ADB:Salchmann, Friedrich

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Artikel „Salchmann, Friedrich“ von Heinrich Pröhle in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 30 (1890), S. 208–210, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Salchmann,_Friedrich&oldid=- (Version vom 17. Oktober 2019, 04:01 Uhr UTC)
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Salchmann: Friedrich S. (fälschlich Salichmann, Selichmann), Badeschriftsteller des 17. Jahrhunderts und einer der tüchtigsten lutherischen Landpfarrer aller Zeiten. Er war „aus Braunschweig“ gebürtig und wurde, möglicherweise schon zu der Zeit, da Christian von Braunschweig (s. A. D. B. IV, 677) Bischof von Halberstadt war, Prediger in dem ansehnlichen Dorfe Hornhausen bei Oschersleben im Bisthume Halberstadt. Die Anerkennung, welche seine geistliche Thätigkeit als Badeprediger nicht bloß bei vielen lateinischen Dichtern, z. B. dem Vater von Leibniz, sondern auch bei zahlreichen Fürsten fand, scheint ihn wohlhabend gemacht zu haben, so daß seine allem Anscheine nach nicht einmal kinderlose Gattin den von ihm angelegten ansehnlichen Schäfergarten fünf Jahre nach seinem Tode der Pfarre schenkte. Doch scheint er auch den Anstrengungen erlegen zu sein, die er während der kurzen Zeit des Bades gemacht hatte: denn er starb gegen Ende des Jahres 1648, also muthmaßlich fast gleichzeitig mit dem bald zu erwähnenden Gottfried Finckelthauß. Möglicherweise erreichten beide kaum ein Alter von 50 Jahren. Das ganze Bad Hornhausen im dreißigiährigen Kriege erscheint wie eine Veranstaltung Salchmann’s, um auch in Norddeutschland die Wunden und Gebrechen jener Tage zu heilen. Es war noch in der Zeit der Angst und der Plagen, von denen Paul Gerhard in dem Liede „Nun laßt uns gehn und treten“ zur Feier des westfälischen Friedens spricht. Salchmann’s großes Pfarrdorf lag zu zwei Drittheilen wüst. Da fanden am 5. März 1646 zuerst einige Knaben einen neuentstandenen Erdfall, dessen Wasser alsbald für heilkräftig galt, worauf dann noch mehrere Heilquellen hervortraten. Die augenblicklichen Verhältnisse des Krieges machten den Ort für die Protestanten von allen Seiten zugänglich und so erlangte Hornhausen 1646 einen Zulauf, wie ihn selbst „das Carolsbad“ bis dahin nicht gehabt hatte. Allein so wie bei den Katholiken noch der Glaube an Wunderquellen mitwirkte, so pochte der Hornhäuser Kurgast auf Salchmann’s reine Lehre. War angeblich beim Prager Fenstersturz einer der Herabgestürzten dadurch gerettet, daß er längere Zeit vorher von dem Wasser [209] zu Mariaschein getrunken hatte, so durfte auch gegen das Ende des Krieges hin dem kranken schwedischen General Torstenson die Pflege an dem Hornhäuser Brunnen nicht fehlen. Um einem falschen Gebrauche derselben vorzubeugen, hielt S. zweimal täglich eine Andacht im Freien, bei der er ein langes charakteristisches Brunnengebet vorlas, während sein Cantor Henning Pauke auf der Tribüne mit singenden Schülern neben ihm stand. Die Ordnung in dem Badeorte war wegen der Nachwirkungen der Zerstörung von Magdeburg noch immer schwer aufrecht zu erhalten. Doch waren die von S. selbst getroffenen Einrichtungen sehr gut. Auch blieb es wohlfeil in Hornhausen; die Kanne Brühan war für 4 Pfenninge zu haben. Der anwesende Adel wohnte in seinen Reisewagen und Caretten. Für die Fürsten war ein Bauernhaus zugerichtet, von wo aus sie den Salchmann’schen Reden im Freien wie von einer Loge aus zuhören konnten. Während des langen Salchmann’schen Gebetes kniete das Volk im Freien. Doch schon im folgenden Jahre verschwanden angeblich die Quellen wieder. Später, nach Salchmann’s Tode, sprangen sie noch einmal hervor, doch wurde ihre Heilkraft nun verschieden beurtheilt. Eine noch später angeordnete wissenschaftliche Untersuchung führte nebenbei zur Entdeckung der bis dahin unbekannten Magnesia. In der zweiten Hälfte des jetzigen Jahrhunderts, während der sogenannten Gründerjahre, wurde infolge des Erscheinens der „Chronik von Hornhausen“ der Versuch gemacht, das Bad wieder zu beleben. Professor Sonnenschein in Berlin nahm eine Analyse der Hornhäuser Wässer vor, für welche er 3000 Mark berechnete, und erklärte dieselben für mindestens ebenso heilkräftig, als das Bad zu Pyrmont. Die kurz vorher umsonst vorgenommenen Analysen von Dr. Lucanus standen damit nicht in Widerspruch. Wenn nun auch S. und Finckelthauß, deren Bekanntschaft unter einander sich nicht nachweisen läßt, durch ihre Brunnenschriften eine ungerechte Bevorzugung der Hornhäuser Quellen vor denen zu Karlsbad, Eger und Teplitz bewirkt und ihnen ohne Grund eine universelle Heilkraft zugeschrieben hatten, so ist doch durch die Analysen von Lucanus und Sonnenschein die Annahme ausgeschlossen, daß etwa die ganze Blüthe des Bades zu Hornhausen nur auf einer von S. in Scene gesetzten frommen Täuschung der Evangelischen beruht habe.

Da in der kurzen Biographie von Finckelthaus (s. A. D. B. VII, 19, 20) sein Lehrgedicht über den Brunnen zu Hornhausen und sein Aufenthalt daselbst wie in Amerika nicht erwähnt ist, so mögen hier einige ihn betreffende Ergänzungen Platz finden. Gottfried F. gehörte einer angesehenen Leipziger Gelehrtenfamilie an, scheint jedoch nicht in Leipzig, sondern in Lützen geboren zu sein. In Leipzig verlebte er seine schönsten Jugendjahre. In dortigen akademischen Kreisen begann er bereits die Stellung in der weltlichen Lyrik als schwächerer Nachfolger Paul Flemming’s und als Vorläufer Johann Christian Günther’s einzunehmen. Hervorragenden Antheil hatte er an dem sogenannten Gesellschaftsliede. Wegen der Umwälzungen durch den Tod Gustav Adolf’s in der Schlacht bei Lützen am 6. November 1632 verließ er, wie Flemming, seine sächsische Heimath. Verbürgt ist jedoch die Freundschaft dieser beiden Dichter erst für die spätere Hamburger Zeit nach Flemming’s persischer und Finckelthauß’ brasilianischer Reise. Der erste Hamburger Aufenthalt von F. dauerte bis 1638. 1639 hat er ein Stammbuchblatt in Leipzig unterschrieben, worin er sich als geistreichen Abenteurer zu erkennen gibt, was nicht ausschließt, daß er 1639 oder schon 1632 in Leipzig ein städtischer Beamter gewesen sein könnte, was er nach der irrigen Ansicht dauernd gewesen sein soll. 1640 ging er zu den Holländern und mit diesen nach Brasilien. Er sang nun in widerwärtiger Vermischung der Menschenracen von braunen [210] und schwarzen Frauenzimmern, was von den Litterarhistorikern, die seine Lebensgeschichte nicht zu erforschen für nöthig hielten, auf das Haar seiner vermeinten Leipziger Geliebten bezogen wurde. 1642–46 lebte er in den deutschen Küstenlandschaften, vielleicht auch in Leipzig. 1646 war er in Hornhausen, dessen Brunnen er in einem langen Lehrgedicht als siebentes Weltwunder pries. Der erste dortige Wunderquell war gerade am Geburtstage Johann Georg’s I. von Sachsen, der auch nach Hornhausen kam, entsprungen. Vielleicht ist F. durch diesen Umstand in Hornhausen selbst dem sächsischen Hofe näher getreten. Wir finden ihn 1647 als frommen und eifrigen sächsischen Hofpoeten in Leipzig und Dresden, der gewiß auch 1648 den westfälischen Frieden besungen haben würde, wenn er ihn gesund erlebt hätte.

Finckelhauß und S. hatten dem Hornhäuser Gesundbrunnen einen Weltruf verschafft, so daß die Abbildung des dortigen Badelebens noch eine Zierde des Theatrum Europaeum ist. Zu einer Zeit, da die Verhandlungen über den westfälischen Frieden schon begonnen hatten, erscheint der Aufenthalt mehrerer regierender Häupter in Hornhausen als ein wichtiger Fürstencongreß. Von Bedeutung war besonders der Aufenthalt des großen Kurfürsten im Halberstädtischen, der ihn jedenfalls überzeugen mußte, daß Halberstadt und Magdeburg ihres guten Bodens wegen für Vorpommern keine so schlechte Entschädigung seien, als er vielleicht ursprünglich wirklich geglaubt hatte. Ehe er die Anweisung ertheilt hat, für ihn um die oranische Prinzessin Luise Henriette zu werben, hatte er vielleicht in Hornhausen eine Zusammenkunft mit der Königin Christine von Schweden, wobei dann der Gedanke an eine brandenburgisch-schwedische Heirath aufgegeben war. Doch ist es dem Unterzeichneten nicht gelungen, die Anwesenheit des großen Kurfürsten und der Königin Christine in Hornhausen für dieselben Tage nachzuweisen. Die Badeschriften von S. und Finckelthauß sind vorzugsweise erbaulich, zum Theil sogar philosophisch gehalten, so daß sie wenig Anhalt für Nachforschungen über geschichtliche Verhältnisse bieten.

H. A. Pröhle, Chronik von Hornhausen (1850), die Geschichte des Bades S. 49, 75–147 (die Chronik ist längst vergriffen). – H. Pröhle, Feldgarben, Beiträge zur Kirchen-, Literatur- und Culturgeschichte (1859), wo S. 303 bis 398 über Bad Hornhausen handelt, auch das Brunnengedicht von Finckelthauß mit Vergleichung der H. A. Pröhle unbekannten, in Berlin befindlichen zweiten Auflage abgedruckt wird. – H. Pröhle, Gottfried Finckelthauß im Archiv für Litteraturgesch. III, 66–108. Vgl. ebenda VI, 127. – Meine noch nicht veröffentlichten Auszüge aus den hornhäusischen Acten des Provinzialarchivs in Magdeburg.