ADB:Retzow, Friedrich August von

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Artikel „Retzow, Friedrich August von“ von Bernhard von Poten in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 28 (1889), S. 276–277, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Retzow,_Friedrich_August_von&oldid=- (Version vom 23. Mai 2019, 21:57 Uhr UTC)
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Retzow: Friedrich August v. R., ältester Sohn des Generals Wolf Friedrich v. R. (s. u.), ist der Verfasser der als Quelle für des Vaters Lebensbeschreibung genannten „Charakteristik der wichtigsten Ereignisse des Siebenjährigen Krieges in Rücksicht auf Ursachen und Wirkungen“. R., am 13. Juli 1729, wahrscheinlich zu Maethlow im Havellande, geboren, war, nachdem er als Cadett in das von seinem Vater befehligte Garde-Grenadierbataillon (Nr. 6) eingetreten war, am 15. November 1747 zum Fähnrich, am 15. August 1750 zum Secondlieutenant befördert worden und befand sich in dieser Stellung während der drei ersten Jahre des Siebenjährigen Krieges, an welchem er als Adjutant seines Vaters theilnahm. Von dem Verdienste, welches letzterer sich bei Leuthen erwarb, nimmt er einen großen Theil für sich in Anspruch. Seit December 1758 fehlt sein Name in den Listen seines Truppentheiles und des preußischen Heeres überhaupt. Er führte später den Titel Capitän von der Infanterie außer Dienst, Erb-Lehens- und Gerichtsherr auf Maethlow, auch Erb- und Gerichtsherr auf Neu-Bellin, und ist zu Neu-Bellin (jetzt Hohen-Bellin), einem zum Kirchensprengel Zabakuk bei Genthin gehörigen Gute, welches seine Mutter, eine geboren v. Roeseler, 1759 von einem Hauptmann v. Randow gekauft hatte, am 18. October 1812 gestorben. Sein obenerwähntes Buch erschien zuerst zu Berlin im J. 1802 im Himburg’schen Verlage. Der Verfasser bezeichnete sich damals nur als einen „Zeitgenossen“, aber schon in der im folgenden Jahre unter dem Titel: „Nouveaux mémoires historiques sur la guerre de sept ans“ veröffentlichten Uebersetzung, welche der Prediger Erman zu Potsdam verfaßt hatte, nennt er sich „Mr. de Retzow, ancien capitaine au service de Prusse“ und auch die 2. Auflage der „Charakteristik“, welche im J. 1804 erschien, bezeichnet ihn als den Verfasser. Seine Schrift, welche lange Zeit als eine sehr zuverlässige Quelle für die Geschichte des Siebenjährigen Krieges gegolten hat und dies in mancher Hinsicht verdient, ist keineswegs unbefangen und ohne Parteilichkeit geschrieben; sie ist vielmehr von Gehässigkeit gegen den König erfüllt (vgl. Charakteristik I, 372, erste Ausgabe) und verherrlicht, im Gegensatze zu diesem, den Prinzen Heinrich über die Gebühr. Ihm ist das Buch gewidmet, der Prinz wird in demselben als der Held des Siebenjährigen Krieges bezeichnet. Schon früh indessen erhob sich Widerspruch gegen eine solche Auffassung und Darstellung. Bereits im J. 1803 veröffentlichte der Kirchenrath und erste Prediger bei der reformirten Gemeinde der St. Jerusalem- und Neuen Kirche zu Berlin, Gebhardt, eine „Vertheidigung Friedrichs des Großen in Ansehung der Fehler, welche ihm in der Charakteristik der wichtigsten Ereignisse des Siebenjährigen Krieges Schuld gegeben werden“ (Berlin bei Nicolai), wofür er vom König Friedrich Wilhelm III. ein in der Berliner Zeitung abgedrucktes, sehr gnädiges Cabinetsschreiben (auch bei Preuß, Friedrich der Große II, 407, Berlin 1833) und eine große goldene Medaille erhielt; Friedrich Wilhelm III. [277] nannte es „ein verdienstliches Geschäft, den großen König selbst gegen ungegründete Vorwürfe zu schützen“. Auffallenderweise hat man früher mannichfach den General Wolf Friedrich v. R. für den Verfasser der Charakteristik gehalten, obgleich dieser bereits im dritten Jahre des Krieges starb und die Geschichte des Letzteren bis zu dessen Beendigung in unveränderter Weise fortgeführt ist. Daß des Vaters Aufzeichungen oder Mittheilungen als Quellen bei der Abfassung des ersten Theiles des Buches gedient haben, ist nicht ausgeschlossen (vgl. Charakteristik I, 348, erste Ausgabe); R., der Sohn, beruft sich in der Widmungsrede auf seine eigenen Erfahrungen und auf den Einfluß solcher Personen, die erhabene Posten im Staate bekleideten. Unter letzteren Personen wird wol Prinz Heinrich mit zu verstehen sein; Anzeichen, daß R. dem Kreise desselben angehört habe, finden sich nicht; bei der geringen Entfernung zwischen Retzow’s Wohnsitz und dem gewöhnlichen Aufenthaltsorte des Prinzen, Rheinsberg, ist indessen nicht unwahrscheinlich, daß er auch in persönlichen Verkehr mit dem Bruder Friedrich’s des Großen gestanden habe. Daß Beziehungen zwischen dem Prinzen und dem Verfasser vorhanden gewesen, läßt sich auch daraus schließen, daß R. sein Werk unmittelbar nach jenes Tode, als er selbst bereits 73 Jahre alt war, veröffentlichte. Als eine Quelle, aus welcher er geschöpft habe, bezeichnet er ausdrücklich das dem Ruhme des Königs wenig günstige Tagebuch von Gaudy. – 1818 wurde Retzow’s Werk in das Russische übertragen.

Angaben über die nichtmilitärischen Lebensverhältnisse, welche anderweit mehrfach irrig gegeben sind, beruhen auf gefälligen Mittheilungen aus dem Kirchenbuche seitens des Herrn Pastor Pfau zu Zabakuk bei Genthin.