ADB:Riccabona von Reichenfels, Carl Joseph von

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Artikel „Riccabona, Karl Josef von“ von Alois Knöpfler in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 28 (1889), S. 407–408, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Riccabona_von_Reichenfels,_Carl_Joseph_von&oldid=- (Version vom 16. Oktober 2019, 12:34 Uhr UTC)
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Riccabona: Karl Josef v. R., Bischof von Passau, stammte aus der Familie der Edlen v. R. auf Reichenfels und wurde am 28. Juli 1761 zu Cavalese in Südtirol geboren. Sein Vater Joseph Anton v. R. sandte den aufgeweckten Knaben zur nöthigen Ausbildung an die Studienanstalt nach Brixen, von wo er im J. 1777 die Universität Innsbruck bezog. Nach Absolvirung des philosophischen Cursus entschloß sich der junge R., das älteste von fünf Geschwistern, zum Studium der Theologie. Auf Verwendung seines Firmpathen, des Fürstbischofs Firmian von Passau, erhielt er Aufnahme in das Collegium Romanum und zugleich die Zusicherung eines Kanonikats an der Kathedralkirche zu Passau. Firmian starb jedoch schon 1783, in welchem Jahre R. am Allerheiligenfest in der Capelle des Quirinals als Diakon seine erste Predigt hielt, in Gegenwart von Pius VII. und sämmtlicher Cardinäle. Der Papst verlieh ihm bei dieser Gelegenheit ein Kanonikat an dem Collegiatstift St. Johann in Regensburg. Nachdem R. am 20. December desselben Jahres in Rom die Priesterweihe empfangen hatte, wirkte er zunächst als Caplan in der Pfarrei Auer im Bisthum Trient, 1790 wurde er vom Stift St. Johann als Pfarrer von Wallersdorf, Diöcese Regensburg, präsentirt. In dieser Stellung wirkte R. 31 Jahre lang als eifriger Seelsorger und erwies sich namentlich in den verhängnißvollen Kriegsstürmen, die auch über seine Pfarrei dahinzogen, wiederholentlich als schützender Engel seiner Heerde gegenüber den ungestümen französischen Kriegern. Als dann infolge des Concordats in Baiern die durch die Kriegs- und Säcularisationsstürme zerstörte kirchliche Hierarchie wieder hergestellt werden sollte, wurde R. am 2. October 1821 als Domcapitular in das Metropolitancapitel nach München berufen, und von Erzbischof Gebsattel am 12. December dess. Jahres zum 1. Rath bei der I. Ehegerichtsinstanz, sowie zum Diöcesanvisitator ernannt. Am 4. März 1824 beförderte ihn Max I. zum Dompfarrer und als zwei Jahre darauf der letzte Fürstbischof von Passau, Graf Thun, auf seinem Landgut Cybulka bei Prag starb, wurde R. von König Ludwig I. am 25. December 1826 zum Bischof von Passau ernannt, am 9. April 1827 durch Leo XII. bestätigt; am 25. desselben Monats in München consecrirt, hielt er am 17. Mai seinen feierlichen Einzug in Passau. Des neuen Bischofs harrte eine schwere Aufgabe; die Kriegs- und Säcularisationsstürme [408] hatten, wie in andern deutschen Diöcesen, so auch in Passau viele Ruinen geschaffen, ja hier waren die Folgen noch weit verheerender, da Fürstbischof Graf von Thun aus Aerger über seine Mediatisirung seine Diöcese grollend verlassen und sich um deren Angelegenheiten nicht im geringsten kümmerte, trotzdem aber sein Amt nicht niederlegte. So war Passau factisch ein Vierteljahrhundert ohne jeden Hirten, was für das kirchliche Leben, vor allem aber auch für den kirchlichen Besitz von schlimmen Folgen sein mußte. Es galt nun eine Restauration zu beginnen und R., seiner schweren Aufgabe sich ganz und voll bewußt, ging unverdrossen, aber nicht überstürzend ans Werk. Zunächst sorgte er für einen würdigen Gottesdienst in seiner verarmten Kathedrale und wußte zu diesem Zweck 1829 die Extradirung des Domkirchenfonds von König Ludwig I. zu erwirken. Zur Beseitigung vorhandener Mängel und Neubelebung des religiösen Lebens in seinem Sprengel hielt der Bischof selbst eingehende Diöcesanvisitationen, wobei er in erster Linie für Ertheilung eines ersprießlichen Religionsunterrichtes in Schule und Kirche, sowie für würdige Feier des Gottesdienstes sorgte. Eine nicht weniger wichtige Angelegenheit war die Sorge für Erziehung und Heranbildung eines tüchtigen Diöcesanklerus. Die blühenden Lehranstalten Passaus waren durch die Säcularisation vollständig vernichtet worden und Riccabona’s erste Sorge mußte es sein, dafür in irgend einer Weise Ersatz zu schaffen. Durch das bereitwillige Entgegenkommen König Ludwig’s konnte er bereits im Januar 1829 das Diöcesanseminar eröffnen und 1833 wurde durch einen weiteren königlichen Gnadenact ein vollständiges Lyceum mit zweijährigem philosophischen und dreijährigem theologischen Cursus ins Leben gerufen. Den weiteren Wunsch der Errichtung eines Knabenseminars sah der Bischof sich nicht mehr verwirklichen, dagegen konnte er für Erziehung und Heranbildung der weiblichen Jugend die englischen Fräulein am 8. October 1836 in Niedernburg feierlich einführen. Wie der Jugend und deren religiöser Ausbildung galt seine Sorge nicht weniger auch den Armen. Das sprechendste Zeugniß hierfür ist sein Testament, worin er die Armen Wallersdorfs, seiner ehemaligen Pfarrei und das zweite Waisenhaus in Passau als Universalerben einsetzte. Nach einem für die Diöcese so segensreichen Wirken entschlief der Bischof am 25. Mai 1839 und darf wol mit Recht als Regenerator des kirchlichen Lebens in Stadt und Diöcese Passau angesehen werden.