ADB:Mayer, Joseph Gabriel

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Artikel „Mayer, Joseph Gabriel“ von Hyacinth Holland in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 21 (1885), S. 120–121, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Mayer,_Joseph_Gabriel&oldid=- (Version vom 27. Juni 2019, 11:00 Uhr UTC)
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Mayer: Joseph Gabriel M., Großindustrieller, Gründer der nach ihm benannten Kunstanstalt zu München, geb. am 18. März 1808 zu Gebrazhofen (damals zu Württemberg, nachmals zu Baiern gehörig)[1] als der Sohn einfacher Bürgers- und Bäckersleute, verrieth frühzeitig außergewöhnliche Anlage für Malen, Schnitzen, Zeichnen und Rechnen, kam nach verschiedenen mißglückten Versuchen, ihn bei einem benachbarten Bildhauer unterzubringen, endlich zu einem Schreiner, ging nach dreijähriger Lehrzeit auf die Wanderschaft und gelangte endlich über Frankfurt a. M. nach München (1829). Hier trat M. als Geselle in Condition, übte sich aber in den Freistunden im Architekturzeichnen und fand durch viele Aufträge zu technischen Entwürfen für Gewerbemeister etc. die Mittel, erst den Vorbereitungscurs an der polytechnischen Schule und bald darauf die Akademie der bildenden Künste besuchen zu können, wo er die Unterweisung von Schlotthauer, Zimmermann, Gärtner und Andern genoß. Um sich auf eigene Füße zu stellen, gründete M. 1836 eine bald vielbesuchte Vorbereitungsschule für junge, dem Kunstgewerbe zustrebende Männer, und gab eine darauf bezügliche von ihm auf Stein gezeichnete Reihe von Vorlegeblättern heraus. Als dann die von Hermann Kurz gegründete Anstalt für Erziehung und Unterricht krüppelhafter Knaben in die Hände des Staates überging, wurde M. 1844 als Vorstand berufen und bekleidete diese Stelle bis 1859 in tüchtigster Weise. M., welcher gemeinnütziges Wirken immer als sein Lebensideal betrachtete, schätzte sich glücklich, eine Thätigkeit gefunden zu haben, wo er für die arme, leidende Menschheit in wahrer charitativer Weise seine beste Kraft einsetzen konnte. Von dem Wunsche beseelt, den aus der Anstalt entlassenen Knaben eine Beschäftigung und Existenzmittel zu verschaffen, gerieth M. auf die Idee, durch Formendruck eine dem religiösen Culte dienende Plastik herzustellen, wozu er eine eigene Masse erfand, welche jedoch bald gegen den ungleich besseren Cement vertauscht wurde. Auch hiefür hatte der unermüdliche Schlotthauer die erste Anregung gegeben. Um gute Vorbilder zu erhalten, gewann M. den Beistand des schon vielgefeierten Holzbildhauers Jos. Knabl, welcher 1858 in die von M. gegründete „Anstalt für christliche Kunsterzeugnisse“ eintrat und mit seinen Modellen und Schülern zum kräftigen Aufschwunge dieser Firma beitrug, welche die Arbeit in der von M. projectirten Massa bald wieder aufgab und ebenso den Steinguß wie die Holzsculptur cultivirte. Besonderen Ruf erwarb die Anstalt durch die solide und geschmackvolle Fassung ihrer Statuen, darunter eine ganz originell wirkende Brokatdamast-Imitation. Nächst der Sculptur zog M., welcher seit 1859 die Vorstandschaft der „Anstalt für krüppelhafte Knaben“ ganz niedergelegt hatte, auch die Glasmalerei in sein Bereich [121] und erhielt bald Aufträge nach Frankreich, England, Spanien und Amerika. Schon im Jahre 1867 wurde die 10 000ste Kiste verpackt und ihre Absendung durch ein Arbeiterfest gefeiert. Die Anstalt, welche an dreihundert Personen beschäftigte, gründete 1865 zu London eine Filiale, erhielt auf den Weltausstellungen, insbesondere 1880 zu Melbourne und Sydney, vielfache Auszeichnungen. Für seine Arbeiter sorgte M. durch verschiedene Kranken- und Unterstützungskassen in einer wahrhaft väterlichen Weise. M., welcher immerdar derselbe einfache, wohlwollende und beinahe schüchterne Mann blieb, dessen unscheinbares Aeußere in nichts seine thatkräftige Energie verrieth, starb am 16. April 1883, die Fortsetzung seiner vielfach, insbesondere von Künstlern angefeindeten Anstalt seinen rührigen Söhnen hinterlassend.

Vgl. Beschreibung und Abbild. der Mayer’schen Kunstanstalt im „Deutsch. Hausschatz“, Regensb. 1876, S. 652 ff. Porträt und Biographie ebendas. 1883, S. 631 ff. A. Huhn, Rede am Grabe etc., München 1883.

[Zusätze und Berichtigungen][Bearbeiten]

  1. S. 120. Z. 18 v. o. l.: (1806–1810 zu Baiern gehörig, jetzt Würtembergisch.) [Bd. 24, S. 786]