ADB:Riccabona von Reichenfels, Benedikt von

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Artikel „Riccabona von Reichenfels, Benedikt von“ von Alois Knöpfler in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 28 (1889), S. 406–407, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Riccabona_von_Reichenfels,_Benedikt_von&oldid=- (Version vom 20. August 2019, 03:34 Uhr UTC)
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Riccabona: Benedict v. R., Fürstbischof von Trient, wurde geboren am 23. März 1807 zu Cavalese in Südtirol, dem Stammsitz derer v. Reichenfels. Später kaufte sich sein Vater Johann v. R., Bruder des Fürstbischofs von Passau, in dem im Etschthal gelegenen deutschen Dorfe Auer an. R. durchschritt die gewöhnliche Studienlaufbahn an den Anstalten zu Trient und wurde am 8. August 1830 zum Priester geweiht. Nach kurzer Verwendung in der Seelsorge kam er als Secretär und Uebersetzer zur päpstlichen Nuntiatur nach München, wo er in freundschaftliche Beziehungen zu dem Gelehrtenkreis Görres-Ringseis trat. In dieser Zeit schrieb er in eine Zeitschrift einen kleinen Aufsatz „Ueber die Thorheit des Duells“. R. fand übrigens seine Befriedigung nicht in den Bureaus, sehnte sich vielmehr nach der Pastoration zurück. Die Domherren von Passau suchten den jungen Priester als Stütze seines greisen Oheims, des Fürstbischofs zu gewinnen, allein Letzter erklärte seinem Neffen: „Geh in deine Diöcese, du wirst Bischof von Trient“. Der Abschied von München, namentlich vom Nuntius, der ihn wie einen Sohn liebte, fiel ihm ziemlich schwer, daher entfernte er sich heimlich mit Zurücklassung eines Schreibens auf der Nuntiatur. In Trient wurde R. vom Fürstbischof zum deutschen Prediger bestellt, und er fand in dieser Stellung durch seine populären Vorträge großen Anklang. In Bälde kam er als Pfarrer nach Lavis und in einigen Jahren als Decan nach Roveredo. Hier zeichnete er sich in der Revolutionszeit durch Unerschrockenheit und Kaisertreue aus, insbesondere widmete er sich den Soldaten, für die er Exercitien hielt, die auch fleißig besucht wurden. Von Roveredo kam R. als Stiftspropst nach Bozen; 1854 aber ernannte ihn der Kaiser von Oesterreich zum Bischof von Verona und am 16. Juli wurde es von Pius IX. in Rom consecrirt. Bei dieser Gelegenheit behielt ihn der Papst noch einige Zeit zurück, um ihn bei den österreichischen Concordatsverhandlungen zu Rathe zu ziehen. R. wurde von den Veronesern als Deutscher ziemlich kalt aufgenommen, gewann aber die Herzen seiner Diöcesanen rasch, namentlich durch sein unerschrockenes und hilfreiches Auftreten während der in jenem Jahr zu [407] Verona grassirenden Choleraepidemie. In besonderer Weise hatte sich der Bischof der Freundschaft und Gewogenheit des Feldmarschalls Radetzky, des Generalgouverneurs der Lombardei und Venedigs zu erfreuen. Bei Erledigung des Stuhles von Trient wurde R. vom Kaiser am 5. Februar 1861 zum Fürstbischof daselbst ernannt; am 26. Juni nahm er vom Stuhl des heil. Vigilius feierlichen Besitz. Hauptsorge des Bischofs während seines ganzen Pontificates war Schutz und Förderung des katholischen Lebens in seiner Diöcese; zu diesem Zweck sorgte er vor allem für Heranbildung eines tüchtigen Clerus durch Errichtung eines bischöflichen Convicts in seiner Residenz. Den Gefahren einer destructiven Presse suchte er durch Gründung eines conservativ-katholischen Blattes, der Voce cattolica, zu begegnen. Als Mitglied des Tiroler Landtages nahm er mit Fürstbischof Gasser von Brixen in den 60er Jahren lebhaften Antheil an den Kämpfen in der Glaubenseinheitsfrage. Ein Glanzpunkt seines Pontificates war die Centenarfeier des Trienter Concils 1863, an der 3 Cardinäle und 25 Bischöfe theilnahmen. Fürstbischof R. war ein Mann von aufrichtiger, ungeheuchelter Frömmigkeit, besaß ein wahrhaft edles Herz und wirkte mehr in der Stille seines Berufes, als durch geräuschvolles Auftreten nach außen. Infolge eines Schlaganfalls, dessen Folgen sich nicht mehr heben ließen, kränkelte er mehrere Jahre, bis das allmählich verglimmende Leben am 31. März 1879 völlig erlosch.