ADB:Röder, Georg Vincent

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Artikel „Röder, Georg Vincent“ von Robert Eitner in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 29 (1889), S. 17–18, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:R%C3%B6der,_Georg_Vincent&oldid=- (Version vom 7. Dezember 2019, 23:06 Uhr UTC)
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Röder: Georg Vincent R., ein seiner Zeit beliebter Componist, geboren um 1780 zu Rammungen in Niederfranken, † am 30. December 1848 in Altötting in Baiern (pfarramtl. Sterbematrikel in Altötting). Schon als Knabe zeigte er so bedeutende musikalische Anlagen, daß er unter der Leitung seines Vaters außergewöhnliche Fortschritte machte, nicht nur auf dem Pianoforte, sondern auf jedem andern Instrumente, dessen er habhaft werden konnte. Im dreizehnten Jahre schickte ihn sein Vater auf das Gymnasium zu Münnerstadt, wo er sehr bald den Organisten in seinem Amte vertrat. Auch in dem dortigen Augustinerkloster erregte er unter den Mönchen Interesse und man bemühte sich, ihn an das Kloster zu fesseln. Doch sein Streben ging weiter. Nach Vollendung seiner Gymnasialstudien ging er auf die Universität in Würzburg, um die Rechte zu studiren. Auch hier erregte er durch seine virtuosen Leistungen auf Orgel und Clavier Aufsehen, und Paul Kurzinger, der zu der Zeit sich in Würzburg, seiner Vaterstadt, aufhielt, nahm sich seiner mit lebhaftem Antheil an und führte ihn in die Geheimnisse der Musiktheorie ein. Bald war R. in Würzburg eine beliebte und als Lehrer gesuchte Persönlichkeit, so daß das juristische Studium sehr in den Hintergrund gedrängt wurde. Als nun 1805 der Großherzog Ferdinand von Toscana, Bruder Kaisers Franz I., als Kurfürst von Würzburg gewählt wurde und daselbst eine Capelle einrichtete, sagte R. dem Rechtsstudium ganz ab und trat als Musiker in die neugegründete Capelle ein, zu deren [18] Director ihn der Kurfürst bald darauf ernannte. Die reichhaltige Bibliothek, welche der Kurfürst aus Italien mitbrachte, gab ihm Gelegenheit die italienischen Componisten zu studiren und sich an ihren Werken zu bilden, und hier waren es besonders ihre Kirchenwerke, die ihn zur Nachbildung anspornten und seine spätere Thätigkeit als Kirchencomponist bestimmten. Im J. 1814 fiel Würzburg an Baiern und die Capelle wurde aufgelöst. Mit einer kleinen Pension lebte er eine Zeitlang noch in Würzburg, hauptsächlich mit Compositionen von geistlichen Werken beschäftigt, die im katholischen Süddeutschland sich großer Beliebtheit erfreuten. Gegen 1830 wandte er sich nach Augsburg, scheint aber dort keine öffentliche Stellung bekleidet zu haben, denn ein Bericht in der Allgemeinen musikalischen Zeitung, Leipzig 1831, Sp. 343, sagt: „R., ein Mitglied der Würzburger Capelle, lebt jetzt als Privatmann in Augsburg“, wo man am 24. März sein Oratorium „Messiade“ aufführte. Erst im August 1839 (nach Kornmüller’s Lexikon schon 1837) berief ihn der König von Baiern als Director der königlichen Capelle nach München. Wie lange er diese Stellung bekleidete, ist nicht bekannt. Im J. 1843 erwähnt ihn noch als Münchner Capellmeister die obige Musikzeitung, doch von da ab verschwindet er selbst aus dieser Zeitschrift und die Musiklexika lassen ihn noch bis 1860 und 1861 in München als Capellmeister wirken, während er nach einer pfarramtlichen Privatmittheilung aus Altötting als Capellmeister daselbst 1848 starb. Doch wann er diese Stellung antrat, ist nicht bekannt, nur so viel ist sicher, daß dies erst nach 1843 geschehen sein kann. Röder’s Werke sind heute so verschollen, daß es schwer hält, eines derselben überhaupt aufzutreiben. In einem Verlagskatalog von Falter in München finde ich in den Jahren 1844–1847 zwei Vesperpsalmen als opus 44 und 45 angezeigt, gesetzt für 4 Singstimmen (Solo und Chor), 2 Violinen, Viola, Violoncell, Contrabaß, obligate Orgel, Hörner, Trompeten und Pauken. Die übrigen von ihm angezeigten Werke früherer Jahre bestehen aus Messen, Te Deum, Motetten, fünf Sinfonien und einigen größeren Werken, über welche obige Leipziger Musikzeitung berichtet. Besonderer Gunst erfreute sich sein Oratorium „Messiade“, welches 1831 in Augsburg die erste Aufführung erlebte und dann seinen Weg über Süddeutschland nahm. Arien und Recitative wurden ihrer opernartigen Behandlung wegen getadelt, während die Chöre, die eine kunstvolle, contrapunktische Arbeit zeigen, allgemeine Bewunderung erregen. 1839 erschien eine große Cantate „Cäcilia, oder die Feier der Tonkunst“, die in München zur Aufführung gelangte, doch vom Referenten „trotz zahlreicher Schönheiten“ als ungünstig im Gesammteindruck bezeichnet wird. Eine Sinfonie, ebendort 1839 aufgeführt, zeigt eine tüchtige contrapunktische Arbeit „in etwas veraltetem Stile“. 1843 wurde in Prag sogar eine Oper von ihm aufgeführt, betitelt: „Die Schweden in Prag“. Obige Zeitschrift bezeichnet den Eindruck als keinen günstigen, da der Stil zwischen Oper und Oratorium schwanke. Einzelne Arien, ein Quartett und zwei Volkslieder bezeichnet der Referent als von großer Schönheit und die Instrumentirung als meisterhaft aber sehr lärmend. R. veröffentlichte auch im Museum für die elegante Welt in München Bruchstücke einer Aesthetik der Tonkunst, in denen er Haydn’s Tonmalerei in der Schöpfung scharf tadelte.