ADB:Rohrbach, Berthold von

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Artikel „Rohrbach, Berthold von“ von Ludwig Keller in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 29 (1889), S. 62, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Rohrbach,_Berthold_von&oldid=- (Version vom 15. Oktober 2019, 11:46 Uhr UTC)
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Rohrbach: Berthold v. R. war Prediger unter den sog. Begharden oder Lollharden in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Er trat zuerst in Franken, besonders im Würzburgischen, auf und scheint während der Kämpfe zwischen Kaiser Ludwig und dem Papst ebenso wie viele andere seiner Glaubensgenossen ungestört gewirkt zu haben. Um das Jahr 1350 traf die Reaction, welche unter Karl IV. eintrat, auch R.; er wurde in Würzburg verhaftet und vor Gericht gestellt. Es gelang ihm (angeblich durch Widerruf von drei Artikeln seines Glaubens) seine Befreiung zu erhalten. Auf seinen weiteren Wanderungen fiel er im J. 1356 im Bisthum Speyer der Inquisition von neuem in die Hände. Bischof Gerhard von Speyer, der vertraute Rathgeber Kaiser Karl’s, nahm die Angelegenheit sehr ernst und berief eine Synode nach Speyer. In Gegenwart des Diöcesanclerus fand die Verhandlung gegen R. statt, welcher standhaft bei seinem Glauben beharrte. „Mein Glaube“, erklärte er, „ist ein Geschenk Gottes und die Gnade, die er mir geschenkt hat, darf und kann und will ich nicht verleugnen“. Das Verfahren endete mit der Verurtheilung zum Feuertode. Noch auf der Richtstätte ließ der Inquisitor die Frage erneuern, ob R. widerrufen wolle; er erwiderte abermals, „er könne die Wahrheit nicht verleugnen“ und bestieg geduldig den Scheiterhaufen. Das geschah im J. 1356. Unsere Quellen berichten, daß R. eine große Gewalt über die Gemüther seiner Anhänger ausgeübt habe, aber kein gelehrter Mann gewesen sei. Er trug die auch sonst bekannte Tracht der apostolischen Wanderprediger des 14. Jahrhunderts. „Seine letzten Worte“, sagt Mosheim, „verrathen eine fromme Gesinnung gegen Gott und ein Herz ohne Falsch und Trug; deshalb bin ich der Ansicht, daß dieser Mann eines besseren Looses werth gewesen wäre und reineren Herzens war als seine Richter“. Die Nachrichten in Bezug auf die Sätze, derentwegen seine Hinrichtung stattfand, lauten nicht übereinstimmend. Einzelne Irrlehren, die ihm zur Last gelegt werden, lassen sich sonst nirgends unter den Ketzern nachweisen; andere geben bestimmte Anschauungen der sog. Begharden (z. B. deren Auffassungen über die Sacramente) wieder. Ebenso unbestimmt lauten die Nachrichten über den von ihm zu Würzburg angeblich geleisteten Widerruf.

Mosheim, De Beghardis et Beguinabus, p. 276, 325 ff., 539. Lipsiae 1790. – Trithemius, Annal. Hiersaug. II, 231. – Harzheim, Concil. Germ. IV, 407. – M. Eysenhart, Cont. Chronici univ. H. Gigantis ed. Meuschenius 1713, p. 140. – Simonis, Hist. Beschreibung aller Begebenheiten zu Speier u. s. w., Speier 1608, S. 129. – Remling, Gesch. der Bischöfe von Speier, 1852, I, 622.