ADB:Retzow, Wolf Friedrich von

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Artikel „Retzow, Wolf Friedrich von“ von Bernhard von Poten in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 28 (1889), S. 277–278, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Retzow,_Wolf_Friedrich_von&oldid=- (Version vom 21. Oktober 2019, 11:01 Uhr UTC)
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Retzow: Wolf Friedrich v. R., preußischer Generallieutenant, Erbherr auf Maethlow bei Nauen, 1699 aus alter märkischer Familie in der Mittelmark geboren und auf der Ritterakademie zu Brandenburg an der Havel erzogen, trat 1716 als Fähnrich in das Infanterieregiment v. Schlabrendorf (Nr. 25) und wurde 1745 als Oberst Commandeur des Bataillons Grenadier-Garde (Nr. 6), welches Friedrich der Große 1740 nach seines Vaters Tode aus den drei Bataillons der großen Potsdamschen Grenadier-Garde gebildet hatte. R. hatte die beiden ersten schlesischen Kriege mitgemacht und sich namentlich 1742 durch seine tapfere Vertheidung des Magazinortes Pardubitz hervorgethan, 1747 übertrug der König ihm, nachdem General v. d. Goltz gestorben war, die Besorgung des Generalcommissariats, d. h. der obersten Verpflegungsbehörde für das Heer, und daneben nach und nach die Beaufsichtigung und Verwaltung einer großen Anzahl von anderweiten Anstalten, so der in der Nähe von Potsdam errichteten Colonien und ihrer Fabrikthätigkeit, des Potsdamer Militär-Waisen- und des Berliner Invalidenhauses, des Lagerhauses in Berlin, der dortigen Gold- und Silbermanufactur und seit 1756 auch der Münzen. R., ein thätiger und tüchtiger Mann, eifrig bemüht, was er zu lernen in der Jugend versäumt hatte, im Alter nachzuholen, rechtschaffen und pflichttreu, gewann in diesem Wirkungskreise die Gunst des Königs, welcher ihn scherzweise wol „mon petit Colbert“ nannte. Als der Siebenjährige Krieg bevorstand, waren Schwerin und R. die ersten, welche in das bis dahin wol nur dem Könige selbst, Winterfeldt und Eichel bekannt gewesene Geheimniß gezogen wurden. R. mußte als Intendant Vorbereitungen für die Verpflegung des Heeres treffen. In letzterer Eigenschaft blieb er auch im Felde thätig, doch führte er daneben stets ein Truppencommando und war bei Prag und bei Roßbach, bei Leuthen und bei Hochkirch zur Stelle; während des Winters 1756/57 war er Commandant von Dresden; hier schloß er infolge seiner Thätigkeit bei den Münzen den Vertrag mit den jüdischen Unternehmern, welche die schlechten Geldsorten ausprägten. Ein besonders ruhmvolles [278] Gefecht lieferte er nach Aufhebung der Belagerung von Olmütz am 12. Juli 1758 bei Holitz; er befehligte damals eine der drei Heeressäulen, in denen sich der Abmarsch aus Mähren nach Böhmen vollzog, mittelst jenes Gefechtes gelang es ihm, die unter seine Befehle gestellten Truppen sammt allen Trains dem vorangegangenen Könige zuzuführen. Für die guten Dienste, die er bei Leuthen geleistet hatte, wo er die Infanterie des linken Flügels im ersten Treffen befehligte, ernannte ihn der König auf dem Schlachtfelde zum Generallieutenant. Nicht so zufrieden war er mit Retzow’s Verhalten bei Hochkirch, wo dieser einen gesonderten Heerhaufen commandirte. Daß dieser eine wichtige Höhe, den Stromberg, nicht besetzt hatte, zog ihm sogar eine Arreststrafe, die erste in seinem Leben, zu; als der König überfallen war, trug aber R., welcher, weil er abseits stand, von dieser Widerwärtigkeit nicht mitbetroffen war, viel zur Rettung des Heeres bei, so daß Prinz Heinrich, welcher jede Gelegenheit benützte denjenigen Lobendes nachzusagen, welche von seines königlichen Bruders Ungnade betroffen waren, auf einem in Rheinsberg dem Prinzen August Wilhelm gesetzten Obelisken bei Retzow’s darauf befindlichem Namen hinzufügen ließ: „qui sauva l’armée à Hochkirch“. In jenen trüben Octobertagen war R. an der Ruhr erkrankt, daneben wirkte der Verdruß über die wider ihn verhängte Strafe ungünstig auf seine Gesundheit. Er bat, zu seiner Herstellung nach Dresden gehen zu dürfen; der König schlug es ihm ab, weil er zu diesem Zweck von Daun, welcher die zu passirende Gegend besetzt hielt, einen Paß für R. hätte erbitten müssen. R. machte daher den beschwerlichen Marsch des Prinzen Heinrich durch das Gebirge nach Schlesien mit, kam todtkrank in Schweidnitz an und starb dort am 5. November 1758. – Der Name des Generals v. R. findet sich auch auf dem Postamente des dem König Friedrich d. Gr. im J. 1851 zu Berlin unter den Linden errichteten Denkmals. Die Berlinische Zeitung meldete seinen Tod mit dem ausdrücklichen Hinzufügen, daß der König ihn bis zu seinem Lebensabende der vorzüglichsten Huld und Gnade gewürdigt habe. Dieser selbst hat in seinen Schriften für R. nur Anerkennung und Lob (Oeuvres posthumes III, 324, 325); nirgends findet sich ein Wort des Tadels; nach dem Ueberfall bei Hochkirch hat der General allerdings den unberechtigten Vorwurf ertragen müssen, daß er durch die Nichtbesetzung des Stromberges das Unglück des Tages verschuldet habe.

Biographisches Lexikon aller Helden und Militärpersonen, welche sich in preußischen Diensten berühmt gemacht haben (vom Ordensrath König), 3. Theil, Berlin 1790. – Charakteristik der wichtigsten Ereignisse des Siebenjährigen Krieges in Rücksicht auf Ursachen und Wirkungen von einem Zeitgenossen (von Retzow), Berlin 1802, I, 371.