ADB:Reichard, Heinrich Gottfried

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Artikel „Reichard, Heinrich Gottfried“ von Richard Hoche in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 27 (1888), S. 624–625, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Reichard,_Heinrich_Gottfried&oldid=2504937 (Version vom 19. Juli 2018, 11:25 Uhr UTC)
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Reichard: Heinrich Gottfried R., Schulmann und Philologe, 1742 bis 1801. Er war in Schleiz, wo sein Vater Rath und Amtmann war, am 22. Juni 1742 geboren, erhielt seine Schulbildung in der Vaterstadt und studirte seit 1761 in Leipzig Theologie und Philologie; vornehmlich durch Ernesti zum vorzüglichen Latinisten ausgebildet, habilitirte er sich 1766 mit seiner Promotionsschrift „De artis bene scribendi origine et fatis usque ad a. Chr. 1453“, gab aber die akademische Laufbahn auf, als er 1770 zum Quartus und Cantor an der Fürstenschule in Grimma berufen wurde. 1782 wurde er Tertius, später Conrector an dieser Anstalt und starb in diesem Amte am 22. Mai 1801. Von seinen philologischen Arbeiten haben dauernde Bedeutung die Ausgaben des „Gemistius Pletho“, 1769 und des „Lycophron“,[WS 1] 1788, auch die lateinische Uebersetzung des Neuen Testamentes, welche 1796 erschien, während die vielen, sehr geschickt geschriebenen lateinischen Uebersetzungen, welche zu seinen Lebzeiten weite Verbreitung fanden (u. a. v. Archenholtz, Gesch. des siebenjährigen Krieges), jetzt mit Recht vergessen sind. An dem von Basedow angeregten pädagogischen Streite betheiligte er sich lebhaft; gegen diesen ist gerichtet Φιλάνθρωπος s. de [625] institutione puerili dialogus“, 1778, doch ließ R. sich bereden, von Wolke’s Erläuterungen zum Elementarwerke eine lateinische Uebersetzung 1784 herauszugeben. Sein seltsames Unternehmen einer lateinischen Jugendschrift „Ephemerides Lipsicae“, 1786 ging nach einjährigem Bestehen wieder ein.

Nekrolog der Teutschen, 1801, I, S. 167–176. – Vollständiges Verzeichniß seiner Schriften bei Meusel, Gel. Teutschland VI, S. 259 ff.; ebenda X, S. 454 ff.; auch bei Rotermund VI, 1607 ff. – Dippold, Hist. Beschreibung der Landesschule Grimma, S. 132. – Ermel, Altes und Neues von Grimma I, S. 122–126. – Steyeri[WS 2] or. in obitum H. G. Reichardi, 1801.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Im Original: Apostroph statt Komma
  2. Johann Adolph Steyer (1754–1818).