ADB:Nitsch, Georg

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Artikel „Nitsch, Georg“ von Albert Schumann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 23 (1886), S. 706–707, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Nitsch,_Georg&oldid=- (Version vom 26. April 2019, 08:43 Uhr UTC)
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Nitsch: Georg N., evangelischer Theolog, geb. den 12. März 1663 zu Altstrelitz im Mecklenburgischen, † den 20. November 1729 zu Gotha, stammte von einfachen, unbemittelten Eltern, die ihn aber wegen seiner glücklichen Begabung und frühzeitigen Neigung zu predigen gleichwohl für die geistliche Laufbahn bestimmten. Im 12. Altersjahre verlor er plötzlich den Vater. Bevor dieser, ein Handelsmann und Uhrmacher, auf einer Reise zur Leipziger Messe unterwegs gestorben war, hatte er noch seine Frau in dem wegen des Sohnes gefaßten Entschlusse bestärken lassen, so daß also N. nach der Altstrelitzer Schule auch noch diejenigen zu Prenzlau, Stralsund und Brandenburg besuchte, aber seinen Unterhalt durch Singen in der Currende und durch Stundengeben verdienen mußte. Gleich kümmerlich schlug er sich sieben Jahre lang auf den Hochschulen Wittenberg, Leipzig und Jena durch. 1692 siedelte er nach Wolfenbüttel über und erhielt dort durch den Herzog Anton Ulrich eine Hofcollaboratur und 1693 das Pfarramt an der gotteslagerschen Kirche daselbst. Mehrere Jahre predigte er in einem engen Raume über dem Kaiserthore, bis 1700 eine neue Kirche für seine Gemeinde erbaut wurde. Es behagte ihm in dieser Stellung so wohl, daß er 1706 einen Ruf nach Hannover und 1708 einen zweiten nach Halberstadt ohne Bedenken ausschlug; dagegen nahm er im folgenden Jahre nach längerem Schwanken die Berufung als Generalsuperintendent und Consistorialassessor in Gotha an, wo der bisherige Inhaber, Heinr. Fergen, am 11. November 1708 gestorben war. Fast genau ein Jahr später (10. November) hielt er dort seine Antrittspredigt und blieb diesem Amte bis zu seinem Tode getreu, obwohl verschiedene Berufungen von auswärts an ihn ergingen. Verheirathet war er viermal. Von seiner zweiten Gattin, einer Tochter des Liederdichters Gottfr. Sacer, überlebten ihn fünf Töchter. – N. war ein Mann von gründlichen Kenntnissen und milder Gesinnung, wobei ihn die letztere jedoch nicht hinderte, auch den Mächtigen die Wahrheit zu sagen. So rügte er z. B., als Herzog Anton Ulrich 1705 seine Enkelin Elisabeth Christine zum Zwecke der Vermählung mit dem Erzherzoge, späteren Kaiser Karl (VI.) in der katholischen Lehre unterweisen ließ, diesen Abfall vom ererbten Glauben öffentlich vor seiner Gemeinde in Wolfenbüttel. Zu seinen Predigten fanden sich zahlreiche Hörer ein, da er gemüthlich anzuregen wußte und bei Gedankenreichthum und glücklicher Wahl des Ausdruckes nicht die ausgetretenen Predigerpfade zu wandeln pflegte. Seine schriftstellerische Thätigkeit bewegte sich vorzugsweise auf dem Gebiete der Erbauungslitteratur. Abgesehen von einzelnen Predigten und Sendschreiben hat er folgende umfänglichere Bücher herausgegeben: „Alterna Dei, Gottes Eins um’s Andere“ (1695; neue Aufl. 1720), ein ausführlicher Tractat über Psm. 71, 20; „Theologische Sendschreiben“ (3 Bdchn., 1698 ff.), ungefähr 100 bald längere, bald kürzere Abhandlungen in Form von Episteln, die auch heute noch lesbar sind und darum auch zu unserer Zeit in einer Auswahl einen Neudruck erlebt haben (s. u.); „Axiomata sacra“ (1709; neue Aufl. 1722); „Beantwortung der Frage, ob die Schrift Gott selber sey“ (1714); „Ausführliche Antwort auf das Schediasma, so J. A. Knoblach gegen seine Schrift: Ob die Schrift Gott selber sey, herausgegeben“ (1715); „Mysta in Palpito simplex, d. i. Theologische Dissertation von der Einfalt, welche ein Prediger auf der Kanzel gebrauchen soll“ (1716); „Das Ausgehen der Gläubigen“ (3 Thle., 1720–1732), eine Sammlung von Leichenreden, und „Praxis mortificationis carnis“ (1725).

Fortgesetzte Sammlung von Alten und Neuen Theologischen Sachen. Auf das Jahr 1729. Leipzig. S. 1037 f. u. 1217–1220. – J. H. Stuß, Programma in funere Nitschii. Gothae 1729. – Joh. Aug. Ernesti, Lob-Rede auf … Georg Nitsch, … am 25. Winter-Monaths 1730 gehalten. Leipz. 1731. Mit dem Bildnisse von N. – Zedler, Univ. Lex. Bd. 24 Sp. 1031. – [707] Jöcher u. Rotermund zu Jöcher (wie bei Zedler, so auch hier die unrichtige Namensform Nitsche). – Uebung in der Heiligung. Theologische Sendschreiben von Georg Nitsch. In neuer Bearbeitung von W. F. Besser. Mit N.’s Leben von Chrn. Oberhey. 4. Aufl. Halle 1863. (1. Aufl. 1841.) S. 5–16.