ADB:Reider, Martin Joseph von

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Artikel „Reider, Martin Joseph von“ von Friedrich Leitschuh in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 27 (1888), S. 683–684, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Reider,_Martin_Joseph_von&oldid=- (Version vom 20. September 2019, 08:39 Uhr UTC)
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Reider: Martin Joseph v. R., geb. zu Bamberg am 30. August 1793, starb zu München am 5. Februar 1862. Sein Vater war Elias Adam v. R. (s. o.). Unterrichtet an den Bamberger Studienanstalten, widmete sich R. schon frühzeitig der Zeichnungskunst, vorzüglich der Architektur. Im J. 1824 wurde [684] er zum Lehrer an der von Major v. Westen 1794 gegründeten Zeichnungsakademie in Bamberg ernannt, wo er ein äußerst segensreiches Wirken zur Entfaltung brachte. Er war 36 Jahre lang als Lehrer an der Anstalt thätig, und zwar 1824–1833 allein und weitere 21 Jahre an der Gewerbeschule und gleichzeitig 17 Jahre an der Handwerker-Sonntagsschule, bis er 1855 der ersteren, 1860 der letzteren Stellung enthoben ward. Lag R. auch seinem amtlichen Berufe mit allem Eifer ob, so versäumte er doch nicht, sich emsig der Erforschung der Geschichte Frankens, besonders des Fürstbisthums und der Stadt Bamberg, hinzugeben. Für ihn wurde die Gründung einer Kunst- und Antiquitätensammlung zur unvermeidlichen Nothwendigkeit: Münzen, Handschriften, Urkunden, alte interessante Druckwerke, alterthümliche Kunstgegenstände aller Art, als Teppiche, Stickereien, Elfenbein- und andere Schnitzwerke wußte R. in seinen Besitz zu bringen, so daß er trotz seiner beschränkten Mittel, freilich unter großen Entbehrungen, sich eine Sammlung anzulegen wußte, welche in ihrer Art einzig dastand. Der Stadt Bamberg gelang es nicht, diesen Schatz sich zu erhalten. Gegen die Zusicherung einer jährlichen Leibrente von 1525 fl. ging die ganze Sammlung 1859 an das baierische Nationalmuseum in München über, wo sie erst dem Gebrauche und der Nutzbarmachung für die Wissenschaft zugänglich wurde. Die Reider’sche Sammlung bildet bekanntlich eine der wesentlichsten Zierden des Museums und enthält wahre Perlen der Plastik. v. R. genoß seine Leibrente nicht lange: er zog zu seiner Sammlung nach München und konnte dort, dank einer ihm zugefallenen Erbschaft, sorgenfrei leben und in seinen alten Tagen sich gütlich thun; aber ein Herzschlag rührte ihn am 5. Februar 1862, an dessen Folgen er alsbald auch starb. Mit R. trug man ein eminentes Wissen zu Grabe, – einen Schatz, den in größeren selbständigen Publicationen niederzulegen und damit auch Anderen nutzbar zu machen, eigensinnigerweise sein Besitzer sich nie herbeiließ. Aber zur Abfassung kleinerer Arbeiten fand man ihn immer geneigt. Mit Bibliothekar Jäck und Joseph Heller gab er das „Leben und die Werke der Künstler Bambergs“ heraus und für die von Jäck u. Heller gemeinsam herausgegebenen „Beiträge zur Kunst- und Litteraturgeschichte“ (Nürnberg, 1822) verfaßte er eine „Nachricht über eine noch unbekannte Ausgabe des Rechtsstreites mit dem Tode“. Seinem Freund und Studiengenossen Joseph Heller leistete R. manchen wichtigen Dienst, namentlich auf heraldischem Gebiete, wo er sich ebenfalls ganz gediegene Kenntnisse angeeignet hatte. Zu Jäck’s „Neueste Kunde von dem Königreiche Bayern“ (VIII. Band der Länder- und Völkerkunde) Weimar 1820, lieferte R. den Plan von Bamberg. Zweimal schrieb er das Programm der Gewerbeschule: „Die Bemühungen der Deutschen in Erforschung der Denkmäler altdeutscher Baukunst, vorzüglich ihrer Bauregeln“ (1840–41) und die erste Fortsetzung hiervon, nebst einem kurzen Bericht über Schropp’s Kölner Dombau-Modell (1846–47). Es ist daraus ersichtlich, daß Reider’s Bedeutung nicht in dessen schriftstellerischer Thätigkeit, sondern in seinem unermüdlichen Wirken als Kunst- und Antiquitätensammler zu suchen ist. R. war wie in seinen Bestrebungen, so auch in seinem ganzen Wesen und seiner Lebensart ein Original, wie sie immer seltener werden. Sich um Alles bekümmernd und ständig beschäftigt, hatte R. doch nur den einen Zweck im Auge, mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln seine Sammlung zu vergrößern und zu vervollkommnen – ein Streben, das allein hinreichte, ihm dauernden Namen zu erwerben.

Leben und Werke der Künstler Bambergs. 2. Theil. S. 83. – Zweites Pantheon, S. 101. – G. F. Waagen, Kunstwerke und Künstler in Deutschland. 1. Th. S. 115 ff. – Johann Rothlauf, Gedenkrede auf Martin Joseph v. R. im 21. Bericht über das Wirken und den Stand des historischen Vereins zu Bamberg. 1864. (IV. Beilage) S. 119–129.