ADB:Reimer, Georg Ernst

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Reimer, Georg Ernst“ von Fritz Jonas in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 27 (1888), S. 712–713, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Reimer,_Georg_Ernst&oldid=- (Version vom 25. April 2019, 08:47 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Reimer, Georg Andreas
Band 27 (1888), S. 712–713 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Georg Ernst Reimer in der Wikipedia
GND-Nummer 116444657
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|27|712|713|Reimer, Georg Ernst|Fritz Jonas|ADB:Reimer, Georg Ernst}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=116444657}}    

Reimer: Georg Ernst R., Buchhändler, geb. zu Berlin am 25. November 1804 als zweiter Sohn des namhaften Buchhändlers Georg Andreas R., † zu Berlin am 5. Januar 1885. Zu seinen Pathen zählte Schleiermacher. Er besuchte zuerst die Plamann’sche Schule und sodann das königliche Friedrich-Wilhelms-Gymnasium, von dem er Michaelis 1823 mit dem Zeugniß der Reife entlassen wurde. Darauf studirte er in Berlin und von Ostern 1825 bis Ostern 1826 in Bonn, wo ihn namentlich die Vorlesungen seines väterlichen Freundes Niebuhr anregten. 1826 trat er in die Buchhandlung seines Vaters ein, die er nach dem Tode desselben (1842) selbst übernahm, da der ältere Bruder Karl bereits vorher mit dem Schwager Salomon Hirzel zusammen die Weidmannsche Buchhandlung als Erbtheil erhalten hatte. Im J. 1847 schied R. aus der väterlichen Buchhandlung den geographischen und Kunstverlag aus, den ein jüngerer Bruder, Dietrich, als Grundstock seiner jetzt blühenden geographischen Verlagshandlung übernahm. Seit dieser Zeit pflegte R. – vielleicht behufs deutlicherer Unterscheidung von dem Verlage seines Bruders – statt G. Reimer „Georg Reimer“ zu firmiren. Nach dem Verkauf des elterlichen Hauses in der Wilhelmstraße verlegte er 1858 seine Handlung und Wohnung in das von ihm erworbene Haus Anhaltstraße 12, in dem auch die Mutter bis zu ihrem Tode wohnte. Seitdem war R. das Haupt der Familie, da der ältere Bruder Karl bereits vor der Mutter gestorben war; und er pflegte im Sinne der Eltern den Geist der Einigkeit und des festen Zusammenhaltens aller Glieder der weitverzweigten Familie. Am 13. März 1865 trat sein ältester Sohn Ernst als Procurist in seine Handlung ein; am 5. Mai 1876 erhob R. denselben zum Theilhaber, und am 3. April 1884 übergab er ihm das Geschäft zu alleiniger Verwaltung. R. war weniger kühn und wagemuthig als der Vater; aber diese Eigenschaften waren auch für den Fortführer des bereits zu großartigem Umfange angewachsenen Verlagsgeschäftes nicht so wichtig, als sie es [713] für den Begründer gewesen waren. In den andern Tugenden, der Ehrenhaftigkeit, Zuverlässigkeit und Umsicht stand er dem Vater keineswegs nach. So mannigfaltig sein Verlag war, und so wenig R. die freie Bewegung der Herausgeber, mit denen er in Verbindung trat, beschränkte, so einheitlich blieb sein Verlag doch darin, daß er ein vornehm wissenschaftliches Gepräge trug. Alle bloß buchhändlerische Speculationswaare, alle unwissenschaftliche, geschweige denn alle dem Inhalt oder dem Tone nach niedrige Litteratur blieb aus Reimer’s Verlage ausgeschlossen, so daß seine Firmabezeichnung an und für sich schon jedem Buche als Empfehlung galt, und andererseits die Geschichte der Wissenschaft das Andenken an seine Wirksamkeit dauernd in Ehren erhalten wird. Die Fülle der berühmten Autornamen in dem Verlagskataloge vom Jahre 1885 ist so groß, daß eine Auswahl an und für sich schwierig, und an dieser Stelle wegen Mangels an Raum unmöglich ist. So bescheiden, milde und anspruchslos R. war, so fest und unerschütterlich beharrte er bei seinen Ueberzeugungen. In Bezug auf die Religion war er ein treuer Schüler und Gesinnungsgenosse Schleiermacher’s, und in der Politik gehörte er zu den jetzt sogenannten Altliberalen. Durch die Uebernahme des Verlages der Protestantischen Kirchenzeitung und der Preußischen Jahrbücher, die er auch in Zeiten, wo sie Opfer erforderten, nicht fallen ließ, bewährte er diese seine Ueberzeugungen treu und fest. Allem Streit und Hader stand er seiner ganzen Natur nach fern, und nie und nirgends stellte er seine Person in den Vordergrund. Aber er entzog sich auch nicht seinen Bürgerpflichten, wenn das Vertrauen seiner Mitbürger ihn zur Mitarbeit an den öffentlichen Angelegenheiten aufrief. Neun Jahre hindurch (1852–1861) war er Mitglied des Abgeordnetenhauses für Berlin, länger als ein Vierteljahrhundert (1846–1872) Mitglied der Stadtverordneten-Versammlung, in welcher er auch Jahre hindurch als Vertreter des Vorsitzenden fungirte. Am 27. August 1829 hatte er sich mit Marie Stavenhagen aus Anklam vermählt, mit der er bis zu seinem Tode in glücklichster Ehe lebte. Von neun Kindern überlebten ihn sechs, und seit dem Jahre 1858 hatte der Tod sein Haus verschont. So genoß er bis weit über den Tag der goldenen Hochzeit hinaus ein frohes, glückliches Alter in Frische des Geistes und in körperlicher Gesundheit, geliebt von den Seinen und in weiten Kreisen der Bürgerschaft und seiner Berufsgenossen hoch geachtet. Dazu kam, gewissermaßen als die Krönung seines Glückes, die ruhmvolle Erhebung und Einigung des deutschen Vaterlandes, an der er sich auf das innigste erfreute. Und endlich starb er nach Vollendung des achtzigsten Lebensjahres, ohne lange Qual, sanft und friedlich in den Armen der Seinen. Seine Leiche wurde am 8. Januar 1885 in dem väterlichen Erbbegräbniß auf dem Dreifaltigkeitskirchhofe zu Berlin bestattet. „Georg R. war von mittlerer Größe, in jüngeren Jahren ein eifriger Turner, mit freundlich blickenden blauen Augen und wohl erhaltenem dunkeln Haare; schlicht und einfach im Verkehr, von herzgewinnender Güte, bei allem Ernste seines Wesens witzigen Worten und geselligem Scherze keineswegs abhold, von größerer Milde und Weichheit vielleicht als der Vater, an den sonst viel in seiner Art erinnerte, ein ebenso guter Familienvater wie er ein pietätvoller Sohn gewesen war, gefällig und hilfreich allen, die sich ihm nahten.“ Seine äußere Erscheinung giebt eine vom Kupferstecher Eilers nach einer Photographie gefertigte Radirung sprechend ähnlich wieder.

Quellen: Handschriftliches. – Reimer’scher Familienkalender. 1879. – Preußische Jahrbücher Bd. 55. – Vahlen: Bericht über das Vereinsjahr 1884/5 in der Hauptversammlung der Corporation der Berliner Buchhändler vom 27. October 1885.