ADB:Reithmayr, Franz Xaver

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Reithmayr, Franz Xaver“ von Otto Schmid in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 28 (1889), S. 165, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Reithmayr,_Franz_Xaver&oldid=- (Version vom 20. Mai 2019, 09:15 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Reither, Konrad
Band 28 (1889), S. 165 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Franz Xaver Reithmayr in der Wikipedia
GND-Nummer 116432365
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|28|165|165|Reithmayr, Franz Xaver|Otto Schmid|ADB:Reithmayr, Franz Xaver}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=116432365}}    

Reithmayr: Franz Xaver R., katholischer Exeget, geboren am 16. März 1809 zu Illkofen bei Regensburg, studierte das Gymnasium, die Philosophie, sowie die beiden ersten Jahrgänge der Theologie in Regensburg, besuchte dann die Universität München, wurde am 20. August 1832 Priester und bald darauf Religionslehrer an der Lateinschule zu Regensburg. Um in der Theologie sich noch mehr auszubilden, ging er nochmals an die Universität München, um welche Zeit er mit dem berühmten Möhler befreundet wurde. Am 17. August 1836 zum Doctor der Theologie promovirt, wurde er 1837 zum außerordentlichen Professor für biblische Fächer an der Universität München ernannt, übernahm 1839 an Stelle des abtretenden Windischmann die Lehrkanzel der neutestamentlichen Exegese, die er seit 1841 als Ordinarius bis zu seinem Tode versah. R. war ein gefeierter Universitätslehrer, einer der gründlichsten Exegeten; deshalb wurden ihm vielfach Auszeichnungen zu Theil: er erhielt das Ritterkreuz des St. Michaelordens I. Klasse, wurde Ehrenmitglied der Universität Prag, geheimer päpstlicher Kämmerer u. s. w. Im J. 1869 unterzeichnete R. das bekannte Gutachten der Münchener theologischen Facultät an die Staatsregierung, in welchem die Majorität der Facultät sich gegen die Definirung der Unfehlbarkeit des Papstes aussprach; als aber diese erfolgt war, unterwarf sich R. rückhaltslos dem Dogma. Der hochverdiente Gelehrte starb zu München am 26. Januar 1872, auch wegen seines offenen, edlen Charakters allseits sehr geachtet. Die erste Frucht der litterarischen Thätigkeit Reithmayr’s war die Herausgabe des Nachlasses Möhler’s zu einer Litterärgeschichte der Väter, wobei R. nicht nur den Nachlaß zu einem einheitlichen Ganzen verarbeitete, sondern selbst viel neues Material lieferte; so entstand das Werk: 1) „Möhler’s Patrologie oder christliche Litterärgeschichte. Aus dessen hinterlassenen Handschriften mit Ergänzungen herausgegeben von Dr. F. R., I. Bd. Die ersten drei Jahrhunderte“, Regensburg 1840. Obwol diese Schrift großen Beifall fand, so setzte R. dies Werk doch nicht mehr fort, sondern wendete die ganze Kraft seinem Hauptfache, nämlich der Exegese des neuen Bundes zu. Zunächst erschien 2) Der „Commentar zum Briefe an die Römer“ 1845; 1847 folgte 3) die „Editio graeco-latina Novi Testamenti“, eine Schulausgabe, meist nach Lachmann gearbeitet. Die vorzüglichsten Leistungen Reithmayr’s sind aber 4) „Einleitung in die canonischen Bücher des neuen Bundes“, Regensburg 1852 und 5) „Commentar zum Briefe an die Galater“, München 1865; welch letzteres Werk einen bedeutenden Fortschritt in der exegetischen Methode im Vergleiche mit dem Commentare zum Römerbrief bekundet. Bemerkenswerth ist noch, daß R. 1868 die Oberleitung der in Kempten erscheinenden Bibliothek der Kirchenväter übernahm. Außerdem schrieb er gründliche Artikel in den Historisch-politischen Blättern gegen David Strauß (1842) und „Gedanken über das heil. Meßopfer“ im „Katholik“ (1842). Seine Vorleseschriften über Hermeneutik gab mit bedeutenden Ergänzungen versehen Dr. Thalhofer heraus unter dem Titel: „Dr. Fr. Reithmayr’s Lehrbuch der Hermeneutik“, Kempten 1874, worin auf S. VII–XLVII eine schöne, pietätvolle Skizze des Lebens Reithmayr’s enthalten ist.

Vgl. auch K. Werner, Geschichte der katholischen Theologie, S. 530, 539 f. 561.