ADB:Murer, Heinrich (Landschaftsmaler)

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Artikel „Murer, Heinrich“ von Carl Brun in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 23 (1886), S. 60–61, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Murer,_Heinrich_(Landschaftsmaler)&oldid=- (Version vom 14. Dezember 2019, 07:47 Uhr UTC)
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Murer: Heinrich M. (Maurer), Landschaftsmaler und Radirer, geb. zu Bülach am 3. Sept. 1774, † den 7. Nov. 1822 in Zürich. Er stammt aus dem Künstlergeschlechte gleichen Namens, aus welchem Josias und Christoph Murer hervorgingen. Sein Vater war Capitel-Diaconus und starb 1794; seine Mutter, eine Elisabeth Berger, sowie seine Geschwister, verlor der Knabe früh. Eine Tante ersetzte ihm die Mutter, und ihr fühlte er sich deshalb bis an sein Ende zu großem Dank verpflichtet. Den ersten Unterricht empfing Murer von dem Vicar des Pfarrherrn in Bülach, allein viel scheint er bei demselben nicht gelernt zu haben. Es trieb ihn in die freie Natur hinaus, noch ehe er daran dachte, Maler zu werden. Vom Vater zum Geistlichen bestimmt, wurde er auf [61] zwei Jahre nach Zürich geschickt, in das Haus des Johann Rudolf Murer, eines hochverdienten Schulmanns, der bleibenden Einfluß auf seine Geistes- und Herzensbildung ausübte. Fünfzehn Jahre alt, entschloß sich der Jüngling zum Künstlerberuf und kam zu Johann Caspar Huber in die Lehre. Im März 1796 sodann begab er sich mit Heinrich Wertmüller auf die Wanderschaft. Die Freunde wandten sich über Augsburg nach München, wo der Galerieinspector von Dillis ihnen mit Rath und That beistand. Von München ging es über Regensburg, Bayreuth und Leipzig Mitte April nach Dresden, woselbst Murer im Umgang mit einem Schüler Klengel’s, Namens Wehle, im steten Verkehr mit der Natur und den Werken Ruisdael’s zum Meister heranreifte. Die Akademie besuchte Murer nicht, Figurenzeichnen war nie seine Sache; das Wenige, was er hierin leistete, verdankte er seinem Landsmann Gränicher. Anderthalb Jahre weilte Murer in Dresden, fleißig Ausflüge machend in die Umgebung, z. B. nach Seifersdorf, Pillnitz, Königstein und Freiberg. Im Herbst 1797 kehrte er in die Schweiz zurück. Hier traten die politischen Unruhen seiner weitern Ausbildung zunächst hemmend in den Weg; erst nach dem Friedensschluß konnte er wieder ungestört nach der Natur zeichnen und füllten sich seine Mappen. M. blieb von jetzt an im Vaterlande, beseelt von ernstem Streben und emsig Studien sammelnd. Er machte stete Fortschritte, vervollkommnete sich besonders, Dank der Anleitung Salomon Landolt’s, noch in der harmonischen Behandlung der Lüfte und Fernen. Aus seinem weitern Leben seien die Jahre 1798, 1809 und 1811 hervorgehoben. 1798 verheirathete sich der Künstler, 1809 und 1811 sah er sich, Gesundheitshalber genöthigt, einen längern Aufenhalt in Leuk zu machen. Er starb an der Wassersucht; seine Studien hinterließ er, gut geordnet, der Familie.

Eine reiche Auswahl von Arbeiten Murer’s, sowohl Zeichnungen als Radirungen – er malte übrigens auch in Oel – besitzt das Künstlergut in Zürich. Die Zeichnungen, Ansichten aus Sachsen („Im Garten zu Machern unweit Leipzig“, „An der Weiseritz bei Dresden“), componirte Landschaften (z. B. Illustrationen zu einem Gedichte aus Stilling’s „Heimweh“) und Ansichten aus der Schweiz („Beim Burghölzli“, „Gegend in der Enge“, „Die Treppe am Hirschengraben zur Meßzeit“, „Bei der Grube unweit Goldau“, „Ansicht von Leuk“, „Im Lauterbrunnenthal“, „Am Eingang der Via Mala“, „Beim Kapuzinerkloster in der Nähe von Näfels“, „Realp“, „Kapelle beim Kindlimord“, „In Aarmühle“, „Ansicht von Göschenen“, „Schollenberg unweit Berg am Rhein“) sind zum Theil in Sepia, in Aquarell, mit der Feder, zum Theil in Gouache- und Tuschmanier ausgeführt. Die Radirungen und seine zum Coloriren bestimmten Stiche in Umrissen sind sehr zahlreich. Erwähnt seien: „Im großen Garten zu Dresden“, „Salburg“, „In der Umgebung von Halle“, „Position der Andermattischen Truppen bei der ersten Beschießung der Stadt Zürich“, „Das Schlößchen Susenberg auf dem Zürichberg mit Bezug auf die Belagerungsgeschichte der Stadt“, „Unspunnen im Berner Oberland“, „Säckingen am Rhein“, „Bauernhaus in Zollikon“, „Goltzweil bei Interlaken“, „Auf der Anhöhe von Sachseln“, „Am Lowertzersee“, „Bauernhaus bei Unterseen“, „Die Sägemühle bei Lauterbach“, „Auf dem Wege zur Panthenbrücke“, „Baden“, „Diesbach bei Dornhaus im Lintthal“. Nach M. gestochen haben Hegi und J. Heinrich Meyer; von Ersterem sei Bad Leuk genannt, von Letzterem eine Ansicht des ehemaligen Goldau, als Vignette dem Büchlein von Carl Zay: „Goldau und seine Gegend“ beigegeben. Das Originalgemälde entstand 14 Monate vor dem berühmten Bergsturz und zeigt uns Murer’s Talent, den landschaftlichen Motiven die malerischsten Seiten abzugewinnen, in hellem Lichte.

S. Neujahrsbl. d. Zürcher Künstlergesellschaft 1824.