ADB:Poiret, Peter

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Artikel „Poiret, Peter“ von Paul Tschackert in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 26 (1888), S. 375, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Poiret,_Peter&oldid=- (Version vom 16. September 2019, 15:11 Uhr UTC)
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Poiret: Peter P., geb. 1646 zu Metz, ist seiner Nation nach Franzose, hat aber seit 1664 in Basel, dann in Hanau (1667), Heidelberg (1668), wo er 1669 zum Predigtamt geweiht ward, in Otterberg, Frankenberg, Mannheim und zu Anweiler in Pfalz-Zweibrücken (1672) gelebt und gewirkt. Durch seine Schriften hat er auf deutsche Mystiker, wie Gottfried Arnold und Gerhard Tersteegen eingewirkt. Seiner Denkweise nach war er extremster mystischer Individualist, so daß er sein (reformirt-kirchliches) Pfarramt zu Anweiler aufgab, sich nach Holland begab und dort bis zu seinem Tode fast als Einsiedler lebte. Er starb 1719 zu Rheinsburg unweit Leyden. Da nach seiner Ansicht der göttliche Geist sich unmittelbar in dem Herzen des einzelnen Frommen offenbart, so daß die Offenbarung eine fortgehende ist, ignorirte er gelegentlich den Wortlaut der Bibel und folgte neuen Offenbarungen, am liebsten denen, die angeblich eine fromme mystische Jungfrau Anna Bourignon hatte. Dieser schwärmerischen Person folgte er, bis sie starb. Nach ihrem Tode gab er auch ihre zahlreichen Werke heraus. Sein Hauptwerk ist „L’économie divine“ (Originalausgabe französisch, Amsterdam 1687, 7 Bde, 8°, später auch lateinisch erschienen), ein wissenschaftlich consequentes System seiner individualistisch-mystischen Theologie. Sie zeigt P. als einen hochbedeutenden Denker, der vor keiner Folgerung zurückschreckt. Stelle man sich Schleiermacher’s Glaubenslehre in lateinischer Uebersetzung vor, dann hat man etwa einen Maßstab, um zu beurtheilen, wie schwierig Poiret’s Oeconomia divina zu verstehen ist. Das nächstwichtigste Werk aus der Feder dieses Sonderlings dürfte sein: „Les principes solides de la religion et de la vie chrétienne, appliqués à l’éducation des enfants.“ Amsterdam 1705, 12° (auch lateinisch). Die meisten seiner Schriften sind in mehreren Sprachen, lateinisch, französisch, holländisch und deutsch erschienen. Er selbst aber war eine gänzlich isolirt stehende Persönlichkeit, die wieder nur auf einzelne mystische Sonderlinge gewirkt hat.