ADB:Sachse, Johann David Wilhelm

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Sachse, Johann David Wilhelm“ von Julius Pagel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 30 (1890), S. 144–145, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Sachse,_Johann_David_Wilhelm&oldid=- (Version vom 15. September 2019, 06:52 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 30 (1890), S. 144–145 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand September 2014, suchen)
GND-Nummer 104245182
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|30|144|145|Sachse, Johann David Wilhelm|Julius Pagel|ADB:Sachse, Johann David Wilhelm}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=104245182}}    

Sachse: Johann David Wilhelm S., Arzt, als Sohn des Amtschirurgen A. W. S. zu Uelzen im Lüneburgischen am 16. November 1772 geboren, war von 1788–91 Zögling des königl. großbritannischen und kurfürstl. braunschweig-lüneburgischen Collegium chirurgicum, bezog darauf die Universität Göttingen, wo er 1793 mit der Dissertation „De tympanitide“ die Doctorwürde in der Medicin und Chirurgie erwarb, prakticirte darauf einige Jahre lang unter Leitung von Lentin in Lüneburg, dessen Schwiegersohn er 1795 wurde, und ließ sich im letztgenannten Jahre zu Parchim in Mecklenburg als praktischer Arzt nieder. Hier erlangte er eine rasch zunehmende und bald sehr blühende Praxis und erwarb sich durch Einführung der Kuhpockenimpfung ein großes Verdienst. Eine diesem Zwecke gewidmete Schrift „Beobachtungen und Bemerkungen über die Kuhpocken, mit Rücksicht auf die Einwendungen des Herrn Hofrath Hertz“ (Berlin und Stettin 1802) fand in weiteren Kreisen Anerkennung. Ebenso erwarb er sich durch sein gediegenes Werk „Das Wissenswürdigste über die häutige Bräune“ (2 Bde., Lübeck 1810 und Hannover 1812), sowie durch verschiedene weitere, von Litteraturkenntniß sowol wie von seiner Beobachtungsgabe zeugende Abhandlungen in medicinischen Zeitschriften auch in Gelehrtenkreisen ein so großes Ansehen, daß ihm auf Empfehlung Hufeland’s 1818 die klinische Professur in Bonn angeboten wurde. Doch lehnte er diese ab und folgte um 1820 einem Rufe als Leibarzt des Großherzogs Friedrich Franz von Mecklenburg-Schwerin nach Ludwigslust, nachdem er schon 1797 zum Titular-Hofmedicus ernannt und etwas später nach Schwerin übergesiedelt, auch 1806 zum wirklichen Hofmedicus und 1819 zum Medicinalrath ernannt worden war. 1822 erhielt S. den Titel als Geheimer Medicinalrath, 1837 nahm er seine Entlassung aus der Stellung als Leibarzt, 1843 beging er in voller Rüstigkeit und durch mannichfache Ovationen und Ehrenerweisungen ausgezeichnet sein 50jähriges Doctorjubiläum, zog sich dann aber infolge eines überhand nehmenden Lungenleidens von der Praxis zurück und widmete sich in seinen letzten Lebensjahren [145] dem Ordnen seiner reichen Kupferstichsammlung, sowie der Vervollständigung seiner Sammlung von Bildnissen berühmter Aerzte, deren Werth er durch Ausstattung mit biographischen und bibliographischen Notizen erhöhte. Er starb als Nestor der mecklenburgischen Aerzte nach längerem Leiden am 12. April 1860. Außer den genannten litterarischen Arbeiten sind besonders die Verdienste bemerkenswerth, die sich S. um Hebung des Seebades Doberan erwarb. Der erste Band seiner 1835 und 1839 in zwei Abtheilungen veröffentlichten „Medicinischen Beobachtungen“ handelt ausschließlich von den Wirkungen und dem Gebrauch der Bäder, insbesondere des Seebades zu Doberan, das durch seine auf Beseitigung verschiedener Mängel und Verbesserung der Einrichtungen hinzielenden Bemühungen einen großen Aufschwung nahm. Weitere Veröffentlichungen Sachse’s über das genannte Bad, sowie seine anderen litterarischen Leistungen sind in den unten angegebenen Quellen verzeichnet. Nicht unerwähnt darf noch die nützliche Mitwirkung bleiben, welche S. bei der Bearbeitung der neuen mecklenburgischen Medicinalordnung vom Jahre 1830 leistete.

Vgl. Deutsche Klinik, Jahrg. 1860, Bd. XII, Nr. 45, Drei Nekrologe S. 435–437. – Biogr. Lex. hervorr. Aerzte von A. Hirsch, V, 143.