ADB:Rigler, Friedrich Anton

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Artikel „Rigler, Friedrich Anton“ von Richard Hoche in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 28 (1889), S. 609–610, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Rigler,_Friedrich_Anton&oldid=- (Version vom 18. Juli 2019, 09:30 Uhr UTC)
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Rigler: Friedrich Anton R., Schulmann und Philologe, 1797–1874. Er war am 30. October 1797 als Sohn eines – katholischen – Justizamtsmanns in der Nähe von Bamberg geboren und hat seinen Jugendunterricht in verschiedenen Kloster- und Jesuitenschulen seiner baierischen Heimath empfangen. (Wo dies gewesen, ist nicht mehr zu ermitteln da R. aus „confessionellen Gründen“ über seine Jugend und seine Jugendbildung selbst seinen nächsten Verwandten gegenüber das tieffste Stillschweigen zu beobachten pflegte, so daß diese auch über seinen Geburtsort niemals etwas Sicheres erfahren haben.) Seine Universitätsstudien begann er 1814 in Münster, wo er aber nicht lange gewesen zu sein scheint, und setzte dieselben dann in München fort. Hier hatte er das Glück, Friedrich Thiersch nahe zu kommen, der mit besonderer Theilnahme seine Arbeiten förderte und ihn auch in das unter seiner Leitung stehende griechische Seminar „als Hülfslehrer“ eintreten ließ. Thiersch scheint auch den Entschluß Rigler’s, sich nach Vollendung seiner Studien in Preußen eine Anstellung zu suchen, veranlaßt oder wenigstens bestärkt zu haben; er verwendete sich für R. bei der damaligen Provinzialschulbehörde des Niederrheins, dem Consistorium in Köln, welches den eben zwanzigjährigen, jungen Gelehrten zunächst im Januar 1818 dem Friedrich-Wilhelms-Gymnasium in Köln zur Leistung von Aushülfe zuwies. Nachdem R. dann am 30. März 1818 die Prüfung pro facultate docendi bestanden, wurde er an der genanten Anstalt als ordentlicher Lehrer angestellt und schon nach zwei Jahren – 1820 – zum Oberlehrer befördert. Im October 1821 wurde er als erster Oberlehrer an das Gymnasium in Bonn versetzt und schon im Herbst 1825 zum Director des Gymnasium in Aachen, einer der bedeutendsten Anstalten der Rheinprovinz, ernannt. Auch hier sollte seines Bleibens nicht lange sein: da er sich entschlossen hatte, zum evangelischen Bekenntnisse überzutreten, konnte er nicht an der Spitze einer ausschließlich katholischen Anstalt verbleiben und mußte daher um die Versetzung in ein entsprechendes Amt an einem nichtkatholischen Gymnasium nachsuchen. Die Staatsregierung, welche allen Grund hatte, den gelehrten und geschickten Lehrer und Director in R. zu schätzen, ging auf seinen Antrag sogleich ein und übertrug ihm die Direction des königlichen Gymnasiums in Cleve, welche er am 15. Ocotber 1827 antrat. Ueber [610] die Motive zu seinem Bekenntnißwechsel hat R. sich nicht geäußert; anscheinend war der schon längst gehegte Entschluß durch die Unduldsamkeit des Aachener Ultramontanismus – gegenüber den in Köln und Bonn damals herrschenden milderen Anschauungen – zur Reife gebracht. – Das Amt in Cleve hat R. 9 Jahre hindurch mit großer und verdienter Anerkennung geführt, er konnte aber ein fortdauerndes Sinken der Schülerzahl und mancherlei Schädigung der Schule nicht verhindern. Es zeigte sich bald, daß die Regierung ihm besser eine Stelle an einer ganz evangelischen Anstalt in einer anderen Provinz übertragen hätte, während in Cleve ein Theil der Lehrer und die Hälfte der Schüler, wie der Bevölkerung, katholisch war. Die Neugründung eines ganz katholischen Gymnasiums in Emmerich (1832), also in nächster Nähe von Cleve, wurde vielfach – und wohl kaum mit Unrecht – als Mißtrauen der katholischen Bevölkerung gegen R. hervorgegangen aufgefaßt; R., der an sich keine sehr nachgiebige Natur war, sah sich zu Concessionen gegen die katholische Geistlichkeit gedrängt, die ihm schwerer werden mußten, als anderen. Als im Januar 1836 ein in das Lehrercollegium neu eintretender katholischer Geistlicher den Unterricht in der Religionslehre umgestaltete, mußte R. sogar die Einrichtung einer regelmäßigen Schulmesse gestatten. – Es ist begreiflich, daß unter diesen Verhältnissen es ihm wie eine Erlösung erschien, als er im Sommer 1836 die Berufung als Director des königlichen Gymnasiums in Potsdam erhielt. Im Juli schied er von Cleve und trat dann, nach einem längeren Aufenthalte in Baden-Baden, im September 1836 das neue Amt an. Dieses hat er 32 Jahre lang in segensreichster Weise geführt „als ein Vorbild lauterster Begeisterung für die Wissenschaft und den Beruf der Jugendbildung, hingebenster Treue, strengster Pflichterfüllung“. Das Potsdamer Gymnasium nahm unter ihm einen neuen Aufschwung; er selbst konnte befriedigt auf die Erfolge seiner Arbeit blicken, welche freudige und allgemeine Anerkennung fanden. Im Herbst 1868 trat er unter reichen Ehrenerweisungen in den Ruhestand und starb am 17. August 1874. – Seine ziemlich zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten sind theils in Schulprogrammen niedergelegt, theils selbstständig erschienen; zu nennen sind namentlich seine „Commentatio de Platonis Theaeteto“, 1822; „Comm. de Hercule et Cercopibus“, 1826; „De Manethone astrologo comm.“, 1828, ferner die von R. und Moritz Axt gemeinschaftlich besorgten Ausgaben des Hermesianax, 1828, und der Apotelesmatica des Manetho, 1832. In der Potsdamer Zeit beschäftigte er sich vornehmlich mit Tibull, zu welchem er Annotationes in 3 Theilen veröffentlichte, und namentlich mit Nonnus. In den Jahren 1850–1862 erschienen 6 Hefte Meletemata Nonniana, eine für die Kritik und die Erklärung des Nonnus überaus werthvolle Arbeit; ein sehr ausführliches Lexicon Nonnianum war der Vollendung nahe, als R. starb. Da der noch von R. selbst für die Abschließung gewonnene Gelehrte von seiner Zusage zurücktrat, so ist das Manuscript der königlichen Bibliothek in Berlin übergeben worden.

H. Probst, Festschrift … des Gymnasiums zu Cleve, 1867, S. 19–21 und 37; das dort gegebene Verzeichnis der Schriften Rigler’s ist wenig vollständig. – Derselbe, Festrede im Jahresberichte des Gymn. in Cleve, 1869, S. 13 f. – Jahresbericht des Gymnasiums zu Potsdam, 1869, S. 45 f. – Mittheilungen der Familie.