ADB:Mittermaier, Ludwig

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Artikel „Mittermaier, Ludwig“ von Hyacinth Holland in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 22 (1885), S. 33–34, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Mittermaier,_Ludwig&oldid=- (Version vom 24. Januar 2020, 05:36 Uhr UTC)
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Mittermaier: Ludwig M., Glasmaler und Schriftsteller, geb. 24. Jan. 1827 zu Lauingen, als der Sohn eines Decorationsmalers, genoß den gewöhnlichen Volksschulunterricht bis zu seinem zwölften Jahre, war dann sieben Monate Zögling an der durch Prof. Joh. Geyer vortrefflich geleiteten Kunstschule in Augsburg, welche er jedoch in Folge des plötzlichen Todes seines Vaters augenblicklich verlassen mußte, um als Anstreich- und Zimmermaler sich, seine Mutter und Schwester zu ernähren. Im nächsten Sommer rettete er mit eigner Lebensgefahr einen in die Donau gestürzten Kameraden, zog sich aber durch den im erhitzten Zustand gewagten Sprung ein Nervenfieber zu, welches mit völliger Taubheit endete. Hierdurch beinahe ganz von der Außenwelt abgeschlossen warf er sich mit aller Kraft und Ausdauer, ohne alle Anleitung, auf das Studium der Geschichte, der Alterthumskunde und insbesondere der Chemie. In der Zeit von 1847–1858 verfaßte er viele hübsche Erzählungen für die reifere Jugend, welche insgesammt meist mehrere Auflager erhielten und sammelte aus alten Büchern, Urkunden und Denkmälern das verdienstliche „Sagenbuch der Städte Gundelfingen, Lauingen, Höchstädt und Burgau“ (1849 und 1851). Den schönsten und lohnendsten Beruf aber fand M. in der Glasmalerei, in welcher Kunst er die Technik (ohne mit den Leistungen der Münchener Kunstanstalt in Berührung zu treten) so eigentlich für sich neu erfinden mußte. Hierauf concentrirten sich endlich alle seine physischen und geistigen Kräfte, denn er begann darin ganz allein, Alles aus sich selbst und auf sich beschränkt schaffend – ein echter Autodidakt; bereitete selbst alle Farben und Flüße, construirte seinen Brennofen, dachte Tag und Nacht über Verbesserungen nach allen Seiten, erfand neue Pigmente, besonders ein schönes Tiefblau und Abstufungen der Fleischtöne u. s. w. und arbeitete so unermüdlich weiter. Um Geld zu größeren Proben zu erwerben, fertigte M. erst kleine Bildchen, zeichnete selbst die Cartons, malte allein und brannte die Farben ein, gab bei der Zusammenstellung und Bleifassung dem [34] Glaser Anleitung und spaltete das Holz für den Ofen selbst. In erstaunlicher Weise behalf er sich mit seinem spärlichen Verdienste, bis er durch edle Menschenfreunde, die sein Talent und Streben zu würdigen verstanden, unterstützt und empfohlen wurde. Von da kam Mittermaier’s Atelier in immer höhere Blüthe. Unglaublich ist die Zahl seiner kleineren Arbeiten; die größeren Werke, welche in den Zeitraum von 1854–1864 fallen, vertheilen sich räumlich wie folgt: in Baiern 60, Württemberg 46, Rheinprovinz und Sigmaringen 5, Baden 5, Oesterreich 5, Amerika 2; die Hauptwerke Mittermaier’s sind in Schwäbisch-Gmünd, Weiler und Ravensburg. Bei dem am 22. Februar 1864 erfolgten Ableben Mittermaier’s übernahm sein Schwager Bernhard Mittermaier die weitere Leitung dieser Anstalt, welche ihren erprobten Ruf nicht nur bewährte, sondern stetig, besonders in Amerika, erweiterte. M. ist ein Beleg dafür, was ein energischer Mensch, allen Widerwärtigkeiten trotzend aus eigner Kraft zu werden und zu leisten vermag.

Vgl. Carl Andreä im „Christlichen Kunstblatt“ vom 1. Sept. 1864. Das Verzeichniß seiner Leistungen im Bereiche der Kunst gibt Bautenbacher im 34. Jahresbericht des historischen Vereins von Augsburg 1864, S. 51 bis 65; die Titel seiner Jugendschriften verzeichnet Kehreins Lexicon 1868 I., S. 266. Vgl. außerdem Lud. Lang: „Hausbuch“ München VIII. Bd., S. 132 ff. Bernhard Mayer: Gesch. von Lauingen, 1866, S. 314 ff. und Seubert 1878 II, 583.