ADB:Plavius, Johannes

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Artikel „Plavius, Johannes“ von Max von Waldberg in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 26 (1888), S. 268–269, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Plavius,_Johannes&oldid=- (Version vom 16. Juni 2019, 03:17 Uhr UTC)
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Plavius: Johannes P., auch Plauen genannt, ein Dichter aus der ersten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts, über dessen Lebenslauf keine Nachrichten zu erlangen sind. Allem Anschein nach stammt er aus Danzig, jedenfalls hat dort einen großen Theil der Zeit seines poetischen Schaffens – soweit es durch seine „Trauer- und Treugedichte“, Danzig 1636, bekannt ist – zugebracht. Viele seiner Gelegenheitsgedichte, sowie die einzelnen Abtheilungen seiner Gedichtsammlung sind Danziger Einwohnern gewidmet. P. ist im siebzehnten Jahrhundert oft citirt worden und scheint ein gelesener Autor gewesen zu sein. Harsdörfer nennt ihn in den Gesprächsspielen mehrere male und druckt daselbst in der neuen Ausgabe ein Gedicht desselben, allerdings verändert, ab. A. Tscherning führt ihn öfter im „Unvorgreiflichen Bedencken über etliche Mißbräuche in der deutschen Schreib- und Sprach-Kunst“, Lübeck 1659 (S. 55, 81, 515) an. Seine bei verschiedenen Gelegenheiten bekundete Vorliebe für Diminutiva im Versschluß als bequemes Reimmittel haben ihn unverdient zu einer komischen Figur nach Art des Jacob Vogel in den Poetiken aus der zweiten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts gemacht. Von Sacers „Erinnerungen wegen der Teutschen Poeterey“, (Alten Stettin 1661 S. 16 f.) bis zu Neumeisters Specimen und Rottmanns Lustigen Poeten (1718) werden die Reime Röselein und Wängelein verspottet. Dabei ist aber P. gerade in Bezug auf technische Fertigkeit im Reimen, Mannigfaltigkeit der Formen und geschickte Handhabung derselben ausgezeichnet. Am schwächsten sind die geistlichen Sonette, von denen er hundert gedichtet hat. Sie sind mehr belehrenden als erbauenden Inhalts. Sie behandeln meistens einen als Aufschrift vorangestellten Spruch aus der christlichen Sittenlehre. Im Ausdruck und ihrer Wirkung auf den Leser bleiben sie weit hinter den auch formell bedeutenderen Sonn- und Feiertagssonetten des Gryphius zurück. Die hier und in seiner Gedichtsammlung eingestreuten lateinischen Verse sind ohne Bedeutung, verrathen aber wie die deutschen eine reichere Belesenheit in der älteren Litteratur, als [269] viele der zeitgenössischen Dichtungen, die meistens aus zweiten Quellen schöpfen. Seine weltlichen Lieder enthalten jenen Ausdruck heiterer Lebensauffassung, der das Gesellschaftslied jener Zeit auszeichnet. In leicht fließender Rede wird der heitere Lebensgenuß gepredigt. Reminiscenzen an Opitz sind nicht zu verkennen, sie finden sich aber nicht so häufig, daß sie P. als einen geistlosen Nachtreter Opitzischer Art stempeln würden. Er hat sich vielmehr seine eigenartige Individualität gewahrt, die ihm auf einen Platz in der Geschichte der weltlichen Lyrik des siebzehnten Jahrhunderts volles Anrecht verleiht.