ADB:Olpe

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Artikel „Olpe“ von Karl Steiff in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 24 (1887), S. 314–316, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Olpe&oldid=- (Version vom 23. Juli 2019, 18:08 Uhr UTC)
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Olpe: ein Name, der in der ältesten Buchdruckergeschichte eine Rolle spielt. Von den zwei Trägern desselben, welche hierbei in Betracht kommen, ist der eine für uns freilich fast ganz in Dunkel gehüllt.

Es ist Peter v. O. in Köln. Wir kennen nur vier Drucke, welche seinen Namen tragen, aus den Jahren 1470, 1476 und 1477 (s. Hain, Repert. bibliogr. 4246, 4657, 5700, 12371). Es liegt nahe anzunehmen, daß er mindestens auch in den zwischenliegenden Jahren als Drucker thätig gewesen und somit noch manches andere Werk aus seiner Presse hervorgegangen ist, das man als Erzeugniß derselben nur eben noch nicht erkannt hat. Wenn sich dieser Meister auf einem der genannten Drucke (Hain a. a. O. 4657) Petrus in altis de Olpe nennt, so trifft die schon von Denis aufgestellte Vermuthung wohl das Richtige, wornach derselbe Bergmann geheißen und eine Beziehung zwischen ihm und dem zweiten der obenerwähnten Olpe bestanden hätte.

Dieser nämlich, Johann v. O. in Basel, heißt mit seinem vollen Namen, den er ebenso oft oder noch öfter gebraucht, Joh. Bergman (selten: Bergmann) v. O. Auch er stammte, was in Betreff des Kölner Druckers unzweifelhaft ist, wohl von dem Städtchen Olpe in Westfalen; schon seine mehrmaligen Reisen an den Niederrhein machen dies wahrscheinlich. Daß er von da in das ferne Basel gekommen und dort ansäßig geworden ist, hängt vielleicht damit zusammen, daß er in Basel einen Landsmann, wohl auch Verwandten hatte; wenigstens ist ein Eberhardus de Olpe als presbyter et cappelanus in ecclesia Basileensi 1460 bei der Stiftung der Basler Universität in deren Matrikel eingetragen worden. Er selbst kommt in letzterer nicht vor, jedenfalls nicht mit seinem gewöhnlichen Namen. Da er aber in dem an Wymmarus de Erkelens gerichteten Widmungsschreiben zu des Seb. Brant Varia carmina von 1498 sagt, daß er mit ersterem, der in Basel 1472 inscribirt wurde, „a primis adolescentiae vnguiculis communibus apud Basileorum gymnasium … literis“ unterrichtet worden sei, und da nun 1471 ebendort ein Johannes thome de Olpe dyoc. Colonien. immatriculirt wurde, so möchten wir es für wahrscheinlich halten, daß wir in letzterem unsern O. vor uns haben. Derselbe hätte sich dann eben, was in jener Zeit gar nichts Auffallendes hat, bei seiner Inscription statt nach der Familie nach dem Vater (dessen Vornamen) bezeichnet. Später, in den neunziger Jahren, erscheint er als archidiaconus Granvallensis d. h. als Mitglied des Chorherrnstifts in Granfelden (an der Birs im Kanton Bern); er lebte aber doch auch als solcher in Basel, wie aus der Datirung seiner Briefe hervorgeht. Dieser Kleriker ist es nun, dessen Name ganz wie der des Druckers auf Basler Druckerzeugnissen in [315] den Jahren 1492 bis 1499 vorkommt – nicht erst 1494, aber auch nicht mehr 1500. Denn um von der Ausgabe des „Ritters von Turn“ von 1493 abzusehen, die neben Michael Furter’s als des Buchdruckers Namen auch noch Devise und Chiffern Joh. Bergman’s trägt, gibt es, was bisher nicht bekannt gewesen, je einen datirten Druck aus den Jahren 1492 und 1493, in welchen beiden ganz so wie in denen der folgenden Jahre nur Bergman’s Name und Wahlspruch vorkommt. Wir meinen Seb. Brant’s Gedicht „Von dem donnerstein gefallen vor Ensishein“ (Einblattdruck, in Tübingen) und den Ortulus Rosarum de valle lacrimarum (Brunet, Man. du libr. 5. éd. IV, col. 245). Auf der anderen Seite fallen die fraglichen Drucke auch nicht später als 1499. Denn wenn Weller, Repert. typogr. 259 den undatirten Olpe’schen Druck von Geiler’s Trostspiegel ins J. 1503 setzt, so geschieht dies sicher mit Unrecht; und wenn die Ausgabe von Brant’s Narrenschiff von 1506 noch Olpe’s Namen und Signet trägt, so geht aus Zarncke’s genauer Beschreibung derselben (a. unten a. O. S. LXXX und CII) hervor, daß sie aus einer andern, ohne Zweifel Nic. Lamparter’s Presse hervorgegangen und O. nur Verleger derselben gewesen ist. Dagegen sind nun aber die Drucke der Jahre 1492–1499, welche Olpe’s Namen tragen, auch wirklich von ihm gedruckt worden. Es ist falsch, wenn man schon annehmen wollte, er habe die betreffenden Werke nur eben zum Druck befördert, wie es auch irrig wäre, in ihm nur den Verleger derselben zu sehen. Die Ausdrücke, welche er in den Schlußschriften vieler dieser Drucke gebraucht, weisen zu bestimmt auf den Besitz einer eigenen Druckerwerkstätte hin. Nur darüber könnte man etwa streiten, ob er selbst noch die Kunst gelernt und Hand angelegt hat oder nicht. In keinem Fall aber hat er um des Gewinnes willen wie andere sich der Buchdruckerkunst zugewandt, vielmehr geschah es – und das macht ihn besonders bemerkenswerth – lediglich in der Absicht, die Wissenschaft, speciell die humanistischen Bestrebungen zu fördern. Diesen Eindruck gewinnt man aus den in seinen Drucken vorkommenden, an ihn gerichteten Briefen und Gedichten der Humanisten, wie aus der Art und der Ausstattung der von ihm gedruckten Schriften, welch letztere sicher nicht ohne bedeutende finanzielle Opfer seinerseits zu erreichen war. Es ist Zarncke, der zuerst a. u. a. O. S. XLIII hierauf hingewiesen hat; nur verkündigt derselbe allzu begeistert Olpe’s Lob und es ist namentlich zu viel gesagt, wenn er behauptet, daß dessen Drucke, was die Eleganz der Ausstattung betrifft, im ganzen 15. Jahrhundert innerhalb Deutschlands weitaus ihres gleichen nicht finden, und daß dieselben sämmtlich Prachtwerke zu nennen seien. Das Hauptwerk, welches aus Olpe’s Presse hervorgegangen, ist Seb. Brant’s Narrenschiff, das in der editio princeps 1494 bei ihm erschien und im deutschen Urtexte noch zweimal, in Locher’s lateinischer Uebersetzung, welche ebenfalls zuerst bei ihm 1497 herauskam, viermal von ihm gedruckt wurde, immer mit reicher Holzschnittverzierung. Brant ist ohnedies unter den von O. herausgegebenen Autoren weitaus am häufigsten vertreten und es liegt sogar die Vermuthung nahe, daß er nicht ohne Einfluß auf die Errichtung dieser Presse gewesen ist. Ein Verzeichniß der Olpe’schen Drucke findet man bei Stockmeyer und Reber a. u. a. O. S. 129–132. Doch ist dasselbe lange nicht vollständig. Wir können, ohne damit auf Vollständigkeit Anspruch zu machen, zu den 20 dort aufgeführten Drucken außer den zwei oben erwähnten von 1492 und 1493 10 weitere hinzufügen aus Hain a. a. O. 3761, 3762, 10164, 16172; Ch. Schmidt a. u. a. O. II, S. 342 (Nr. 103 und sub Nr. 105), 347 (Nr. 110), 349 (Nr. 112) und Harrisse, Chphe Colomb II, 1884, p. 22 sqq. Vermuthlich sind auch die Drucke Hain 3759 und 3760 aus seiner Presse hervorgegangen. Endlich gibt es zwei (undatirte) Ausgaben des Liber vagatorum, welche Olpe’s Devise tragen, freilich in abweichender [316] Schreibart, vgl. Hain 3016 und Serapeum XXIII, 1862, S. 114 Nr. 6. Sein Druckerwappen kommt in verschiedener Gestalt vor; die wesentlichen Bestandtheile sind ein Schild, auf welchem eine Lilie über einem Berge (?) abgebildet ist, und über und unter dem Schild je ein Spruchband, das obere mit dem Wahlspruch: „nüt on vrsach“ (bei lateinischen Texten: „nihil sine causa“) nebst einer Jahreszahl, das untere mit des Druckers Namen. Statt des Wappens setzt er am Schluß seiner Drucke oft nur die genannte Devise mit den Chiffern „J. B.“, „J. O.“ oder „Olpe“. – Was aus dem Manne nach der Aufgabe seiner Druckerthätigkeit geworden ist, darüber fehlt es an sicheren Nachrichten. Nach des Joh. Wurstisen Analecta ad historiam Basil. pertinentia (Ms. in Basel) wäre er 1514 Decan an der St. Johannscapelle beim Münster in Basel gewesen; andererseits kommt in demselben Jahre (schon am 20. Febr.) ein Joh. Bergman v. O. als Vicar des Altars des heil. Petrus und Paulus zu St. Thomas in Straßburg vor, der vom dortigen Bischof die Erlaubniß erhält, mit Hermann Pistoris v. O., Frühmesser der Pfarrkirche zu Kinzheim (bei Schlettstadt) zu tauschen. Ob nun mit letzterem unser O. identisch ist, der dann vielleicht seinem Freunde Brant nach Straßburg nachgezogen wäre, oder ob Wurstisen Recht hat, dies festzustellen ist uns nicht gelungen. Doch war er – s. des Beatus Rhenanus Briefwechsel, hg. von Horawitz u. Hartfelder, 1886, S. 55 – jedenfalls 1513 noch in Basel.

Vgl. I. Stockmeyer und B. Reber, Beiträge zur Basler Buchdruckergeschichte 1840, S. 78, 128–133. – Basler Taschenbuch 1863, S. 254. – Seb. Brant’s Narrenschiff, herausg. von Fr. Zarncke 1854, S. XLII ff., LXXX, XCIX ff. – Ch. Schmidt, Histoire littéraire de l’Alsace II, 1879, Register. – Handschriftliche Notizen im Exemplar der Universitätsbibliothek Basel von Stockmeyer und Reber’s Beiträgen.