ADB:Opitz, Heinrich

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Artikel „Opitz, Heinrich“ von Carsten Erich Carstens in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 24 (1887), S. 368–369, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Opitz,_Heinrich&oldid=- (Version vom 13. August 2020, 15:23 Uhr UTC)
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Opitz: Heinrich O. (Opitius), gelehrter Theologe, war geboren in Altenburg am 14. Februar 1642, Sohn eines Seidenhändlers. Als Knabe zeigte er schon eine gesangreiche Stimme und musikalisches Talent und ward, kaum 13 Jahre alt, in die Hofcapelle des Herzogs aufgenommen, der ihm nachher auch eine jährliche Unterstützung während seiner Studienjahre bewilligte. Im J. 1662 bezog er die Universität Wittenberg, später ging er nach Jena und erwarb hier 1665 die Magisterwürde. Er war hier vorzugsweise Schüler des J. Musäus. u Nach einigem Aufenthalt in Leipzig und Hamburg, wo er unter Edzardi sich besonders mit den orientalischen Sprachen beschäftigt hatte, ging er 1667 nach Kiel, um diese Studien unter Wasmuth, der in dieser Beziehung Ruf genoß, fortzusetzen und habilitirte sich hier als Privatdocent. Indeß 1670 wurde er in den Stand gesetzt zur Erweiterung seiner orientalischen Kenntnisse eine Reise nach Holland und England antreten zu können. Er benutzte die Bibliotheken in Leyden und Utrecht und machte Bekanntschaft mit namhaften Philologen, Voetius, Gronovius, Graevius, Leusden etc. In London benutzte er gleichfalls die königliche Bibliothek und schloß Freundschaft mit dem Orientalisten Edmund Castellus und M. Polus, dann hielt er sich eine Zeit lang in Oxford auf, excerpirte hier orientalische Handschriften, namentlich der Bodlejanischen Bibliothek und verkehrte mit dem Orientalisten E. Podock. Nach Kiel zurückgekehrt, arbeitete er sein Buch aus: „Atrium linguae sanctae“, Hamb. 1671, das noch 1769 in [369] 13. Auflage von Degenkolb bearbeitet erschienen ist. Da es ihm jedoch nicht gelang hier Anstellung zu finden, ging er nach Jena, wo er Adjunct der philosophischen Facultät ward. 1675 ward er nach Kiel zurückberufen als Professor der griechischen Sprache, 1678 ward ihm eine Professur der morgenländischen Sprachen übertragen, 1689 ward er Professor der Theologie an Wasmuth’s Stelle und zugleich Dr. theol. 1695 rückte er in die zweite Stelle der theologischen Facultät und 1704 ward er zum Oberconsistorialrath ernannt. Er starb am 24. Februar 1712. Unter seinen Schriften sind besonders hervorzuheben sein „Novum lexicon Hebraeo-Chaldaeo-biblicum“, Lips. 1692, 3. Aufl. 1714, und seine „Biblia Hebraica“, Jena 1709, 2. Aufl. 1712. An diesem Werk hat er 30 Jahre mit großer Sorgfalt gearbeitet. Er corrigirte selbst jeden Druckbogen sechsmal. Die Kritik äußerte bei der Erscheinung desselben, es übertreffe „an accuration alle bisherigen editiones“, getadelt wurde freilich zugleich, daß er nach dem Wasmuth’schen System mit den Vocalpunkten und Accenten Aenderungen vorgenommen. Für seine Zeit war es eine litterarische Erscheinung von Bedeutung.

Vgl.: Zum Felde, Analecta, Lüb. 1719, S. 231. – Molleri Cimbria litt. II, 601. – O. Thieß, Gelehrtengeschichte d. Univ. Kiel, 1801, S. 92. – Döring, Die gelehrten Theologen Deutschlands, Neustadt 1833, Bd. III, 145. – Carstens, Geschichte d. theol. Facultät zu Kiel, 1875, S. 15.

Paul Friedrich O., Sohn des Vorgenannten, geb. in Kiel am 26. März 1684, besuchte die Gelehrtenschule seiner Vaterstadt und darauf deren Universität von 1700 an. Auch er widmete sich mit besonderem Interesse dem Studium der orientalischen Sprachen. Er setzte seine Studien fort in Jena und Leipzig, wo er 1712 Magister ward. Endlich 1721 ward er prof. ord. der griechischen und morgenländischen Sprachen in Kiel, 1727 rückte er in die theologische Facultät ein. Er war ein gelehrter Mann, aber wegen großer Kränklichkeit hat er weder für Universität noch Wissenschaft viel leisten können. Seine Schriften sind nur Gelegenheitsschriften. Er starb am October 1745.

Vgl.: Molleri Cimbria litt. I, 471. – Thieß I, 278. – Döring, Gelehrte Theologen III, 154. – Carstens, Gesch. d. theol. Facultät zu Kiel, 1875, S. 22.