ADB:Reden, Friedrich Wilhelm Graf von

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Artikel „Reden, Friedrich Wilhelm Graf von“ von Colmar Grünhagen in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 27 (1888), S. 510–513, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Reden,_Friedrich_Wilhelm_Graf_von&oldid=- (Version vom 15. Juni 2019, 20:23 Uhr UTC)
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Reden: Friedrich Wilhelm Graf v. R., preußischer Minister, ward geboren am 23. März 1752 zu Hameln. Unter der Leitung seines Oheims, der die zum Kurfürstenthum Hannover gehörenden Bergwerke des Oberharzes als Berghauptmann verwaltete, entwickelte sich bei ihm ein früh gewecktes Interesse für den Hütten- und Bergwerksbetrieb, dem er dann durch Studien auf der Universität zu Göttingen eine wissenschaftliche Grundlage zu schaffen wußte. Höchst bedeutungsvoll wurden für ihn Reisen, die ihn nicht nur die hauptsächlichsten deutschen Berg- und Hüttenwerke kennen lernen ließen, sondern auch die von England und Schottland, welche letzteren beiden damals einen besonderen Aufschwung nahmen dadurch, daß man lernte die Steinkohle für die Roh- und Schmiedeeisenerzeugung und vornehmlich zur Speisung der in diesem Interesse zu verwendenden Dampfkräfte zu benutzen. Die Ueberzeugung, daß, wo reiche Steinkohlenschätze ein billiges Brennmaterial lieferten, die wesentlichste Grundlage für eine bedeutende industrielle Entwicklung geboten sei, brachte R. von diesen Reisen mit und fand nun auch bald ein geeignetes Feld der Wirksamkeit für diese Ideen und zwar im preußischen Staatsdienste. Der Minister von Heinitz hat das Verdienst, den vielversprechenden Jüngling an sich gezogen zu haben. Schon 1778 erhält derselbe durch eine Cabinetsordre Friedrich’s des Großen die Ernennung zum Oberbergrath in dem Ministerium, zugleich mit der Hofcharge eines Kammerherrn und ein Jahr später die neugeschaffene Stelle eines Directors bei dem Oberbergamte, welches damals von Reichenstein nach Breslau verlegt wurde. In dieser Stellung nun hat R., nachdem es ihm einmal gelungen war, von dem in Geldbewilligungen bekanntlich ziemlich kargen Könige die erforderlichen Mittel zu erlangen, wahrhaft Großes geleistet und den Staatskassen für die gewährten Aufwendungen reichen Ersatz verschafft. Vor Allem war er unermüdlich dafür thätig, die Einführung der Steinkohlenfeuerung auf dem ganzen Gebiete der Privatindustrie durchzusetzen, wobei er denn zuweilen die Umänderung der Feuerungsanlagen aus Staatsmitteln gewährte oder wenigstens Rathschläge dazu und Zeichnungen darbot, manchmal sogar Prämien aus der Bergbeihülfskasse zahlte, dabei auch die Abfuhrwege für die Kohlen verbesserte. Er erzielte auf diesem Wege segensreiche Wirkungen nach den verschiedensten Seiten hin, er verschaffte der Industrie ein billigeres Feuerungsmaterial, welches dann wiederum die Anlage von Dampfmaschinen erleichterte, steigerte mit dem Absatz der Kohlen den Ertrag der Bergwerke und wirkte gleichzeitig der zunehmenden Entwaldung des Landes entgegen. Als R. sein Amt antrat, besaß Oberschlesien noch nicht einmal eine besondere Bergbezirksbehörde (Bergdeputation, wie es damals hieß); denn der Steinkohlenbergbau dieses Landestheils war ganz unbedeutend, und die beiden unter Friedrich dem Großen hier gegründeten übrigens nicht besonders ertragreichen Hüttenwerke zu Malapane und Kreuzburger Hütte resortirten direct von der Domänenverwaltung. Indem jetzt R. auch diese letzteren in seine Verwaltung mit übernahm, erkannte er zugleich mit schnellem Blick die ungemeine Bedeutung der hier noch ruhenden mineralischen Schätze. Bereits 1781 erklärt er dem Minister Heinitz, er getraue sich zu behaupten, daß die Eisenerze Oberschlesiens sämmtliche in den königlich preußischen Landen gelegenen Werke auf eine unabsehbare Reihe von Jahren mit den erforderlichen Schmelzmaterialien [511] zu versehen vermögen würden. Und ohne Zögern hatte R. unmittelbar nach seinem Amtsantritte in dieser Richtung Schritte gethan; bereits 1779 ward eine besondere Bergdeputation zu Tarnowitz errichtet, welche einige Jahre später den Charakter eines Bergamtes erhielt. Den König für diese oberschlesischen Pläne Reden’s lebhafter zu interessiren, gelang vornehmlich dadurch, daß man demselben eine Neubelebung des oberschlesischen Bleibergbaues in Aussicht stellte, woran König Friedrich einen um so lebhafteren Antheil nahm, da er längst beklagt hatte, daß für Blei, welches in seinen Staaten nirgends gefördert ward, jährlich ansehnliche Summen außer Landes gingen. So setzte man zunächst die Wiederaufnahme des alten aber im Laufe der Zeit fast ganz eingeschlafenen Tarnowitzer Blei- und Silberbergbaues ins Werk, und nachdem es 1782 gegelungen war, die Ansprüche der Grafen Henckel als Besitzer der Standesherrschaft Beuthen-Tarnowitz im Wege eines Vertrages abzufinden, konnte im Juli 1784 die Eröffnung der Friedrichsgrube bei Tarnowitz erfolgen, für welche man Steiger und Häuer aus dem Mansfeldischen verschrieben hatte. Man darf dies als den eigentlichen Ausgangspunkt für die ganze oberschlesische Bergindustrie ansehen. Die Mächtigkeit des hier gefundenen Gesteins setzte alle Welt in Erstaunen, ein Probehauen schüttete aus 1 Quadrat-Lachter 44 Centner reines Erz (1 qm = 643 kg). Eine für die Culturgeschichte unseres Staates hochbedeutsame That war es dann, als R. für diese Grube, bei welcher dann sogleich auch eine Schmelzhütte errichtet ward, im J. 1786 bei Gelegenheit eines Besuches seines Chefs, des Ministers von Heinitz, die Bestellung einer Dampfmaschine in England durchsetzte, nachdem er dargelegt hatte, daß die erforderliche „Sümpfung der zusitzenden Wasser“ mit Roßkräften 14000 Thlr. und mittelst Dampfkraft nur 3700 Thlr. kosten würde. R., der eben damals (im October 1786) von dem ohnlängst auf den Thron gekommenen Könige Friedrich Wilhelm II. in Anerkennung seiner Verdienste in den Grafenstand erhoben und zum Geheimen Ober-Finanzrath ernannt worden war, durfte die Beschaffung der gewünschten Maschine an Ort und Stelle betreiben, indem er neben dem berühmten Freiherrn von Stein (damals Geheimen-Ober-Bergrath) zum Studium der englischen Berg- und Hütteneinrichtungen im Spätherbst 1786 nach England entsendet ward (Pertz, Leben Steins I, 74). Die infolge davon 1787 nach beschwerlichem Wassertransport (bis Oppeln und von da per Axe) nach Schlesien gelangte Dampfmaschine war neben einer andern gleichzeitig für den Saalkreis beschafften, die erste Dampfmaschine, welche in dem damaligen preußischen Staate in dauernde Thätigkeit kam, wenn gleich schon früher Versuche mit Dampfmaschinen von Privaten gemacht worden sind, denen auch bereits Friedrich der Große eine gewisse Aufmerksamkeit zugewendet hat. Zu erweitertem Betriebe sollte nach des Ministers Ansicht eine zu bildende Gewerkschaft die Mittel bieten, und der König erklärte sich 1785 einverstanden, allerdings nicht ohne noch besonders einzuschärfen, man möge sich wohl bemühen, „recht gute Leute dazu auszusuchen, die bei der Sache ehrlich zu Werke gehen und nicht so stehlen und betrügen, wie es sonst wohl zu geschehen pflegt“. R. aber wünschte wenigstens für Oberschlesien zunächst nur die Staatsindustrie vertreten zu sehen, und es ist hier auch damals zu keiner Gewerkschaft gekommen. Der Ruf dieser Tarnowitzer bergmännischen Anlagen, vor allem das neue Schauspiel einer erfolgreich arbeitenden „Feuermaschine“, wie man damals sagte, führte zahlreiche Besucher, die oft aus weiter Ferne kamen, nach der sonst so entlegenen Gegend. Schon 1788 besuchte sie Friedrich Wilhelm II., 1790 durfte R. die Anlagen dem Herzoge Karl August und Goethe zeigen und dann Beide noch auf einem Ausfluge nach Krakau und Wieliczka begleiten. Goethe hebt in einem seiner Briefe ausdrücklich hervor, daß sie an R. „einen sehr guten Gesellschafter gehabt hätten“. Trotz aller sonstigen [512] Erfolge aber stieß gerade der Hauptplan Reden’s, in Oberschlesien eine mächtige Eisenindustrie, gespeist von hier geförderten Steinkohlen ins Leben zu rufen, auf Schwierigkeiten, welche einen minder thatkräftig und ausdauernden Willen wohl hätten zurückschrecken können. Schon die vorbereitenden Schritte, die Bereisung und Erforschung des Landes war ein mühseliges Werk, es fehlte überall an Karten, Plänen, Nivellements; nicht einmal ordentliche Wege gab es, von Kunststraßen ganz zu geschweigen; abseits von den wenigen alten Verkehrsstraßen fanden sich selbst in den kleineren durchweg ungepflasterten Landstädten nirgends Wirthshäuser, die eingeborene Bevölkerung, durchweg polnisch, erschien auf niedrigster Culturstufe stehend, in der Leibeigenschaft halb verkommen; hier inmitten ausgedehnter Forsten, wo nicht einmal das Holz aus Mangel an Abfuhrwegen einen Preis hatte, die Steinkohlenfeuerung und eine lohnende Kohlenförderung einbürgern zu wollen, konnte aussichtslos scheinen und äußerst schwierig, deutsche Arbeitskräfte zu vermögen, sich hier ein Feld ihrer Thätigkeit zu suchen und Capital hier anzulegen. Der Eindruck, den die hiesigen Zustände auf Fremde machten, spiegelt sich recht deutlich ab in dem Erinnerungsblatte, das Goethe bei seinem Besuche hier zurückließ, und in welchem er mit fast bedauernder Verwunderung die Tarnowitzer Knappschaft fragt:

Fern von gebildeten Menschen, am Ende des Reiches, was hilft euch
     Schätze finden und sie glücklich zu bringen ans Licht?

Aber Reden’s Beharrlichkeit siegte über alle Hindernisse, und der Reichthum der hier vorhandenen mineralischen Schätze, auf welchen hinzuweisen er unermüdlich beflissen war, übte seine Anziehungskraft; die Billigkeit des Arbeitslohnes vermochte auch zu locken und die Bevölkerung erwies sich im Grunde als anstellig und gutmüthig. Bald wurden die fiscalischen Kohlengruben der Zabrzer Gegend und der Königsgrube, bei welchen dann auch Dampfkräfte zur Anwendung kamen, eröffnet und für die Galmei- und Zinkgewinnung die Steinkohlenfeuerung eingeführt, der Zabrzer und der Klodnitz-Kanal vermochten die Abfuhr zu erleichtern, allmählich, wenn auch nur langsam hob sich der oberschlesische Kohlenbergbau; doch bedurfte es großer Anstrengungen und vielfacher zum Theil unter Reden’s unmittelbarer Leitung angestellter Versuche, um die bequeme Verwendung der oberschlesischen Steinkohlen für die Eisenindustrie zu ermöglichen. Als dies endlich gelungen war, konnte im September 1796 bei Gleiwitz der erste Kokshohofen auf dem europäischen Continent angeblasen, und bald darauf von 1800 an ein noch größeres Werk, die Königshütte eröffnet werden, welches bald 3 Hohöfen erhielt. Die großartige Thätigkeit Reden’s entbehrte nicht der verdienten Anerkennung. Bereits seit 1790 ward derselbe auch außerhalb Schlesiens verwendet, dann 1795 zum Berghauptmann und 1802 nach dem Tode des Ministers v. Heinitz zum Oberberghauptmann ernannt, wo ihm dann das gesammte Bergwerks- und Hüttendepartement nebst der Porcellanmanufactur unterstellt wurde. Die volle Selbständigkeit brachte ihm dann im J. 1804 die Ernennung zum Wirklichen Geheimen Staatsminister. Die Katastrophe des preußischen Staats im J. 1806 erschütterte ihn auf das tiefste, und als nach Napoleon’s siegreichem Einzuge in Berlin auch von R. eine eidliche Verpflichtung für die inzwischen eingerichtete französische Verwaltung verlangt ward, weigerte er den Eid, gab aber auf die dringende Vorstellung seiner Collegen, daß seine Weigerung dem Könige und dem Lande Schaden bringen, sein Verbleiben aber vielleicht größere Verluste werde abwenden können, am 9. November 1806 die verlangte Versicherung noch ab. Nach dem Tilsiter Frieden schied R. 1807 aus dem Staatsdienste, nicht aber aus der Gemeinschaft der patriotischen Männer, welche im Stillen an der Wiedergeburt Preußens arbeiteten. Auf seinem Schlosse Buchwald im Riesengebirge fand 1809 der von Napoleon geächtete und verfolgte [513] Freiherr von Stein die erste Zuflucht, und wenn dieser gleich bald seine Sicherheit jenseits der böhmischen Berge suchen mußte, so blieb er doch mit R. in dauernder Verbindung, und als der 1810 wieder zur Leitung des Staates berufene Hardenberg, im Interesse seiner kühnen und tief einschneidenden Finanzprojecte, welche der schrecklichen Noth Preußens steuern sollten, eine Unterredung mit Stein dringend ersehnte, war es wiederum R., welcher die Zusammenkunft, zu welcher Stein von Prag herbeikommen mußte, am 16. September 1810 in Hermsdorf unter dem Kynast ins Werk setzte und zwar mit solcher Umsicht und Behutsamkeit, daß kein Späherauge etwas davon gewahrte. Hardenberg, der Zustimmung des großen Freiherrn sicher, konnte dann um so unerschrockener in seinen Reformen vorgehen. Ueber eine weitere politische Thätigkeit Reden’s in dieser Zeit liegen keine Zeugnisse vor, doch mag angeführt werden, daß aus den oberschlesischen Hüttenwerken, die er zum Theil erst ins Leben gerufen, dann für die preußischen Heere der Befreiungskriege der Hauptsache nach das Material an Kugeln und Geschossen geliefert worden ist. Auch dessen möge noch kurz gedacht sein, was R. aus seinem allerdings reizend gelegenen Landsitze Buchwald zu machen verstanden hat, wie er hier nach englischem Vorbilde das, was man dort ein Prachtlandgut (ornamented farm) nennen würde, errichtete und vor allem gleichfalls nach englischem Stile, den in Schlesien zuerst der Minister Graf Hoym durch die Anlage des Parkes von Dyhrenfurt eingebürgert hatte, jenen bewunderungswürdigen Park schuf, der mit seinen uralten Bäumen jeder Art, seinen künstlichen Ruinen, Grotten und Felsgruppen, der sogen. Abtei, dem Pavillon mit seiner herrlichen Aussicht u. dergl. allen Besuchern des Riesengebirges wohl bekannt ist. Die Nähe des Hochgebirges, welche es gestattet z. B. das Spiegelbild der Schneekoppe in dem größten der 54 Teiche, die der Park umfaßt, zu erblicken, giebt diesem Parke einen ganz besonderen Reiz. Hier in Buchwald hat dann R. an der Seite seiner liebenswürdigen menschenfreundlichen Gattin (geb. v. Riedesel), deren Andenken im Riesengebirge noch heute fortlebt, und der zu Ehren König Friedrich Wilhelm IV. neben der Kirche Wang im Riesengebirge ein Marmorrelief hat aufstellen lassen, im Kreise geistvoller Freude, deren Manchem er in seinem Parke jetzt leider verfallene Denksteine errichtete, wie z. B. dem schlesischen Historiker Klöber (s. A. D. B. XVI, 201) und dem schlesischen Geographen Weigel, noch glückliche Jahre verlebt und ist hier am 3. Juli 1815 sanft entschlummert. Waldenburger Bergknappen haben seine irdischen Ueberreste zu Grabe getragen. Zu seiner Ehre aber haben im J. 1852 „die dankbaren Gruben- und Hüttengewerke und Knappschaften Schlesiens“ ihm auf dem Redenberge bei Königshütte ein stattliches Denkmal errichtet, dessen Enthüllung König Friedrich Wilhelm IV. beiwohnte.

Carnall, Das Denkmal des Ministers Grafen von Reden (mit Abbildg.) in der Zeitschr. für Berg-, Hütten- und Salinenwesen I, 201 ff. – Koch, Denkschrift zur Feier des hundertjährigen Bestehens der Friedrichsgrube. Berlin 1884.