797 evangelischer Stadtpfarrer; später kam er als Decan nach Ulm. Er gab im Jahre 1789 eine Uebersetzung der Rede des Isokrates an Demonikus heraus. Als Stadtpfarrer in Biberach hatte er einen hervorragenden Antheil an der Bearbeitung und Herausgabe des evangelischen Gesangbuchs für die Reichsstadt Biberach, das im J. 1802 unter dem Titel „Christliche Religionsgesänge u. s. f.“ erschien. Dieses Gesangbuch zeichnet sich durch consequente Durchführung des Standpunktes des flachsten Rationalismus aus. Die Lieder sollen, wie es in der ohne Frage von M. geschriebenen Vorrede heißt, „der Sprache und den erweiterten und gereinigten Religionsbegriffen des gegenwärtigen Zeitalters gemäß“ sein. Als ein Hauptvorzug eines Gesangbuchs galt die Vollständigkeit; für jede Lebenslage soll wo möglich ein Lied vorhanden sein. M. steuerte zu den 993 Liedern, unter denen nur 130 ältere und diese in gehöriger Ueberarbeitung erscheinen, 9 (oder 10) eigene Lieder bei. Höchst charakteristisch für dieses Gesangbuch ist die Behandlung des Liedes „Ein feste Burg ist unser Gott“. Man wollte es nicht fortlassen, konnte sich auch wohl nicht, obschon das anderwärts geschah, zu einer „zeitgemäßen Bearbeitung“ desselben entschließen, durfte es aber noch viel weniger, so wie es war, der aufgeklärten Gemeinde als ein noch singbares anbieten, deshalb wurde es mit einem Vorwort und Nachwort in Reimen versehen. Unter der Ueberschrift „Am Gedächtnißtage der Reformation und des westphälischen Friedens“ erscheinen unter Nr. 933 zuerst zwei Strophen, die nach der Melodie „Allein Gott in der Höh“ gesungen werden sollen: „Mit froher Rührung denken wir heut unsrer theuren Väter“, deren zweite mit den Worten endet: „ … sie sangen heldenmüthig:“ – und nun folgt durchweg in Anführungszeichen als Strophe 3 bis 6 bezeichnet das Lied „Ein feste Burg“, worauf dann noch [119] 2 Strophen nach der Melodie „Nun danket alle Gott“ zu singen kommen, deren erste (also die siebente des ganzen Liedes) anhebt: „So sangen sie, und weit erscholl die Kraft der Lieder; froh eilten viele nun zum Glauben ihrer Brüder. Der Aberglaub entfloh u. s. f.“ Das war denn freilich ebenso geschmackvoll wie erhebend! – M. hat außerdem ein „Andachtsbuch für Schwangere, Gebärende und Mütter aller Confessionen“ und einige katechetische Schriften herausgegeben, auch Predigten drucken lassen.

Richter, Biogr. Lexikon, 1804, S. 227. Rambach, Anthologie VI, S. 370 ff. Koch, Geschichte des Kirchenliedes u. s. f., 3. Aufl. VI, S. 245; hier wird als Mayer’s Todestag der 28. Aug. 1852 angegeben, doch vgl. Beilage zur Augsb. Allg. Zeitung Nr. 75 vom 15. März 1844, S. 598. Winer, Handbuch der theol. Literatur, 3. Aufl., II, Sp. 371 und 661; hier wird als Mayer’s Geburtstag der 22. Mai genannt.