ADB:Reden, Friedrich Freiherr von

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Artikel „Reden, Friedrich Wilhelm Otto Ludwig Freiherr von“ von Karl Wippermann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 27 (1888), S. 513–515, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Reden,_Friedrich_Freiherr_von&oldid=- (Version vom 26. Juni 2019, 10:38 Uhr UTC)
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Reden: Friedrich Wilhelm Otto Ludwig Freiherr v. R., Statistiker, Sohn des königlich hannoverschen Oberstlieutenants a. D. Klaus Friedrich Wilhelm Karl v. R., Erbherrn auf Hameln, Esbeck und Bennigsen (geb. am 7. November 1774, † am 6. Juni 1840 in Hameln) und der Freiin Philippine Auguste Amalie v. Knigge (geboren 1775, † 1841), einzigen Tochter des 1796 verstorbenen Schriftstellers Freiherrn v. Knigge (s. A. D. B. XVI, 288), wurde am 11. Februar 1804 auf dem Familiengute Wendlinghausen in Lippe-Detmold geboren. Er besuchte die Schule in Detmold, dann bis Michaelis [514] 1820 das Gymnasium in Lemgo, studirte bis 1823 in Göttingen die Rechte, promovirte dort auf Grund einer Abhandlung „De pertinentiis castri germanici“ und studirte hierauf noch ein Jahr Cameral- und diplomatische Wissenschaften. Nach der Staatsprüfung trat er im Herbst 1824 in den hannoverschen Staatsdienst als Auditor und Assessor bei den Aemtern Hameln, Westen-Thedinghausen und Hannover. Er zeichnete sich durch Fleiß, Ordnungsliebe, sowie ein besonderes Verwaltungstalent aus und bekundete eine Vorliebe für die Beschäftigung mit der Verbesserung des Zustandes der bedürftigen Volksklassen. 1832 zum Vertreter der Hoya’schen Provinziallandschaft in die erste Kammer der hannoverschen allgemeinen Ständeversammlung gewählt, nahm er, besonders als Mitglied fast aller Commissionen, an der gesetzgeberischen Thätigkeit regsten Antheil, redigirte auch die öffentlichen Mittheilungen über die Verhandlungen dieser Kammer. 1833 beantragte er hier Anknüpfung von Unterhandlungen mit Preußen wegen Anschlusses an den Zollverein. 1834 begründete er mit Anderen den Gewerbeverein für das Königreich Hannover, dessen Generalsecretär er 6 Jahre war, und welcher einen günstigen Einfluß auf die gewerbliche Thätigkeit des Landes übte. Mit Rücksicht auf seine Wirksamkeit in diesem Verein unternahm er mehrere Jahre ausgedehnte Reisen. Als 1837 König Ernst August von Hannover die Verfassung von 1833 aufhob, sprach R. als stellvertretender Generalsecretär der ersten Kammer seine Mißbilligung dieses Actes aus. Hierdurch zog er sich die Abneigung der Regierung in solchem Grade zu, daß ihm fernere Aussichten im Staatsdienste verschlossen erschienen. Die daher erbetene Entlassung aus demselben wurde unter dem Vorgeben eventueller Verbindlichkeit für den angeblichen Kassendefect eines Kirchenrechnungsführers, welcher 8 Jahre früher unter Reden’s amtlicher Oberaufsicht gestanden, verzögert und erst nach mehreren Jahren ertheilt. Anträge Reden’s, den Weg Rechtens gegen ihn zu betreten, waren erfolglos geblieben. Er widmete sich nunmehr vorzugsweise schriftstellerischer Wirksamkeit und erwarb sich einen Ruf als Statistiker durch seine Berichte über die Gewerbeausstellungen für das Königreich Hannover 1835 und 1837, sowie durch die Schriften „Der Getreide- und Mehlhandel Deutschlands“ (Hannover 1838) und „Der Leinwand- und Garnhandel Norddeutschlands“ (Hannover 1839). Im März 1841 erhielt er die Stelle eines verwaltenden Specialdirectors der Berlin-Stettiner Eisenbahngesellschaft und hatte als solcher bis 1843 die Mitleitung von Bau und Betrieb dieser Bahn. Seine schriftstellerische Thätigkeit sowie persönliches Wohlwollen A. v. Humboldt’s verschafften ihm sodann vom preußischen Unterrichtsministerium die Offerte einer ordentlichen Universitätsprofessur für Staatswissenschaften; er zog jedoch eine Stellung im preußischen Ministerium des Aeußern vor, wo er keiner Abtheilung zugewiesen, sondern zur unmittelbaren Verwendung des Ministers, vorzugsweise für industrielle und Handelsangelegenheiten, gestellt wurde. Infolge solcher Aufträge hatte er die Mitleitung der deutschen Gewerbeausstellung in Berlin 1844 und ward er 1845 zur Gewerbeausstellung nach Wien gesandt. Ueber diese und „ihr Verhältniß zur Industrie des deutschen Zollvereins und die gegenseitigen Handelsbeziehungen“ veröffentlichte er eine Denkschrift (Berlin 1846). Hervorzuheben ist auch seine „Kulturstatistik des Kaiserreichs Rußland“ (Berlin 1843), ferner seine „Allgemeine vergleichende Handels- und Gewerbe-Geographie und Statistik“ (Berlin 1844), „Deutsches Eisenbahn- und Dampfschiff-Buch“ (Berlin 1845), „Eisenbahn–Jahrbuch“ (2 Jahrg. Berlin 1846–47), „Vergleichende Kulturstatistik der Großmächte Europas“ (Berlin 1846), sodann „Die Eisenbahnen Frankreichs“ (Berlin 1846) und „Die Eisenbahnen Deutschlands, geschichtlich-statistische Darstellung“ (11 Lfgn., Berlin 1843–47). Infolge seines Aufrufs vom März 1846 entstand der „Verein für deutsche Statistik“, dessen Zeitschrift er leitete. Neue Aufträge des Ministers [515] führten R. nach Ungarn. Als er am 3. Mai 1848 in Berlin zum Wahlmann für die Wahlen zur deutschen Nationalversammlung gewählt war, sprach A. v. Humboldt „dem freisinnigen, geistesunabhängigen Freunde“, unter Anerkennung seiner wissenschaftlichen Leistungen, die Hoffnung aus, daß er Mitglied jenes Parlaments werden möge. Dieselbe wurde erfüllt durch Reden’s Wahl im 10. hannoverschen, dem Harzbezirke. In Frankfurt a. M. hielt er sich im Club des württemberger Hofes, dann im Westendhallclub zum linken Centrum und zeichnete sich als arbeitsames Mitglied der Ausschüsse für Volkswirthschaft, für Arbeiter-, Gewerbs- und Handelsverhältnisse, für Volksbewaffnung und Landesvertheidigung, für Marinesachen und für Legitimationsfragen aus. Im ersteren Ausschusse lieferte er ausführliche Arbeiten, namentlich eine „Vergleichende Zusammenstellung der Grenzeingangsabgaben in Oesterreich, dem Zollverein, dem norddeutschen Steuerverein und dem Herzogthum Schleswig-Holstein“, ferner über „Die heimische und fremde Zollgesetzgebung“ und über „Die Ergebnisse des Handels, die Schiffahrt- und die Gewerbe-Gesetzgebungen Deutschlands“. Als Vertreter von Duderstadt auch in die 2. Kammer der am 1. Februar 1849 zusammengetretenen hannoverschen Landesversammlung gewählt, suchte er hier für Anerkennung der Reichsgesetze zu wirken; legte aber, nachdem wegen des Uebertritts in preußische Dienste seine Wahlfähigkeit in Zweifel gezogen war, das Mandat nieder und kehrte nach Frankfurt zurück. Hier trat er in den Verhandlungen des Parlaments vorzugsweise auf, nachdem der König von Preußen die Kaiserwürde abgelehnt hatte. Ging auch sein Antrag vom 4. Mai 1849 wegen Beeidigung aller Civil- und Militärbeamten auf die Reichsverfassung nicht durch, so wurde doch auf seinen Antrag am 10. Mai die Aufforderung an die Centralgewalt, Preußens „schwerem Bruche des Reichsfriedens“ in Sachsen entgegenzutreten, ferner am 12. Mai die Aufforderung, zum Schutze der Reichsverfassung Commissare nach Franken zu senden, und am 19. Mai die Aufforderung an die verfassungstreuen Regierungen, Maßregeln zur Durchführung der Reichsverfassung zu treffen, beschlossen. Wegen dieser Haltung wurde R. in Berlin als Regierungsrath auf Wartegeld gesetzt. Er lebte seitdem in Frankfurt a. M., dann in Wien, mit statistischen Arbeiten beschäftigt und veröffentlichte noch eine „Allgemeine vergleichende Finanzstatistik“ (4 Bde. Darmstadt 1851–56), ferner Werke über „Die Staaten des Stromgebietes des La Plata“ (Darmstadt 1852), über „Frankreichs Staatshaushalt und Wehrkraft unter den letzten vier Regierungsformen“ (Darmstadt 1853), sodann eine „Erwerbs- und Verkehrstatistik des Königreichs Preußen“ (3 Bde. Darmstadt 1853–54), endlich „Deutschland und das übrige Europa. Handbuch der Boden-, Bevölkerungs-, Erwerbs- und Verkehrs-Statistik, des Staatshaushalts und der Streitmacht“ (Wiesbaden 1854). Dieses Werk bezeichnete er in der Vorrede als sein letztes, weil seine Arbeiten einen seine alleinigen Mittel übersteigenden Kostenaufwand erforderten. R. starb in Wien am 12. December 1857.

Biogr. Umrisse d. d. const. Nat.-Vers. zu Frankfurt. Heft 3 u. 4 (Frankfurt a. M. 1849). – Brustbilder a. d. Paulskirche (Leipzig 1849). – Biedermann, Erinn. a. d. Paulskirche (Leipzig 1849). – Haym, D. d. Nat.-Vers. III. – Laube, D. d. Parl. III. – A. Allg. Ztg. 1857, Nr. 349 u. 356.