ADB:Meyer, Friedrich Ludwig Wilhelm

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Meyer, Friedrich Ludwig Wilhelm“ von Joseph Kürschner in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 21 (1885), S. 573–574, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Meyer,_Friedrich_Ludwig_Wilhelm&oldid=- (Version vom 15. Dezember 2019, 10:32 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 21 (1885), S. 573–574 (Quelle).
Wikisource-logo.png Friedrich Ludwig Wilhelm Meyer bei Wikisource
Wikipedia-logo-v2.svg Friedrich Ludwig Wilhelm Meyer in der Wikipedia
GND-Nummer 100819443
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|21|573|574|Meyer, Friedrich Ludwig Wilhelm|Joseph Kürschner|ADB:Meyer, Friedrich Ludwig Wilhelm}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=100819443}}    

Meyer: Friedrich Ludwig Wilhelm M., Schriftsteller, geb. am 28. Januar 1759 zu Hamburg, starb am 1. September 1840 auf seinem Gute Bramstedt in Holstein. Von Meyer’s schriftstellerischen Leistungen hat sich nur seine Biographie Friedr. Lud. Schröder’s bis auf unsere Zeit in Ansehen erhalten, wol aber erscheint sein Name in der Geschichte seiner Zeit oft in Verbindung mit deren bedeutendsten und eigenartigsten Persönlichkeiten. Seine empfängliche Natur, sein feiner Geschmack, die Eigenart seines Wesens haben ihn mehr bekannt gemacht als sein schriftstellerisches Wirken, das auch in den besten Hervorbringungen in etwas den Dilettanten, wenn schon einen höchst begabten Dilettanten erkennen läßt. Wahrhaft Vollendetes zu schaffen war ihm versagt; das gilt von seinen Gedichten, obschon diese wegen ihres eigenartigen Gepräges Schillern „Achtung einflößten“ und dieser „treffliche Stücke“ darunter fand, wie von seinen ungemein zahlreichen Recensionen, die mehr das Urtheil eines geistvollen Mannes aus dem Leserkreis, als die begründete Kritik des Kenners zeigen, das gilt auch von seinen Uebersetzungen wie von seinem Roman „Fiormona“, in dem er Heinse’s Ardinghello nachahmt, ja selbst von seiner Schröder-Biographie, in der Manches schief und flüchtig, Vieles ohne jedes Gefühl für die biographische Form ist.

M. war der Sohn eines hannöverschen Postbeamten, besuchte das Johanneum in Hamburg und bezog nach des Vaters Tode 1776 die gelehrte Schule in Ihlefeld. Nachdem er auch noch ein Jahr lang Schüler des Hamburger Gymnasiums gewesen war, studirte er in Göttingen die Rechte. Die nächsten Jahre waren Anstrengungen gewidmet, zu einer gesicherten Stellung zu gelangen, wobei ihm manche getäuschte Hoffnung zu theil wurde. Schon in dieser Zeit knüpfte er viele Beziehungen mit litterarischen Persönlichkeiten an und betheiligte sich unter Anderem mitarbeitend an Bertram’s Theaterzeitung. 1783 erhielt M. den Posten eines Regierungsauditors in Stade, den er 1785 auf Veranlassung Heyne’s mit einer Bibliothekarstelle in Göttingen vertauschte, wo er nun bis zum Herbste 1788 blieb. In diesen Jahren unternahm er während seiner Ferien öfters Reisen durch Deutschland, die ihn mit vielen bedeutenden Geistern zusammenführten, namentlich auch mit denen des weimarischen Kreises. Im J. 1788 gab er seine Stelle auf und lebte die nächsten Jahre ausschließlich auf Reisen. Zunächst ging er nach England, wo er u. a. Edm. Burke’s Bekanntschaft machte und besonders dem Theater die regste Aufmerksamkeit widmete, dann nach Italien, von hier nach Frankreich. 1791 kehrte er nach Deutschland zurück und traf im September in Hamburg ein. Später lebte er längere Zeit in Berlin und betheiligte sich hier 1795 bis zum Juni 1797 an der Redaction der Monatsschrift „Berlinisches Archiv der Zeit und ihres Geschmacks“, dem in der 255. Xenie so übel mitgespielt wurde, obgleich Schiller noch im Jahre vorher M. die Correctur des Musenalmanachs angetragen hatte mit der Bemerkung, „in streitigen Fällen alsdann nach seinem Gefühl zu entscheiden“. Berlin war „nie der Ort nach Meyer’s Herzen gewesen“ und als sich sein Vermögen durch den Tod seines Bruders so vergrößerte, daß er den litterarischen Verhältnissen nicht mehr wie bisher Rechnung [574] tragen mußte, kaufte er 1797 das holsteinische Gut Bramstedt, sieben Meilen von Hamburg, ohne darum seine Reisen aufzugeben, die ihn in den letzten Jahren seines Lebens freilich nur noch auf Wochen nach Hamburg führten. Auch in Bramstedt unterhielt er einen regen Briefwechsel, war litterarisch thätig und schrieb dort seine schon erwähnte Biographie Schröder’s (1819, 2 Bde.), zu der er durch eine langjährige Freundschaft mit dem Künstler wie kein anderer befähigt war. Die in unserer Zeit mehrfach ausgesprochene Meinung: M. habe uns eine Selbstbiographie Schröder’s vorenthalten und in seinem Werke aufgehen lassen, ist noch nicht bis zur Evidenz erwiesen, hat aber Vieles für sich. Die meisten Arbeiten Meyer’s – poetische und kritische – sind in Zeitschriften und Almanachs zerstreut; von selbständigen Werken erschienen außer dem schon erwähnten Roman „Fiormona“ und Schröder’s Biographie Gedichte unter dem Titel: „Spiele des Witzes und der Phantasie“ (1793), Dramen: „Beiträge der vaterländischen Bühne gewidmet“ (1793) und „Schauspiele“ (1817) und verschiedene Uebersetzungen.

Vgl. (Elisabeth Campe,) Zur Erinnerung an F. L. W. Meyer, den Biographen Schröder’s. Lebensskizze nebst Briefen von Bürger, Forster, Göckingk, Gotter, Herder, Heyne, Schröder u. A., 1847; auch Waitz, Caroline, 1871, Bd. I.