ADB:Rößler, Robert

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Artikel „Rößler, Robert“ von Franz Brümmer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 29 (1889), S. 266–267, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:R%C3%B6%C3%9Fler,_Robert&oldid=- (Version vom 21. September 2020, 01:06 Uhr UTC)
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Rößler: Robert R., schlesischer Dialektdichter, wurde am 1. März 1838 im Dorfe Großburg bei Strehlen als das Kind schlichter Landleute geboren. Drei Jahre später kaufte sein Vater die Scholtisei in Gleinitz, Kreis Nimptsch, und hier verlebte der Knabe seine Jugendzeit. Hier am Fuße sagengekrönter Berge, in der goldenen Aue Schlesiens, erblühte ihm auch als Jüngling die Wunderblume der Poesie, welche ihm jene goldenen Schätze erschloß, die er als Mann mit vollen Händen unter die jubelnde Menge streute. Die günstigen Fortschritte, welche der geweckte Knabe in der Dorfschule machte, bestimmten den Vater, ihn Ostern 1851 zu weiterer Ausbildung das Magdalenen-Gymnasium zu Breslau besuchen zu lassen. R. absolvirte diese Anstalt in acht Jahren und widmete sich dann auf der Universität derselben Stadt philologischen und historischen Studien, welche 1861 durch Ableistung seiner Militärpflicht und 1864 durch den Feldzug in Schleswig-Holstein unterbrochen wurden. Obwohl diese Zwischenfälle zur Vermehrung seiner philologischen Kenntnisse wenig geeignet waren, so erwarb er doch schon 1865 die philosophische Doctorwürde und legte im August desselben Jahres sein Staatsexamen ab, worauf er eine Stelle als Hülfslehter an der Realschule zu Landeshut in Schlesien übernahm. In die Zeit seines Breslauer Aufenthalts fallen auch seine ersten litterarischen Versuche. Durch Holtei, dessen Bekanntschaft R. 1861 machte, war er ermuntert worden, mit seinen Gedichten in schlesischer Mundart nicht zurückzuhalten, und so wurden dieselben in den verschiedensten Blättern veröffentlicht. Auch bot ihm ein am 3. Juli 1865 veranstaltetes Kriegerfest Anlaß zu einem Festspiel „Der Tag von Lundby“, welches neben dem Lustspiel „Die geliebte Dornrose“ von Gryphius das einzige Theaterstück in schlesischem Dialekte ist. Diese kleinen Erfolge ermuthigten den Dichter, der nach seiner Heimkehr aus dem Feldzuge 1866 im Herbst desselben Jahres als Gymnasiallehrer nach Ratibor berufen worden war, eine Sammlung seiner Gedichte herauszugeben; sie erschien unter dem Titel „Aus Krieg und Frieden“ (1867). Die Beurtheilung, welche dieselben erfuhren, war günstiger als der Absatz. Die Schuld lag nicht an dem jungen Autor, sondern an der Pietät, welche der Verleger und das Publicum dem damals noch lebenden und schaffenden Altmeister schlesischen Dialekts Karl von Holtei zollten. Eine zweite, vermehrte Auflage dieser Gedichte erschien 1883. Im J. 1870 wurde R. zum Rector der neu zu gründenden höheren Bürgerschule in Striegau gewählt, seine Lehrthätigkeit indessen durch den Krieg gegen [267] Frankreich unterbrochen, der ihn als Officier des 22. Landwehrregiments zu den Fahnen rief und, nach kürzerem Waffendienst in Glatz, Hannover und Wilhelmshaven, zuletzt längere Zeit als Platzmajor nach der französischen Feste Amiens führte, aus welcher er, mit dem eisernen Kreuze decorirt, im Frühjahr 1871 zu seinem friedlichen Beruf nach Striegau zurückkehrte. Trotz seiner vielseitigen Beschäftigung als Historiker, Schuldirector, Stadtverordneter und Kreistagsmitglied fühlte sich R. nicht nur zu kleineren Dialektdichtungen angeregt, welche mit Beiträgen anderer Autoren (Ritter, Mantell, Woldau) unter dem Titel „Aus der Güntherstadt“ (1873) zum Besten eines Stipendiums herausgegeben wurden, sondern er eroberte auch durch seine Humoresken in schlesischer Prosa der heimathlichen Dichtkunst ein neues Gebiet. Nachdem er mit der ersten schlesischen Dorfgeschichte „Dore“ (1876) debütirt, errang er sich durch seine „Schnoken“ (1877) einen entschiedenen Erfolg. In rascher Folge und in wiederholten Auflagen erschienen dann „Närr’sche Kerle“ (1878), „Schläs’sche Durfgeschichten“ (1879) und „Durf- und Stoadtleute“ (1880). Eine nochmalige Ortsveränderung, die infolge seiner Ernennung zum Director des Realgymnasiums in Sprottau Ostern 1880 eintrat, übte auf die Fruchtbarkeit seiner Muse keinen störenden Einfluß aus. Der Dichter war mit schlesischem Land und Dorf so eng verwachsen und vertraut, daß er sich an jedem schlesischen Orte bald heimisch fühlte. Und so ließ er denn von Sprottau aus noch eine zweite Sammlung schlesischer Gedichte „Wie der Schnoabel gewaxen“ (1881), ferner „Gemittliche Geschichten“ (1882) und eine längere hochdeutsche Erzählung „Mein erster Patient“ (1883) ausgehen. Dann nahm ihm der Tod plötzlich die Feder aus der Hand: er starb am 20. Mai 1883 an einem Gehirnschlage. Auf dem Friedhofe zu Ratibor hat er seine letzte Ruhestätte gefunden. – R. war kein hervorragender Dichter. Der Urquell seiner Poesie entsprang nur jener innigen Liebe zur Heimath, zum engeren Vaterlande, die sich an Ueberlieferungen, an Kindheitseindrücke, Erlebnisse, Menschen, Leiden und Freuden knüpft, die den Kern eingeborener Treue und fester Anhänglichkeit bildet. Wenn auch von ihm anerkennenswerthe Proben hochdeutscher Dichtung und Erzählungskunst vorliegen, so läßt sich aus denselben doch nicht mit Sicherheit schließen, ob er in diesem Genre später die Gewandtheit erreicht haben würde, welche er sich in der Dialektdichtung bereits errungen hatte. Und hier ist es besonders das Gebiet der Prosa, auf dem seine Bedeutung liegt. Wie Holtei die Poesie im schlesischen Dialekt eingeführt hat, so gebührt R. das Verdienst, der Dichtung in schlesischer Prosa die Wege eröffnet zu haben. Seine aus dem Leben herausgegriffenen Stoffe treten uns in meisterhafter Darstellung entgegen und veranschaulichen die echt schlesische Denk- und Handlungsweise in ihrer ganzen Eigenart und Kraft.

Beiträge zur Gedenkfeier für Dr. Robert Rößler, veranstaltet vom Verein „Breslauer Dichterschule“ am 28. Mai 1883 (Fliegendes Blatt). – Sonntagsblatt der Preußischen Lehrerzeitung, Jahrg. 1883, S. 475. – Mittheilungen aus der Familie.