ADB:August Wilhelm (Prinz von Preußen)

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Artikel „August Wilhelm, Prinz von Preußen“ von Richard von Meerheimb in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 1 (1875), S. 669–671, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:August_Wilhelm_(Prinz_von_Preu%C3%9Fen)&oldid=- (Version vom 21. April 2019, 10:46 Uhr UTC)
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Wikipedia-logo-v2.svg August Wilhelm von Preußen (1722–1758) in der Wikipedia
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August Wilhelm, Prinz von Preußen, Bruder Friedrichs des Großen, geb. 9. Aug. 1714[1], † 12. Juni 1758, trat früh in die Armee ein, wurde 1741 zum Generalmajor der Cavallerie, 1745 zum Generallieutenant, 1756 zum General der Infanterie ernannt. Er war ein wohlwollender, sehr liebenswürdiger Herr und wurde von seinen jüngeren Brüdern, den Prinzen Heinrich und Ferdinand zärtlich geliebt. Sie haben dem König den frühen Tod ihres Bruders nie verziehen und ein Theil der Animosität, die sich in allen aus der Umgebung des Prinzen Heinrich hervorgegangenen Schriften findet (Behrenhorst, Gaudi, Retzow, Kalkreuth, stammt aus dieser Quelle. Nach der Schlacht von Collin und der Aufhebung der Belagerung von Prag hatte der König sein Heer getheilt und die Abtheilung auf dem rechten Ufer dem Fürsten Moritz von Anhalt-Dessau übergeben. Moritz war ein Mann von seltener Bravour, ein trefflicher Unterfeldherr, aber sehr beschränkt und unwissend und zu einer Feldherrn-Stellung unfähig. [670] Den von Moritz projectirten Rückzug auf Zittau hatte der König auf das bitterste getadelt und bestimmt untersagt. –

Um ihn, als den ältesten General dieser Armee – mit Ausnahme des Prinzen von Preußen – nicht zu verletzen, übergab er seinem Bruder Ende Juni 1757 das Commando der Armee von 52 Bataillonen und 80 Escadrons. Winterfeld und Schmettau waren ihm ad latus gestellt und er an deren Rath gewiesen. Der Prinz stand bei Jungbunzlau, der König bei Leitmeritz; er glaubte, daß Lothringen und Daun das Heer ebenfalls theilen und auf beiden Seiten der Elbe vorgehen würden. Bei Uebernahme der Armee an der Iser erhielt der Prinz folgende Instruction: sich möglichst lange bei Jung-Bunzlau zu halten und da immer auf 10 Tage Brod zu haben, um eventuell bei einem Angriffe auf Schlesien bis Schweidnitz rücken zu können; ferner die Augmentationen aus Schlesien heranzuziehen und durch sie Mehltransporte nach Zittau und zur Armee escortiren zu lassen, endlich die Wege genau recognosciren zu lassen. Das Magazin in Jung-Bunzlau fand der Prinz leer; am 1. Juli ging Daun über die Elbe und schob Nadasdy bis eine Meile von Jung-Bunzlau vor. Der Prinz ging nun in zwei kleinen Märschen nach Neuschloß zurück, wodurch er die gerade Straße auf Gabel und Zittau verließ und rückte bald darauf nach Böhmisch-Leypa in eine stärkere Stellung 2 Meilen von Gabel. Beide Rückzüge genehmigte der König nachträglich, schrieb aber warnend: „Wenn Sie sich noch weiter zurückziehen, werden Sie bald mit dem Rücken an den Thoren Berlins stehen“.

Da Daun am 7. Juli bei Münchengrätz stand, so besorgte der Prinz bei dessen Vorrücken nach Münchengrätz links umgangen, oder beim Rückzuge über Gabel nach Zittau zu einer Schlacht gezwungen zu werden. Den Rückzug nach Gabel hatte der König schon am 5. genehmigt, jetzt schrieb er, der Prinz solle feste Lager beziehen, alle Verstärkungen aus Schlesien an sich ziehen und dann bis Neuschloß wieder vorgehen, das sei das beste Mittel, Lothringen von allen Offensivoperationen abzuhalten. Aber der Prinz that weder das Eine noch das Andere; er blieb bei Leypa stehen, ließ Gabel am 15. in Feindes Hände fallen, obwol er die Nachricht bekommen, daß er nur von 10000 Mann angegriffen werde. In einem Kriegsrathe am 14., dem Winterfeld Krankheitshalber nicht beiwohnte, wurde weder beschlossen, Gabel zu verstärken oder mit der Armee hinzurücken, noch nach Leitmeritz zur Armee des Königs zu stoßen, sondern das allerschlechteste, nämlich ein Marsch über Kaunitz und Rumburg nach Zittau, „da ein Officier gesagt habe, der Weg wäre gut und auf der besseren Straße über Georgenthal marschire ein Corps Oesterreicher“, – was beides nicht der Fall war. Erst am 17. wurde Schmettau zur Verstärkung Zittaus, wo das Hauptmagazin war, abgeschickt, traf aber zu spät ein – am 19. Der Prinz folgte; aber auf den engen und schlechten Wegen, wo Kroaten die Colonnen alle Augenblicke angriffen, entstanden Stockungen, 2000 Mann desertirten, die Fuhrknechte flohen, Pontons, Proviant und Munitionswagen blieben stehen und erst am 22. langte die Armee fast in Auflösung vor Zittau an und hatte fünf Tage gebraucht, um fünf Meilen zurückzulegen. Zittau wurde von den Oesterreichern bombardirt, das Magazin, mit Proviant für 40,000 Mann auf drei Wochen, verbrannt, ein Theil der tapferen Besatzung am 23. gefangen, und der Prinz stand unthätig drei Viertel Meilen davon mit einem den Angreifern von Zittau überlegenen Heere.

Dann ging er unverfolgt in fünf Märschen nach Bautzen, wo seine Armee nach den schwersten Verlusten in völliger Deroute eintraf. Der König, der am 29. bei Bautzen ankam, empfing den Prinzen in wenig zuvorkommender Weise; als dieser ihm die Rapporte überreichen wollte, wendete er sein Pferd um und [671] ließ ihn stehen. Ueber die Generale, welche des Prinzen Umgebung gebildet – mit Ausnahme Winterfeld’s – sprach er sich sehr hart aus. Des Königs Lage war damals verzweifelt; die mangelhafte Führung der Armee des Prinzen hatte ihn gezwungen, Böhmen so früh zu verlassen; dessen ganze Armee war demoralisirt, alle Wagen mußten neu ersetzt werden; Zittau, Gabel mit ihren Garnisonen und großen Magazinen waren in Feindes Hand gefallen. Der Prinz war höchst unentschlossen gewesen und hatte jedes Gefecht geflissentlich vermieden. So war der König in seiner Beurtheilung strenge, vielleicht hart, aber gewiß nicht ungerecht; Gaudi und Retzow lassen sich nur durch ihre Abneigung gegen Winterfeld leiten, dessen Verläumdungen sie die Gereiztheit des Königs Schuld gaben – und ihm schloß der Tod bald den Mund.

Am 30. Juli schrieb der Prinz dem König: „Mein lieber Bruder! Die Briefe, die Ihr mir geschrieben und die Art, mit der Ihr mich gestern aufgenommen, zeigen mir genugsam, daß ich nach Eurer Meinung Ehr und Reputation verloren habe. Dies betrübt mich, schlägt mich aber gar nicht nieder, weil ich mir nicht den geringsten Vorwurf zu machen habe. Ich halte es für unnütz, Euch zu bitten, meine Ausführung untersuchen zu lassen, dies würde eine Gnade sein, so Ihr mich erzeigtet, folglich kann ich mich dessen nicht getrösten. Meine Gesundheit ist durch die Fatiguen, noch mehr aber durch den Verdruß geschwächt, ich habe mich in die Stadt logirt, um mich zu erholen“. – Der König erwiderte mit eigener Hand: „Ihr habt durch Eure üble Aufführung meine Sache in verzweifelte Lage gebracht, es ist nicht der Feind, sondern Eure üble Maßregeln, die mir allen Schaden zufügen, meine Generals sind gar nicht zu entschuldigen, weil sie Euch so übel gerathen oder doch zugegeben, daß Ihr so üble Entschließungen genommen. Eure Ohren sind nur gewöhnt, die Reden der Schmeichler zu hören, Daun hat Euch aber nicht geschmeichelt. Ich werde schlagen und wenn wir nicht überwinden können, werden wir uns Alle niedermachen lassen. Ich beschwere mich nicht über Euer Herz, wol aber über Eure Unfähigkeit und Euren Mangel an Beurtheilung“ …

Bald darauf verließ der Prinz die Armee und ging nach Preußen zurück, wo er gebeugt und bekümmert nach längerer Krankheit in seinem Schlosse Oranienburg starb, von seiner Familie, der Armee und dem Volke, besonders von Allen, die ihm persönlich nahe gestanden, tief betrauert.

[Zusätze und Berichtigungen]

  1. August Wilhelm, Prinz v. Preußen I 669 Z. 12 v. u. l.: geb. 9. Aug. 1722 (statt 1714). [Bd. 56, S. 395]