ADB:Nunning, Jodokus Hermann

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Artikel „Nunning, Jodokus Hermann“ von Johann August Ritter von Eisenhart in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 24 (1887), S. 55–56, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Nunning,_Jodokus_Hermann&oldid=- (Version vom 21. Juli 2019, 00:54 Uhr UTC)
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Nunning: Dr. Jodokus Hermann N., kurfürstlich kölnischer Kirchenrath, Scholaster und Senior in Vreden; als älterer Sohn des Heinrich N., Gaugrafen zu Bentheim und Schüttorp am 2. Februar 1675 in letzterem Städtchen geboren, hörte er die Philosophie in Münster, ging dann auf die hohe Schule in Helmstedt und setzte nach mehr als zweijährigem Aufenthalte dortselbst in Prag unter Turba das Rechtsstudium fort. Beseelt von dem Verlangen nach Erweiterung seiner Kenntnisse unternahm er, wie damals üblich, vor Eintritt in die Praxis eine längere Reise. Er besuchte Ober- und Mittelitalien, einschließlich Rom, dann Südfrankreich, erlangte auf der Rechtsschule zu Orleans (wo die deutsche Nation eine mit mannigfachen Privilegien versehene Burse hatte) den Grad eines Doctors beider Rechte, machte hierauf einen Ausflug in die Bretagne, hielt sich während des folgenden Sommers in Paris auf, besichtigte die an Kunstschätzen reichen Städte der vereinigten Niederlande und kehrte über Aachen und Köln nach fünfjähriger Abwesenheit in die Heimath zurück. Nach kurzer Rast verließ er sie jedoch wieder, reiste nach Wien, mit guten Empfehlungen versehen nach Berlin, wo sich der Bruder des Bischofs von Münster, Freiherr v. Plettenberg als bischöflicher Gesandter befand, und von da zum Besuche juristischer und geschichtlicher Vorträge nach Frankfurt a. O. – Ums Jahr 1704 abermals in die Vaterstadt zurückgekehrt, schlug er das ihm dort angebotene Richteramt aus, weil er fest beschlossen hatte, den geistlichen Stand zu erwählen, und wurde 1706 Scholaster, zuletzt Senior am Stifte zu Vreden an der Berkel im Münster’schen, in welches 1713 auch sein jüngerer Bruder, Heinrich Ignaz, aufgenommen wurde, der 1753 als Stiftsconsenior mit Tod abging. Hier beschäftigte sich unser Gelehrter mit geschichtlichen und topographischen Studien, namentlich über das Münsterland und Karl den Großen, ordnete einige Archive, darunter das von Borken, wofür ihm der Kurfürst von Köln den Titel eines Kirchenraths 1743 verlieh und verfaßte einige Werke, von denen erwähnenswerth: „Sepulcretum Westphalico-Mimigardico gentile etc.“ (von der Todtenverbrennung bei den Alten), 1713, 2. Aufl. 1714, 4°, eine Arbeit, die in Nr. 2 (Juni 1714) des Pariser, dann in Nr. 7 (October 1718) des Amsterdamer Journal Savant, in Nr. 6 (Juni 1713) der Mémoires de Trevoux, in Keyßler’s antiquitates (S. 35–40) und anderwärts sehr günstige Besprechung fand. Ferner schrieb er: „Diplomatis Caroli Magni de scholis Graecis et Latinis vindicata veritas“, 1720, 4°; „Monumentorum Monasteriensium decuria prima: loca dioeceseos (Buchstabe A u. B)“, 1747, 4°. Irriger Weise wurden ihm auch einige Dissertationen des Juristen Ad. Meinder, Tractate Cohausen’s und ein paar theologische Bücher zugeschrieben. Dagegen fertigte er als Früchte seiner Studien zahlreiche Abhandlungen über das Münsterland, welche er in den letzten Lebensjahren Strodtmann zur Ueberarbeitung und Drucklegung behändigte.

[56] Gegen Ende 1752 legte N., mittlerweile Stiftssenior geworden, sein Canonicat nieder; den Rest seiner Tage verbrachte er auf seinem Landgute Wieckinghof theils mit Führung einer ausgebreiteten Gelehrtencorrespondenz, theils mit Ordnung seines werthvollen Münzcabinets und starb dort hochbetagt am 31. Mai 1753, wenige Tage vorher von der deutschen Gesellschaft in Bremen zum Ehrenmitglied ernannt.

J. Chr. Strodtmann, Gelehrtes Europa, Thl. 3, S. 764–784 u. 866 woselbst S. 775–78 ein ausführl. Verzeichn. der N.’schen Manuscripte.